Beide Themen und Betrachtungsweisen, egal ob Autos und Uhren, oder Uhren und Autos haben eines gemeinsam: In beiden Fällen handelt es sich um einen Käuferkreis, der zumeist beides besitzt und sich vor dem Kauf des einen oder anderen stets sorgfältig informiert. Schließlich handelt es sich bei beiden Objekten um Produkte, die nicht rasch bestellt und bei Nichtgefallen einfach wieder zurückgegeben werden, sondern im Normalfall mit Bedacht ausgewählt werden und dann für eine lange Nutzungsdauer bestimmt sind.

 

 

Wenn sich dann auch noch ein prominenter Uhrenhersteller – TAG Heuer – im Rahmen einer Automobilausstellung dazugesellt, dann ist das noch ein Argument mehr, sich dort umzusehen.

Der Genfer Autosalon 2016 zeigte Anfang März einmal mehr jene Neuheiten, auf die sich der Kunde zum bevorstehenden Frühling freuen darf und das nicht nur auf dem Messestand von Pirelli.

 

 

Wir haben uns vor Ort ein Bild gemacht und sind der Frage nachgegangen, welche Trends sich auftun und wohin die automobile Reise in 2016 gehen wird.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Es gab keine wirklichen Sensationen, sehr wohl aber ein paar Eckpunkte, die aufhorchen lassen.

Zunächst einmal die Aussteller. Fast alle großen und bekannten Marken und Aussteller waren wieder vertreten, mit einer Ausnahme. Die Marke MINI. Beim Rundgang durch die Hallen fiel auf, da fehlt doch einer, oder? Ja, genau; im Vorjahr noch durchaus beeindruckend mit einem Off-Road Hill für den MINI Countryman inszeniert, fehlte nicht nur der Hill, nein, der ganze Stand und damit auch die ganze Marke. Alles Suchen und Nachfragen half nichts. Schade und nicht nachvollziehbar.

 

 

Fehlte da nicht noch einer? Ja, richtig: im Vorjahr war da noch Borgward, die neue wiederauferstandene Marke aus Bremen, oder neuerdings Stuttgart. Angeblich ausgestattet mit reichlich Kapital aus China waren sie letztes Jahr in Genf mit einem nicht gerade kleinen Stand angetreten, um sich als Marke mit deutschen Wurzeln und mit deutschem Management zurück zu melden. Im letzten Jahr hatten sie kein Auto dabei, das wurde dann in Frankfurt auf der IAA erstmals gezeigt. In diesem Jahr hatten sie zwar Autos, aber keinen Stand. Diese wurden zu einem Sondertermin im Kreis von geladenen Gästen in einem Flugzeughangar, abseits der Messe gezeigt und dann auch ganz schnell wieder weggeräumt, bevor der zahlende Endkunde auf die Messe kommt und irgend etwas hätte sehen können. Eine ebenfalls wenig glaubwürdige Strategie.

 

 

Alle guten – oder sagen wir in diesem Fall weniger guten – Dinge sind Drei. QOROS, die neue Marke aus China mit deutschen Ingenieurs Genen, ebenfalls nicht mehr dabei, auch in Frankfurt schon nicht dabei gewesen. Auch das eher weniger erfreulich.

Mangelt es allen Dreien schon am Budget, sich angemessen zu präsentieren, oder verfolgen die Marken andere Ziele, abseits des Kunden? Zumindest wir haben es weder verstanden, noch vermögen wir die im Raum stehende Frage zu beantworten.

Wenden wir uns also all jenen zu, die bei frühlingshaftem Wetter den Weg an den schönen Genfer See gefunden haben, und dieser Weg war lohnend. Nie zuvor haben wir in Genf an beiden Pressetagen einen derartigen Andrang und ein solch umfassendes und begeistertes Interesse nach den präsentierten Neuigkeiten erlebt. Aber auch an den Besuchertagen ließ der Ansturm nicht nach. Insgesamt wurden knapp 700.000 Besucher gezählt. Wobei die Mehrzahl aus der Schweiz und dem angrenzenden Frankreich angereist war.

Was waren nun die Highlights? Wir machten dabei im Wesentlichen drei Themen-Schwerpunkte aus:

  • PS oder sagen wir besser kW protzende Boliden, mit fulminanten Leistungen
  • Die Abkehr von immer futuristischer gestalteten wieder hin zu richtig schönen und eleganten Fahrzeugen
  • Die konsequente Weiterentwicklung alternativer Antriebe, vermehrt auch zu bezahlbaren Preisen

Fangen wir zunächst mit jenen Traumautos an, von denen der ein oder andere schon als kleiner Junge geträumt hat. Allen voran die Firma Bugatti, die den neuen Supersportwagen Chiron mit sage und schreibe 1500 PS enthüllt, bereitgestellt von einem 16 Zylinder Motor. Für etwa 2,4 Mio. EURO wechselt das Fahrzeug den Besitzer. Bereits bei der Bestellung ist eine Anzahlung von 200.000 EURO zu entrichten. Im Zeitalter der Nullzins-Politik für manch einen sicher kein größeres Problem.

