Die Inhorgenta 2019 vermochte – ähnlich wie die Baselworld – bereits im Vorfeld einige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Allerdings – ganz im Gegensatz zur Baselworld – mit durchweg positiven Vorzeichen.

Schwindet in Basel von Jahr zu Jahr die Zahl der Aussteller, so nimmt sie in München auf der Inhorgenta zu. In der Tat scheint die Inhorgenta in Sachen Uhren das Tal der Tränen überwunden zu haben. In Sachen Schmuck zählt die Messe ohnehin schon lange zur ersten Adresse.

 

Die Inhorgenta in neuem Gesicht

So waren wir nach all den Vorinformationen, die uns zur Neugestaltung der (Uhren-) Halle A1 erreicht haben, sehr gespannt. Völlig neu – und in gewisser Weise ein wenig den Les Ateliers in Basel nachempfunden – war erstmals die mittig in der Halle A1 angeordnete Boutique zu entdecken.

 

„Uhren-Halle A1“

 

Dort gaben sich eine ganze Reihe von Firmen mit ihren Ständen ein Stell-Dich-Ein, die nicht den Aufwand treiben wollten oder konnten, mit einem eigenem Standbau aufzuwarten. Findet doch nur wenig später bereits die Baselworld statt und so gilt es, den Aufwand gering zu halten. Die Messegesellschaft machte es sich zur Aufgabe, mit einem Standkonzept aufzuwarten, welches die Aussteller deutlich entlastet und diese sich damit primär auf die Präsentation ihrer Produkte konzentrieren konnten.

 

 

 

Die Uhrenboutique und zahlreiche neue Aussteller

Innerhalb der im venezianischen Stil gehaltenen Uhrenboutique fand sich ein Bistro sowie ein Kommunikationszentrum, welches nicht nur zum Verweilen einlud, sondern auch für Fachvorträge und offene Diskussionsrunden genutzt wurde.
Nicht nur der erste Eindruck war gut, auch ein zweiter und dritter Eindruck bestätigten die Richtigkeit des Konzeptes. Es machte Spaß und Laune, sich dort aufzuhalten.

 

 

So gelang es der Messeleitung, zahlreiche namhafte Hersteller hochwertiger Uhren wieder als Aussteller für die Inhorgenta zu gewinnen. Neben bekannten großen Firmen, wie die Citizen Group, mit ihren Marken Citizen, Bulova, Frédérique-Constant und Alpina, waren auch etliche kleinere, hochspezialisierte Firmen nach München gekommen. Sinn Spezialuhren aus Frankfurt genauso, wie Mühle aus Glashütte.

 

Citizen Diver´s 200m

 

Bulova Curv mit gewölbten Gehäuse und ebenso gewölbten Uhrwerk

 

SINN Spezialuhren

 

Teutonia IV Mondphase mit Mühle Jubiläums-Rotor 1869 – 2019

 

Mühle-Glashütte, Panova Grün

 

Auch die Top-Marke Tutima aus Glashütte oder Meistersinger mit der legendären Einzeigeruhr und natürlich Alexander Shorokhoff mit seinen kunstvollen Uhrendesigns waren in der neu errichteten Uhrenboutique anzutreffen.

 

Tutima Flyback-Chrono Tempostopp mit neuem Kaliber T659 aus eigener Glashütter Fertigung

 

Meistersinger Einzeigermodelle

 

Alexander Shorokhoff LOS CRANEOS 2. Dieses Modell ist der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo gewidmet.

 

Alexander Shorokhoff REVOLUTION. Seit 2016 tüftelte Alexander Shorokhov an dem Modell „Revolution“. Er wollte mehr Kunst, mehr Avantgarde, mehr „Revolution“ in die Gestaltung der Uhr bringen, sowie sein Ingenieurstalent einsetzen.

 

Aber auch die aus Frankreich stammenden Firmen Michel Herbelin und Pequignet fanden wieder den Weg nach München.

