Definition

Gemäß Wikipedia wird unter einem Award die Auszeichnung, Ehrung oder Würdigung verstanden, die eine Person, Gruppe, Organisation oder auch ein Produkt für herausragende Leistungen in einem bestimmten Bereich erhält.

Zu unterscheiden sind dabei Auszeichnungen, die durch eine Jury erarbeitet und vergeben werden und jene, die durch eine Publikumsabfrage zustande kommen.

Bei beiden Formen der Abfrage und Auszeichnung muss absolute und unbedingte Unabhängigkeit vorausgesetzt werden. D.h. sowohl eine Fachjury muss unabhängig von jedweden äußeren Einflüssen entscheiden können als auch bei einer Publikumsabfrage jegliche Art der Einflußnahme auszuschließen ist.

 

Neutralität

Aber ist das in jedem Fall möglich und gewährleistet? Inwieweit spielen Sponsoring oder Werbeverträge eine Rolle? Kann ein Jurymitglied, welches einen Berater- oder Werbevertrag mit einem Unternehmen hat, oder sich möglicherweise in sonstigen Abhängigkeiten wähnt, wirklich frei und unabhängig entscheiden?

Umgekehrt kann ein Publikum unbeeinflusst entscheiden, wenn bestimmte Informationen zu einem Produkt oder Sachverhalt gezielt und gebetsmühlenartig über die verschiedensten Medienkanäle eingesteuert und verbreitet werden?

Und was ist letztlich ein Award wert, bei dem vom Organisator ein Eintrittsgeld und/oder eine Gebühr für die Nutzung und Auslobung des Awards genommen wird. Ist das wirklich neutral, oder entstehen daraus ebenfalls fragwürdige Abhängigkeiten? Oder frei nach Goethe: „Ein Schelm wer Böses dabei denkt“.

Alles Fragen, auf die es im Einzelfall oftmals keine wirklich belastbaren Antworten gibt. Wenn es jedoch, wie im Falle des ADAC, bei der Vergabe des Autopreises „Gelber Engel“ zu einer nachgewiesenen Manipulation der Ergebnisse gekommen ist, dann hat das, wie allgemein bekannt, sehr weitreichende Folgen.

 

Beispiele für Awards

So gibt es neben dem erwähnten in Ungnade gefallenen Automobil-Award diese und ähnliche Auszeichnungen in zahlreichen anderen Branchen. Bekannt sind beispielsweise Design-Awards oder auch die alljährlich stattfindenden zahlreichen Uhren-Awards. Daran herrscht wahrlich kein Mangel.

Die bekanntesten in Deutschland sind:

  • Die Wahl zur Goldenen Unruh
  • Die Wahl zur Uhr des Jahres
  • Red Dot Award
  • German Design Award
  • Munichtime Award
  • Inhorgenta Award
  • Fliegerrevue Umfrage
  • und, und, und

Weitere bekannte über die Landesgrenzen hinausgehende Auszeichnungen sind beispielsweise

  • Watchstars
  • Grand Prix d’Horlogerie de Genève (GPHG)

Die obige Aufzählung ist eine freie Auswahl und weit davon entfernt, vollständig zu sein oder gar eine Wertung darzustellen.

 

Auswertung und Ergebnis

Das Ergebnis einer Wahl hängt nicht nur davon ab, wie und von wem gewählt wird, sondern auch stets, wo gewählt wird. Kehren wir gedanklich zum Automobil zurück. Wird der deutsche Autofahrer nach dessen liebstes Kind gefragt, so wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit – auch getrieben durch die stärkere mediale Präsenz einheimischer Produkte – einem deutschen Hersteller den Vorzug geben; das Hemd ist bekanntlich näher als die Jacke.

Findet eine identische Abfrage in Frankreich oder Italien, Japan oder Korea statt, also Nationen mit ebenfalls starker eigener Automobilindustrie, so fällt das Ergebnis völlig anders aus.

Wird die gleiche Abfrage hingegen in einem Land ohne eigene Automobilindustrie durchgeführt, beispielsweise der Schweiz, Österreich oder Finnland, so fallen die Ergebnisse wieder anders aus, vermutlich etwas neutraler als in den zuvor benannten Regionen.

Bei Uhren liegt der Sachverhalt ähnlich. Fragen wir eine Schweizerin oder einen Schweizer nach der liebsten und besten Uhr, werden wir etwas anderes zu hören bekommen, als wenn wir einen Japaner oder Deutschen nach seiner bevorzugten Marke oder einem bevorzugten Modell befragen.

Neben der Herkunft einer Marke ist aber auch das jeweilige Produkt selbst entscheidend. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und so mag einem Deutschen oder einem Skandinavier das eher kühle und reduzierte Bauhaus-Design gut gefallen. Ein Franzose oder Italiener liebt es dagegen bunter, verspielter, filigraner und weniger geradlinig, weniger technisch.

Ein Volkswagen kommt anders daher wie ein Alfa Romeo, ein BMW anders wie ein Jaguar. Sind der Alfa oder der Jaguar deswegen schlechtere und weniger attraktive Autos als der VW oder BMW, nur weil sie nicht aus deutschen Landen stammen? Ganz sicher nicht! Was für Autos gilt, gilt auch für Uhren.