 

 

 

Deutlich ziviler geht es bei BMW zu. Der neue Siebener wird in Genf erstmals in der kultivierten 12-Zylinder Variante gezeigt.

 

 

Bei Jaguar LandRover spielt Leistung aktuell wohl die erste Geige. Im Rahmen der Pressekonferenz wurde dann auch mit lauten Getöse der an sich schön gezeichnete Jaguar F-Type SVR in einer von der „Special Vehicle Operations“ Division aufgemotzten Hardcore Variante vorgestellt.

 

 

Gemäßigter und dem Zeitgeist entsprechend, der neue Jaguar F-Pace, als erster SUV aus dem Hause Jaguar, das zugleich wohl erfolgreichste Modell der Firmengeschichte.

 

 

Bei Ford soll der aktuelle Mustang an die Erfolge früherer Jahrzehnte anknüpfen. Das Zeug dazu hat er zweifellos. Stilistisch ein Hingucker und in Material und Verarbeitung auf der Höhe der Zeit und das zu einem fast konkurrenzlosen Preis, just a men´s dream.

 

 

Die Aufzählung der Supersportwagen ließe sich fortsetzen, seien es Aston Martin, Maserati, Ferrari, Lamborghini und zahlreiche andere. Diese vielleicht letzten Dinosaurier ihrer Spezies sollen vor dem Abschied der CO2 emittierenden Antriebe und Aufbau eines weitgehend abgasfreien Ökosystems der Welt wohl nochmals zeigen, was mit Verbrennungsmotoren so alles möglich ist.

Mit alternativen und weitaus umweltfreundlicheren Antrieben geht das aber auch.

 

 

Das zeigen nicht zuletzt kleine und kreative Unternehmen, wie z.B. RIMAC Automobili aus der Nähe von Zagreb, mit dem Supersportwagen RIMAC Konzept S.

 

 

RIMAC zeigt, was mit rein elektrischen Antrieben möglich ist: 1384 PS und 365 km/h Spitze, wobei insgesamt 4 Elektromotore ein Drehmoment von zusammen 1800 Nm auf die Räder stemmen. Ein Team von gerade mal 150 Mitarbeitern stellt so etwas auf die Beine; Respekt!

 

 

Einen Mittelweg beschreitet der Koenigsegg Regera, der mit einem 820 kW starken Verbrenner und drei weiteren, insgesamt 520 kW starken E-Maschinen aufwartet.

 

 

Die Technologie für die E-Antriebe hierbei stammt übrigens aus dem Hause RIMAC. Kroatien grüßt Schweden.

Wenden wir uns von den Traumwagen ab, hin zu den bezahlbaren Alltagsautos, die wieder richtig schön werden und Spaß machen. Ob das nun das „Car of the Year 2016“, der neue Opel Astra ist,

 

 

die wiederauferstandene Alfa Romeo Giulia – ein Traum von einem Auto,

 

 

oder für die Freunde des „Oben Ohne Fahrens“ der ebenfalls wiederauferstandene Fiat 124 Spider. Ein Roadster zum Niederknien, für bezahlbare 24.000 EURO.

 

 

Falls Opel den in Genf noch als Studie vorgestellten GT tatsächlich wieder aufleben lassen sollte, wäre die Sensation perfekt.

 

 

Aber auch aus Frankreich kommen wieder schöne und schnörkellose Autos. Die in Genf präsentierte Familienlimousine Scenic zeigt Format und Geschmack. Vorbei die Zeiten von Schnickschnack und ergonomischem Firlefanz. Jetzt alles genau so, wie es sein soll. Ein Auto, das einfach Freude macht und auf der Pressekonferenz auch perfekt inszeniert wurde.

 

 

 

Neuigkeiten, die Spaß machen, finden sich aber auch beim VW-Konzern. Ob neuer Audi Q2, Seat Ateca oder Skoda Superb Combi, allesamt Fahrzeuge, die Begehrlichkeit wecken.

 

 

 

 

Last but not least noch einige Exponate aus dem Lager der alternativen Antriebe. Konventionell, dafür umso eindrucksvoller betritt Hyundai die Bühne mit dem neuen IONIQ. Oder besser gesagt Project IONIQ, wie das gesamte Vorhaben im Rahmen der Pressekonferenz genannt und vorgestellt wurde. In einer von der Automobilwoche durchgeführten Umfrage wurde der Hyundai IONIQ denn auch als wichtigste Neuerscheinung in Genf gefeiert.