 

Pequignet Calibre Royale

 

Pequignet Royale Saphir

 

Hersteller wie Borgward oder Benzinger bieten dem Kunden dagegen ganz individuelle Lösungen in Kleinstserie oder fertigen auf Wunsch auch echte Unikate an. Jochen Benzinger hatte auch diesmal seine rund 300 kg schwere rund 100 Jahre alte Guillochiermaschine dabei, um dieses seltene Handwerk den interessierten Fachbesuchern im Live-Format vorführen zu können.

 

Borgward Fifty Seven in der Trendfarbe Grün

 

Jochen Benzinger

 

Benzinger Subskription in Blau

 

Für akustische Untermalung am Akkordeon sorgte zwischendurch Yvo Staudt, CEO und Gründer von Staudt Watches aus Holland. Yvo Staudt ist nicht nur Querdenker und Quereinsteiger, sondern gleichzeitig ein mutiger, enthusiastischer Geschäftsmann und Uhrenaficionado. Seine Uhren drücken und strahlen genau das aus.

 

Yvo Staudt, CEO und Gründer von Staudt Watches

 

Staudt Twenthe

 

Staudt Twenthe: Praeludium Chronograph

 

Zu den mutigen Uhrenmachern darf auch Willi Birk, CEO und Inhaber von POINTtec, gezählt werden. Mit seiner neuen Marke „Iron Annie“ knüpft er an die Geschichte einer von einem Amerikaner liebevoll IRON ANNIE genannten Junkers JU52 an. In einer Zeit mit geringem oder gar Nullwachstum eine neue Marke in den Markt zu bringen, erfordert Engagement und Durchhaltevermögen.

 

Iron Annie Classic automatic

 

Iron Annie Classic

 

Für Überraschung sorgte aber auch die Marke „Junkers“. Von POINTtec als Lizenznehmer wurde die Marke einst über viele Jahre behutsam aufgebaut und mit hochwertigen Produkten zur festen Größe im Uhrenmarkt entwickelt. Nun greift der Lizenzgeber, die Familie Junkers, selbst in das Geschehen ein und versucht eine eigene Kollektion aufzubauen. Der erste Eindruck, der durch die Familie Junkers vorgestellten Preziosen war allerdings wenig überzeugend. Einmal mehr ein Beispiel dafür, wie eine sorgsam aufgebaute Marke durch ein übereifriges Management Gefahr läuft, vom rechten Weg abzukommen.

 

Eigener Junkers Stand

 

Zu jenen Herstellern feiner Uhren, die in der Vergangenheit durch viele Höhen und Tiefen gehen und dabei reichlich Managementfehler ertragen musste, gehört auch die traditionsreiche Marke EBEL. Nun scheint EBEL aber wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Das Management um Flavio Pellegrini besinnt sich alter Tugenden und so strahlt die aktuelle Kollektion wieder ganz im Glanz der 1980er Jahre als die damaligen Tennis-Stars Boris Becker, Michael Stich, Stefan Edberg, Gabriela Sabatini, André Agassi oder auch Yannick Noah eine feine EBEL am Handgelenk trugen. Sehr erfreulich ist, dass EBEL ab sofort auch bei Wempe wieder gelistet ist.

 

Ebel Discovery mit Bronzegehäuse

 

Ebel Brasilia

 

Bei Junghans war das beherrschende Thema natürlich das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus. Die Max Bill Kollektion erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und Junghans versteht es meisterlich, diese wunderschönen Uhren zu hegen und zu pflegen. Passend, oder sagen wir besser als Ergänzung, dazu gibt es in limitierter Stückzahl eine in tiefschwarzen Klavierlack gehaltene Tischuhr.

