Die Situation im Juni 2016

Der am 21.07.2016 veröffentlichte Bericht des Verbandes der Schweizer Uhrenindustrie (La Fédération de l’Horlogérie Suisse ) für den Monat Juni 2016 zeigt, dass sich der Abwärtstrend bei den Exporten der Schweizer Uhrenindustrie weiter beschleunigt.

In Zahlen ausgedrückt heißt dies, dass der Export von Schweizer Uhren im Juni 2016, verglichen mit dem Vorjahresmonat, um 16,4 % zurückging. Der Abwärtstrend schwächt sich also nicht ab, wie noch im Vormonat Mai erhofft, sondern gewinnt im Gegenteil wieder massiv an Fahrt. Die Bilanz des ersten Halbjahres 2016 endet mit einem insgesamt unerfreulichen Ergebnis.

Die Zahlen für Juni sind insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass speziell Uhren aus Edelmetall, wie bereits in den Vormonaten, mit einem Rückgang von knapp 20% zu den größten Verlieren zählen. Uhren aus Stahl bzw. Stahl-Gold Kombinationen kamen mit Verlusten von gut 6% deutlich besser weg.

Dramatisch auch der Schrumpfungsprozess in den Preisklassen 0-200 und 200-500 CHF.

 

Die Entwicklung der wichtigsten Absatzmärkte

Die wichtigsten Länder mit den größten Handelsvolumina reihen sich wie folgt auf.

Länder Mill. CHF Veränderung in % Anteil in %
Hong Kong 185,5 -29,20% 11,30%
USA 179,7 -8,50% 11,00%
Japan 115,6 -4,00% 7,10%
Italien 107,6 -28,20% 6,60%
China 106,3 -6,50% 6,50%
Deutschland 94,4 -15,40% 5,70%
Summe der 6 Länder 789,2 -17,30% 48,20%

 

Nach wie vor extrem schwach entwickelt sich der bedeutsamste Markt Hongkong. Die Lager sind voll, der Abverkauf weiterhin schwach. In China und Japan scheint sich die Situation hingegen zu stabilisieren. Die Rückgänge bewegen sich „nurmehr“ im mittleren einstelligen Bereich.

Europa, im Juni 2016 auf den vorderen Plätzen durch die Märkte Italien und Deutschland repräsentiert, verhält sich extrem schwach. Die zunehmend unsichere geopolitische Lage dürfte einer erhofften baldigen Entspannung entgegenwirken.

 

Die Entwicklung des Absatzes in einzelnen Preisgruppen

Grafik_06-2016

 

Betrachten wir die Auswirkungen in den einzelnen Preiskategorien, so entwickeln sich die Verkäufe im Bereich 500 – 3000 CHF deutlich weniger (-6,5%) negativ als in allen anderen Preisgruppen. Besonders hart sind – wie bereits in den Monaten zuvor – die Preisgruppe 200 – 500 CHF mit -19,8% sowie der Preisbereich oberhalb von 3.000 CHF, mit einem Rückgang von 16,4%, betroffen. Da gerade in diesem Bereich in der Regel gute Margen eingefahren werden, wird dies erheblichen Einfluss auf die Gewinnerwartungen der Unternehmen und des Handels haben.

Überraschend schlecht schnitt im Juni 2016 die unterste Preisklasse 0-200 CHF mit einem Rückgang von 12,1% im Umsatz und 16,5% im Volumen ab. Damit ist eine gute Auslastung der in diesem Preisbereich auf hohe Stückzahlen ausgelegten Fertigungen nicht mehr gewährleistet.

 

Einschätzung

Eine mögliche Erklärung für den anhaltend starken Rückgang im Premiumbereich (>3.000 CHF) sind die immer geringere Bereitschaft der Kunden – und zwar weltweit – die zum Teil überdehnte Preisgestaltung mancher Edelmarken gerade bei Uhren aus Edelmetallen mitzutragen. Auch der durch neuentwickelte sog. Manufakturkaliber zusätzlich befeuerte Preisanstieg wird vom Kunden als zusehends kritisch wahrgenommen. Schlussendlich sorgt der ungebremste Vormarsch der Fitnesstracker und Smartwatches im Preisbereich 0-200 und 200-500 CHF zu den von Analysten erwarteten Substitutionseffekten.

 

Gesamtsituation im ersten Halbjahr 2016

Betrachten wir das gesamte erste Halbjahr 2016 (Jan. – Jun.), so ist ein Rückgang i.H. von 10,6% im Vergleich zum bereits schwächeren Vorjahr 2015 festzustellen. Der Wendepunkt in der Entwicklung des Absatzes von Armbanduhren und Uhrwerken aus Schweizer Produktion kam mit Beginn des Jahres 2015. Die magische Zahl eines Exportumsatzes von > 20 Mrd. CHF dürfte dieses Jahr erstmals seit 2011 verfehlt werden.

Inwieweit die Einführung der Apple Watch im März 2015 das rückläufige Ergebnis zumindest anteilig erklärt, kann noch nicht abschließend bewertet werden. Fakt ist jedoch, dass Apple mit der Apple Watch bereits in 2015 einen errechneten Umsatz von rund 4,5 Mrd. CHF erwirtschaftet hat, der sich damit auf einem ähnlichen Niveau bewegt, wie jener von Rolex und Omega bereits ganz weit hinter sich gelassen hat.

Problematisch für die Uhrenhersteller im Generellen ist dabei jedoch nicht nur, dass die neue Konkurrenz das Geschäft aus Sicht des Endkunden belebt, sondern die in den letzten 3 Jahren zum Teil massiv aufgestockten Produktionskapazitäten jetzt unter erheblichen Auslastungsproblemen leiden.

Stand 06/2016

 

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