Lang lang ist´s her, da war die Welt der mechanischen Uhren noch in Ordnung. In den oberen und obersten Preisregionen waren als Antrieb zur Anzeige der Uhrzeit hochwertige Manufakturkaliber angesagt. Ob A.Lange & Söhne, Patek Philippe, Rolex oder Jaeger Le Coultre (JLC), allen war und ist gemeinsam, dass sie ihre eigenen Uhrwerke produzieren und ein Garant dafür sind, dass dort, wo beispielsweise JLC drauf steht, auch JLC drin ist. Das ist durchaus vergleichbar mit Automobilherstellern der Premiumklasse. Dort wo Mercedes oder BMW drauf steht, sollte dann bitte auch der entsprechende Inhalt verbaut sein. So die unmissverständliche Erwartung des Kunden.

In der Einstiegs- bis hin zur Mittelklasse kann und muss das aber nicht auch so sein. Hier dominieren der Preis und somit die Herstellkosten das Geschehen. Nicht jeder Uhrenhersteller kann und will es sich leisten, eigene Werke zu entwickeln und zu produzieren. So wie Skoda bei VW ins Regal greift und sich von dort die Motoren beschafft, haben in der Vergangenheit sehr viele Uhrenhersteller auf bewährte und vergleichsweise kostengünstige Uhrwerke aus dem Hause ETA zurückgegriffen.

Jeder konnte damit eigentlich zufrieden sein. Nur irgendwann wollte es der unternehmerische Ehrgeiz der ETA und ihrer Verantwortlichen nicht mehr zulassen, dass Hinz und Kunz hochwertige Uhrwerke von dort beziehen und in alle möglichen und unmöglichen Produkte verbauen.

So folgte die Initiative gegenüber der Schweizer Wettbewerbsbehörde (WEKO), die Verpflichtungen zur Belieferungen von Drittkunden im Laufe der Jahre Schritt für Schritt zu lockern und die Lieferkontingente zu reduzieren. Das führte letztlich dazu, dass die drohende Verknappung an Uhrwerken sowie Uhrwerksbestandteilen einige Wettbewerber auf den Plan riefen, für adäquaten Ersatz zu sorgen. Ob das nun Sellita mit seiner fast baugleichen Werkefamilie ist, oder Ronda, Schild, STP, Eterna und Soprod, sie alle haben viel Geld in die Hand genommen, um den schier ungebremsten Bedarf an hochwertigen Uhrwerken am Markt zu decken und der ETA den teilweisen Rückzug aus dem Geschehen zu ermöglichen.

Bis 2019 sollten für die ETA dann die letzten Lieferverpflichtungen auslaufen. So das Vorhaben und die Theorie.

Nun hat sich jedoch recht überraschend der Wind gedreht und der weltweite Bedarf an Uhrwerken geht im zweiten Jahr in Folge zurück. Die Ursachen sind vielfältig, die Auswirkungen, insbesondere bei den Zulieferbetrieben, z.T. dramatisch. ISA France, ein Tochterunternehmen des Quarz-Werke Herstellers ISA musste unlängst Insolvenz anmelden.

Auch der ETA pfeift der Wind nun frostig ins Gesicht. Aber nicht nur der Bedarf an Quarz-Werken geht zurück, auch mechanische Werke sind nicht mehr so gefragt und so reduziert sich just auch der Inhouse Bedarf bei der Swatch Group.

Jetzt wäre es natürlich höchst willkommen, könnte die ETA ihre Überhänge an Drittkunden veräußern. An deren Stelle haben sich nun jedoch die oben genannten Alternativanbieter positioniert.

Ein Vorstoß der ETA bei der Wettbewerbskommission, die Vereinbarung zur Reduzierung bzw. gänzlichen Aufhebung der Lieferquoten wieder rückgängig zu machen, hat dort für Erstaunen und wenig Verständnis gesorgt und wurde erst einmal beschieden. Die Spielregeln sollten nicht während eines laufenden Spieles geändert werden, so die Argumentation der WEKO. Nun droht die ETA mit signifikanten Preiserhöhungen, was aber eher als unverständliche Trotzreaktion zu werten ist, denn einen realen und damit belegbaren betriebswirtschaftlichen Hintergrund besitzt. Bei einem Überangebot fallen die Preise in der Regel nun mal, anstatt zu steigen, diese Logik ist schon vom Ölpreis her bekannt und sollte auch bei der ETA gelten.

Und die mittlerweile erstarkten Wettbewerber von ETA dürften ebenfalls „not amused“ sein, sollten sie wieder Marktanteile an die ETA zurückgeben müssen. Ein freier und unregulierter Markt sieht fraglos anders aus.

 

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