Nehmen wir an, eine Nomos tritt gegen ein preislich vergleichbares Produkt von Junghans, Frédérique Constant, Longines, Baume & Mercier oder Seiko an. Wie entscheidet der Deutsche und wie entscheidet der Schweizer, der Franzose, Italiener oder gar der Japaner?

 

Bedeutung und Anspruch

Das Ergebnis wäre in allen Fällen wohl ein anderes. Der Heimvorteil und das persönliche Genre lassen sich nicht ausblenden oder wegdiskutieren.

Und wie entscheidet eine (Fach-) Jury? Eine Jury, so haben wir zuvor festgestellt, kann nur funktionieren, wenn sie unabhängig und unbeeinflusst agieren kann. Das ist die Grundvoraussetzung. Des Weiteren muss volle Transparenz vorliegen. D.h. die Bewertungskriterien müssen nachvollziehbar sein und offen gelegt werden.

Daran hapert es leider häufig. Zumeist wird verkündet, dass eine fachkundige Jury dieses und jenes Produkt nominiert und letztlich mit einem Award ausgezeichnet hat, warum und weshalb es dazu kam, wird jedoch nur allzu oft außen vor gelassen. Das ist eindeutig zu wenig und viel zu sehr von einzelnen Personen abhängig. Wird eine Person A durch eine Person B ersetzt (weshalb auch immer) und wäre das Ergebnis dann ein anderes, so kann etwas nicht stimmen.

Selbstverständlich spielen subjektive Empfindungen und Vorlieben immer eine Rolle, dürfen aber niemals den Ausschlag geben. Deshalb können Awards nur dann langfristig bestehen und ihre Akzeptanz behalten, wenn klar ist, nach welchen Kriterien wie und weshalb entschieden wurde. Das vergleichende Ergebnis mit all seinen zugrunde liegenden Kriterien muss als primäre Entscheidungsgrundlage dienen und zur Einsichtnahme auf den Tisch.

Bei sogenannten Publikumspreisen fällt zuweilen auf, dass über mehrere Votings hinweg immer wieder die gleichen Marken und Produkte gewinnen. Das mag durchaus so sein und auch den Kern treffen, diese Evergreens lassen die Awards dann jedoch zunehmend uninteressant und langweilig erscheinen. Getreu dem Motto, der Gewinner steht ja ohnehin schon von vornherein fest und nimmt so manchem die Motivation, überhaupt noch daran teilzunehmen. In solchen Fällen sollte überlegt werden, ähnlich wie in der Formel 1, die Spielregeln und damit die Bewertungskriterien von Zeit zu Zeit aufzufrischen, oder einem bestimmten Modell bzw. Baumuster eben nur die einmalige Teilnahme zu ermöglichen, um wieder Spannung ins Spiel zu bringen. Wenn der Hersteller dann trotz Modellwechsel erneut vorne mit dabei ist, dann hat er sich´s wirklich verdient.

 

Benchmark

Gibt es vor dem Hintergrund der zuvor diskutierten Problematik einen Award, der als transparent, hinreichend neutral und als Benchmark richtungsweisend und beispielhaft eingestuft werden könnte? Ja, den gibt es in der Tat. Wir bedienen uns hier wieder eines Vergleichs aus der Automobilindustrie. Die jährliche Auszeichnung zum „Car of the Year“ ist aus unserer Sicht ein Award, der diesen Namen wirklich verdient. Der Award wird von sieben unabhängigen Zeitschriften aus sieben europäischen Ländern organisiert und getragen. Jedes Jahr wechselt der Präsident des Komitees. Aktuell gehören der Jury 58 Fachjournalisten aus insgesamt 22 europäischen Ländern an. Zudem ist der Award für die Teilnehmer nicht an Kosten oder Gebühren geknüpft!

 

 

Bei der jüngsten Preisvergabe des „Car of the Year 2017“ an den Peugeot 3008 konnten sich die anwesenden Pressevertreter erneut ein Bild von der hohen Qualität und Transparenz der Preisverleihung machen.

 

 

Die Ergebnisse können auf der Webseite der Organisation von Car of the Year zudem in allen Details eingesehen und nachgelesen werden. Wer, weshalb und welche Stimme für welches Produkt abgegeben hat.

 

Fazit und Empfehlung

Die Branche(n) sollte(n) aufpassen, die Zahl der Awards nicht zu inflationieren, denn dann sinkt zweifellos ihr Wert und auch zwangsläufig ihre Bedeutung und Anerkennung. Wie das Beispiel „Car of the Year“ eindrucksvoll zeigt, sind die kostenfreie Teilnahme sowie die absolute Transparenz der einzig wahre und richtige Ansatz, das Wahlergebnis für jedermann nachvollziehbar und so neutral wie möglich zu halten. Gerade in einer Zeit des schnellen Informations- und Datenaustauschs sollte dem entsprechend Rechnung getragen werden.

 

Der Autor:

Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

LINKS:

 

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