 

Junghans

 

Junghans max bill Automatic 100 Jahre Bauhaus

 

Ein Urgestein in der deutschen Uhrenszene ist auch Hans-Jörg Vollmer, Inhaber der Marken Aristo, Erbprinz und Messerschmitt. Aristo-Vollmer ist stets bestrebt dem Kunden möglichst viel Uhr für´s Geld zu bieten. Auch bei Aristo findet sich natürlich die neue Trendfarbe Grün.

 

Aristo automatic in der Trendfarbe Grün

 

Last but not Least dürfen wir einen der Inhorgenta sehr verbundenen und sehr namhaften Hersteller nicht vergessen. Der japanische Hersteller Casio wartet mit einem sehr breiten Portfolio an unterschiedlichsten Modellen auf. Von sportlich und robust über funktional und innovativ bis hin zu elegant ist alles zu finden, was der Kunde und damit auch der Fachhandel sucht.

 

Die robuste Casio G-Shock LCD mit Bluetooth

 

Zum 35-jährigen Jubiläum der Submarke G-Shock lanciert Casio auch wieder vermehrt jene Uhren mit stromsparenden LCD-Display, die bereits in den 80er Jahren viele Handgelenke zierten. Heute sollen Sie das wieder tun, aber natürlich ausgestattet mit zahlreichen zusätzlichen Funktionen und Bluetooth für die Connectivity mit dem Smartphone.

 

Gute Stimmung herrscht vor

Nahezu alle von uns befragten Aussteller berichten über positive Gespräche und Geschäftsabschlüsse. Auch der aus Litauen stammende Hersteller Vostok Europe mit seinen überaus robusten, überwiegend für Taucher und Wassersportler gestalteten Uhren, vermeldet gute Resonanz.

 

Vostok Europe Expedition Everest automatic

 

Von der schlechten Stimmung, die teilweise den Zerwürfnissen auf der Baselworld geschuldet ist, war auf der Inhorgenta wenig zu spüren oder zu hören.

Neben aller Tradition hat sich die Inhorgenta – ganz anders als die Baselworld – schon sehr frühzeitig mit dem digitalen Wandel auseinandergesetzt. Nicht nur in Fragen der Produktvermarktung und Produktpräsentation, sondern auch hinsichtlich der zu präsentierenden Produkte.

 

Die Smartwatch und der digitale Wandel

So kam nun mit Garmin einer der renommiertesten und erfolgreichsten Hersteller intelligenter Uhren mit einem eigenen Stand auf die Messe. Garmin war in der Vergangenheit bereits über Komsa, einem für den Fachhandel wichtigen Distributor, auf der Inhorgenta vertreten, ist aber mittlerweile so erfolgreich auf dem Markt etabliert, dass es an der Zeit war, nach vorne zu treten und sich dem interessierten Publikum selbst zu präsentieren.

 

Garmin Fenix 5 plus

 

Die Inhorgenta belegte mit dem ausgestellten Produktportfolio eindrucksvoll, dass die Smartwatch – entgegen aller früheren Unkenrufe – in der Uhrenszene angekommen ist. Komsa nutzte denn auch die Bühne und stellte die erst zwei Tage zuvor in San Franzisco präsentierte neue Smartwatch von Samsung, die Galaxy Watch Active vor. Die Resonanz war überwältigend.

 

Vorstellung der neuen Samsung Galaxy Watch Active

 

Ein Wunsch für die Zukunft bleibt

Das Inhorgenta-Management, rund um Projektleiterin Stephanie Mändlein, hat ganze Arbeit geleistet und Aussteller wie Besucher gaben uns ein durchweg positives Feedback. Lediglich der Wunsch, die Messe möchte sich doch in Zukunft auch für interessierte Endkunden öffnen, war mehrfach zu hören. Die neue Generation von Kunden sucht die Nähe, die Nähe zum Produkt, aber auch die Nähe zum Hersteller. Umgekehrt möchten die Hersteller die Stimme des Kunden möglichst ungefiltert empfangen können. Look and Feel sind die Schlüsselwörter. Und diesem Anspruch kann eine modern gestaltete Messe mit moderaten Eintrittspreisen bestmöglich nachkommen.