 

 

Was verbirgt sich dahinter? Eine neue Fahrzeugplattform in zweckmäßiger und ansehnlicher Form; also weder wie BMW i3, noch Toyota Prius, oder Toyota Mirai, allesamt Fahrzeuge, die wohl um alles in der Welt anders aussehen wollen als herkömmliche Fahrzeuge, auch wenn der Nutzwert darunter leidet. Nicht so der neue IONIQ von Hyundai. Ein Fahrzeug ohne Umgewöhnungseffekt und ohne erkennbare Einschränkungen, wahlweise als Hybrid, Plug-In Hybrid oder reinen E-Antrieb, ganz so wie der Kunde das eben möchte und zwar zu Preisen, die deutlich unterhalb denen der zuvor genannten Anbieter liegen.

 

 

Etwas ganz Revolutionäres am Stand von Quant, einem Start-Up aus Liechtenstein. Mit der sog. Flusszellentechnologie, bei der zwei Ionische Flüssigkeiten in einem Reaktor elektrische Energie freisetzen, lässt sich ein Auto fast wie gewohnt betreiben.

 

 

Die Reichweiten sind überdurchschnittlich und getankt wird an der Tankstelle, aber eben kein Benzin oder Diesel, sondern eben diese beiden Ionischen Flüssigkeiten. Und schon kann die Fahrt wieder fast wie gewohnt fortgesetzt werden.

 

 

Ob das der Lithium- bzw. Wasserstoff-Lobby gefällt? Wohl eher nicht. Bleibt abzuwarten, wie sich die Sache weiterentwickelt.

 

 

Ein überaus charmantes Gefährt haben wir bei e´Mobile vorgefunden: Der elektrisch angetriebene Microlino, offensichtlich eine Hommage an die ehrwürdige BMW Isetta. Wieso stellen eigentlich die Münchener so etwas nicht auf die Räder?

Hinsichtlich Technologie ist auch die Firma Rinspeed wieder ganz vorne dabei. Der einzige Aussteller, der zum Thema „Autonomes Fahren“ etwas wirklich Eindrucksvolles zu präsentieren hatte.

 

 

Das Projekt „Etos“, auf Basis eines umgebauten BMW i8, stellt ein Innenraumkonzept vor, bei dem nicht nur übergroße Displays das Feld dominieren, sondern auch ein versenkbares Lenkrad den Innenraum zur Launch umfunktioniert, wenn der Fahrer gerade keine Lust verspürt, selbst zu fahren, sondern den Autopiloten bemüht.

 

 

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Im Bild: Das voll versenkbare Lenkrad; auf dem ersten Bild ist das Lenkrad „eingefahren“ auf  dem folgenden Bild komplett ausgefahren

 

 

Noch anschaulicher, das Projekt Etos im Video:

 

 

Einzig die Borduhr im Rinspeed Etos ist konventionell. Von Bucherer aus Zürich stammt die hochwertige mechanische Uhr, die oben auf dem Cockpit drohnt und auch dann noch die Zeit korrekt anzeigt, wenn die ganze Technik einmal stromlos sein sollte.

 

 

In Sachen Uhren hat sich die mit dem Motorsport eng verbundene Firma TAG Heuer auf dem Autosalon positioniert und damit einmal mehr ihre Kompetenz in der Sportzeitmessung ausgelobt.

 

 

 

Aber nicht nur inhaltliche Themen wurden präsentiert und diskutiert, auch reichlich Prominenz fand sich zur eigens anberaumten Pressekonferenz am Stand von TAG Heuer ein.

 

 

Jack Heuer, Urenkel des Gründers und heutiger Ehrenpräsident, Jean-Claude Biver, CEO und in Personalunion Leiter des gesamten Uhrenbereichs des LVMH-Konzerns, mit den Marken Zenith und Hublot, Patrick Dempsey, US-amerkan. Schauspieler und Rennfahrer, kamen mit dem Direktor des Automobilsalon Genf zusammen und standen der internationalen Presse Rede und Antwort.

 

 

Insbesondere das erweiterte Engagement im Formel 1 Rennsport bei Red-Bull und das Sponsoring der Formula E waren die zentralen Themen.

 

 

 

Daraus leitet sich auch das breite Markenportfolio von TAG Heuer ab. Mechanische Uhren in großer Vielfalt und Komplexität bis hin zur brandneuen TAG Heuer Connected, deren Erfolg selbst den visionären CEO überrascht hat.

 

 

TAG Heuer ist bislang die einzige Schweizer Premium-Uhrenmarke, welche konsequent die Flucht nach vorne ergriffen hat und mit der TAG Heuer Connected eine Smartwatch lanciert hat, die mit der Apple Watch auf Augenhöhe spielt.

Dieses Statement erscheint insofern bedeutsam, als wir auf keiner Messe zuvor so viele Träger von Smartwatches, allen voran der Apple Watch, gesehen haben. Seien es bei den Pressekonferenzen die Verantwortlichen in leitender Funktion der Automobilhersteller, seien es Prominente, die sich zum Fotoshooting bereit hielten, Smartwatches waren an vielen Handgelenken zu sehen. Die Revolution in der Antriebstechnik – nicht nur im Automobilbau – hat soeben begonnen.

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

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