Begünstigt durch die Dynamik der Vormonate und insgesamt gute Rahmenbedingungen stiegen die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie zu Beginn des Jahres 2018 deutlich an. Ihr Wert lag im Januar bei 1,6 Milliarden Franken, was gegenüber einem schwachen Januar 2017 einer Zunahme von 12,6% entspricht.

Die wichtigsten Materialgruppen konnten von dem Zuwachs profitieren. Stahl- und Bimetall-Uhren waren dabei am gefragtesten. Entgegen dem Trend verzeichnete die Kategorie „Sonstige Materialien“ hingegen einen deutlichen Rückgang.

 

 

Sehen wir uns die einzelnen Preiskategorien näher an: Nach mehr als zwei Jahren rückläufiger Umsätze bei Uhren, die weniger als 200 Franken kosten (Exportpreis), verloren sie im Januar weiter an Boden. Alle anderen Preiskategorien erzielten hingegen ein deutliches Wachstum, insbesondere in der Preisspanne zwischen 500 und 3000 Franken, die sich um gut 20% verbesserte. Hier machen sich die zahlreichen neuen „Einsteigermodelle“ der verschiedenen Premium-Anbieter positiv bemerkbar.

Viele Märkte erlebten im Januar ein starkes Wachstum, wie beispielsweise Hongkong (+ 21,3%), das seinen höchsten monatlichen Anstieg seit über fünf Jahren verzeichnete. Mit einem noch stärkeren Anstieg kletterte China (+ 44,3%) auf den zweiten Platz und überholte die USA (-1,9%), ein Markt der seit mehr als zwei Jahren rückläufig ist.

Wie seine asiatischen Nachbarn bestätigte auch Japan (+ 12,9%) die starke Performance der letzten Monate. Insgesamt blieben die europäischen Märkte mit Ausnahme von Frankreich (+ 19,0%) jedoch hinter den Erwartungen zurück. Während das Vereinigte Königreich mit einem Plus von + 4,6% aufwarten konnte, meldeten die wichtigen Märkte Deutschland (-4,1%) und Italien (-4,7%) erneut spürbare Rückgänge.

Länder Mio. CHF Veränderung in % Anteil in %
Hong Kong 242,2 21,30% 15,00%
China 176,8 44,30% 10,90%
USA 163,1 -1,90% 10,10%
Vereinigtes Königreich 91,6 4,60% 5,70%
Japan 89,3 12,90% 5,50%
Deutschland 84,3 -4,10% 5,20%
Singapur 82 18,80% 5,10%
Vereinigte Arabische Emirate 75,9 -0,60% 4,70%
Frankreich 74 19,00% 4,60%
Italien 69,2 -4,70% 4,30%
Summe der TOP 10 Länder 1148,4 12,24% 70,90%

Schlussfolgerung:

Die Gesamtsituation hat sich für die Schweizer Uhrenindustrie weiter verbessert und stabilisiert. Also wieder alles gut?

So einfach lautet die Formel leider nicht. Zum einen kommt die untere Preisklasse, mit einem Eckwert bis etwa 200 CHF (entspricht einem VK von ca. 600 EUR), bei der es auf hohe Stückzahlen ankommt, nicht auf die Beine. Hier bieten die disruptiven branchenfremden Anbieter mit ihren smarten Uhren der Branche erfolgreich die Stirn.

Zum anderen nimmt die Abhängigkeit vom asiatischen Markt wieder stark zu. Das hatten wir doch schon einmal? Sollte der Fall eintreten, dass China und Hong Kong irgendwann wieder Schwäche zeigen sollten und anfangen zu Husten, bekommt die Schweizer Uhrenindustrie sogleich Lungenentzündung. Nachhaltiges und vor allem robustes Wachstum sieht anders aus.

Insbesondere die Tatsache, dass der Uhrenmarkt in den USA, trotz aktuell bester Rahmenbedingungen nicht anspringen will, sollte dem ein oder anderen verantwortlichen Entscheidungsträger zu Denken geben.

Stand 01/2018

 

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