 

Der Handel im Wandel

Ein wichtiges Thema auf der Messe war neben der Präsentation aktueller und neuer Kollektionen aber auch der Wandel im Handel. Die Digitalisierung ist allgegenwärtig und der Kunde von heute und morgen ist nicht mehr der Kunde von gestern. Der ein oder andere Fachhändler hat sich der Veränderung angenommen und die für ihn notwendigen Konsequenzen gezogen. Das ist jedoch längst nicht durchgängig der Fall und so kann davon ausgegangen werden, dass dort, wo die erforderlichen Veränderungen ausbleiben, die Überlebenschancen gering sind. Der Kunde ist wieder König und er ganz allein entscheidet darüber, ob er kauft, wann er kauft, wie er kauft, wo er kauft und natürlich was er kauft.

Hersteller, wie auch Fachhändler sind gut beraten, sich dem zu stellen und die passenden Antworten parat zu haben. Wie das Hin und Her am Beispiel Nomos zeigt, gibt es zwischen stationärem Fachhandel und Online-Vertrieb immer noch eine erbitterte Rivalität. Dem Kunden kann es nur recht sein. Er wird als Sieger hervorgehen. Denn er kauft das beste Produkt zum besten Preis an dem für ihn bestgelegenen POS, auch wenn dieser virtuell über das Internet zu erreichen ist.

 

 

Vielleicht schaffen es ja die deutschen Hersteller, idealerweise gemeinsam mit dem Fachhandel, eine markenübergreifende Handelsplattform für das anspruchsvolle Produkt Uhren auf die Beine zu stellen, anstatt sich in einer aufwendigen und wenig erfolgversprechenden Kleinteiligkeit zu verlieren. Jedem seinen Online-Shop ist wahrlich keine Lösung. BMW und Daimler haben sich jüngst zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Mobilitätsplattform zu schaffen und zu betreiben. Das könnte vielleicht als Ansporn und Vorbild für die Uhrenbranche dienen?

 

Der Inhorgenta Award

Bereits im dritten Jahr in Folge richtete die Inhorgenta den Inhorgenta Award aus. Bei Uhren waren auch in diesem Jahr wieder die Kategorien „Watch Design of the Year“ sowie „Smart & Connected Watches“ ausgeschrieben.
Gab es im Vorjahr einige kritische Stimmen zur Vorauswahl und letztlich auch Preisverleihung in den genannten Kategorien, so konnte das Publikum der diesjährigen Auswahl durchaus folgen.

In der Kategorie „Watch Design of the Year“ konnte die Bulova Curv die Jury am meisten überzeugen.

 

Inhorgenta Award an Bulova für das Modell Curv

 

In der Kategorie „Smart & Connected Watches“ wurde die begehrte Trophäe dem Modell fenix 5+ von Garmin verliehen.

 

Inhorgenta Award an Garmin für das Modell Fenix 5 plus

 

 

Nach der Messe ist vor der Messe

Bereits in wenigen Tagen startet die Baselworld mit einer stark dezimierten Zahl an Ausstellern. Selbst der größte Uhrenhersteller der Schweiz, die Swatch Group, hat seine Teilnahme abgesagt und stellt nun parallel zur Baselworld im Rahmen einer Hausmesse in Zürich aus. Peinlicher und unvorteilhafter für den Standort Basel, aber auch die Uhrenbranche ganz generell, geht es eigentlich nicht mehr.

Der Inhorgenta ist es gelungen, zahlreiche Aussteller zurück zu gewinnen, wollen wir hoffen, dass dies dem neuen Management der Baselworld für die Zukunft ebenfalls gelingen mag. Stabilität und Geschlossenheit wären in der Branche der feinen Uhren ein wichtiger Anker.

 

 

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