INTEL als einer der größten Player auf dem Gebiet der Informationstechnologie hat sich das Thema Internet of Things (IoT) groß auf die Fahne geschrieben. Nur konsequent, dass diesem Thema auf dem Intel Developper Forum 2015 in San Francisco ein breiter Raum eingeräumt wurde.

Darunter ist nichts anderes zu verstehen, als dass alle elektronischen Geräte untereinander vernetzt sind und Daten austauschen. Das heißt, dass was heute ein Smartphone bereits kann und tut, sollen künftig alle uns umgebenden Geräte auch tun. Smart-Home ist in diesem Zusammenhang ein weiteres Schlagwort. Die Beleuchtung, der Stromzähler, die Heizung, der Kühlschrank, die Kaffeemaschine, die Waschmaschine, und und und ….. sollen in nicht allzu ferner Zukunft alle miteinander kommunizieren.

 

 

Dazu gesellen sich vermehrt die sogenannten Wearables, also kleine Geräte, die direkt am Körper getragen werden. Zumeist handelt es sich aktuell dabei um Fitnesstracker, die die physische Aktivität des Trägers überwachen und aufzeichnen. Die Datenweitergabe erfolgt dabei zumeist an das per Bluetooth gekoppelte Smartphone.

Intel möchte sich in diesem Sektor klar positionieren und ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Insofern hat das Management von Intel entschieden, im Falle Fitnesstracking nicht nur Hard- und Softwareplattformen zu entwickeln und wie im Falle IoT an Endgerätehersteller zu liefern, sondern auch direkt den Endkunden zu beliefern.

 

BASIS an Intel Company

Um sich den mühsamen Weg zu ersparen, erst das entsprechende Know-How aufzubauen, hat Intel bereits 2014 kurzerhand das in San Francisco beheimatete Start-Up Unternehmen „BASIS“ übernommen.
BASIS hat schon frühzeitig begonnen, hochwertige Fitnesstracker und die hierfür erforderlichen Algorithmen zu entwickeln und zu vermarkten. Das neueste Produkt von BASIS, der BASIS Peak Fitnesstracker erkennt und wertet dabei nicht nur Bewegungsprofile aus, sondern misst zusätzlich permanent die Pulsfrequenz sowie die Temperatur der Haut und die Feuchtigkeitsabgabe über die Haut.

 

 

Die Daten werden per Bluetooth Low Energy an das Smartphone übergeben und dort in einer speziellen App verwaltet. Da BASIS den Weg gegangen ist, ein eigenes, schlankes und plattformunabhängiges Betriebssystem zu entwickeln, funktioniert das Ganze sowohl mit Android (ab 4.4.2) als auch Apple iOS (ab iOS 8). Sehr positiv anzuzmerken ist die bei vielen anderen Anbietern sonst häufig schmerzlich vermisste Kompatibilitätsliste die auf der Homepage von BASIS zu finden ist. Mit den dort gelisteten Smartphones sichert BASIS die einwandfreie Funktion zu.

 

Kompatibel mit Apple iOS und Google Android

Zusätzlich bietet BASIS die Möglichkeit, das Kundenkonto über eine Web-basierte Applikation auf dem PC oder Tablet zu verwalten und auszuwerten. Auf dem größeren Bildschirm lassen sich in sehr viel besserer Übersicht als auf dem Smartphone detaillierte Auswertungen vornehmen.
Damit aber nicht genug. Die mit der BASIS Peak aufgezeichneten Daten können auch mittels Apple Health, Google Fit und neuerdings Runtastic übernommen und ausgewertet werden.

 

 

Neben dem Schwerpunkt Fitnesstracking besitzt der Funktionsumfang der BASIS Peak aber auch noch eine Reihe weiterer smarter Funktionen, die eine große Ähnlichkeiten mit denen einer Smartwatch aufweisen. Nachrichten verschiedenster Art, Erinnerungen und Telefonanrufe lassen sich per Vibration ans Handgelenk melden und auf dem Display zur Anzeige bringen. Das bieten die meisten Fitnesstracker (noch) nicht: Umgekehrt haben zahlreiche heute am Markt befindliche Smartwatches keine so umfassende Sensorik zur Erfassung und Auswertung der täglichen Aktivität an Bord.

 

BASIS Peak Fitnesstracker und Smartwatch in einem?

Hier zeigt sich also unschwer der Ansatz von BASIS und Intel, dem Kunden eine möglichst große, gleichzeitig aber unkomplizierte Funktionsvielfalt ans Handgelenk zu legen.
Wie funktioniert das in der Praxis nun? Dieser Frage sind wir nachgegangen und hatten die BASIS Peak über mehrere Wochen in intensivem Gebrauch. Das einzige was eigentlich wirklich störte, war das wenig ansprechende Design des Gadgets. Das Gehäuse ist zwar aus hochwertigem Aluminium gefertigt, was an sich kein Nachteil ist und die Apple Watch Sport zeigt auch, dass unter Einsatz von Aluminium durchaus ein ansprechendes Design verwirklicht werden kann.

 

Einfache Handhabung

Ansonsten lief und funktionierte alles betont einfach und zudem sehr unauffällig. D.h. einmal konfiguriert und eingestellt, verrichtete das Gerät zuverlässig seine Arbeit. Bereits das Koppeln mit dem Smartphone funktionierte weitgehend problemlos. Zwar wird hier nicht die neueste und komfortabelste Weg beschritten, aber für jeden, der schon einmal ein Bluetooth-Gerät mit seinem Smartphone gekoppelt hat und dabei die Suchfunktion in den Bluetooth-Einstellungen des Smartphones bemüht hat, erschließt sich der Vorgang.

 

Lange Betriebsdauer

Bevor eine Koppelung und damit Erstinbetriebnahme erfolgen kann, muss der Akku, der eine Kapazität von 190 mAh aufweist, aufgeladen werden. Das erfolgt mittels einer kleinen mitgelieferten Ladespange, die sich über einen Magneten am Gehäuseboden fixiert und elektrisch kontaktiert. Die Ladespange selbst besitzt einen Mini-USB Anschluss und kann somit an jedes handelsübliche USB-Ladegerät angeschlossen werden. Die Laufzeit soll dann laut BASIS rund 4 Tage betragen. Im Test waren sogar zumeist 5 Tage zu schaffen. Damit spielt die BASIS Peak auf Augenhöhe mit der neuen Pebble Time.

Nachdem nun noch die entsprechende Application auf das Smartphone geladen wurde, kann´s losgehen. Userkonto anlegen und das Gerät, wie zuvor beschrieben, mit dem Smartphone koppeln.

Der Blick fällt damit zunächst auf ein permanent aktives, stromsparendes, mit kratzfestem Gorillaglas geschütztes, monochromes LCD-Display, welches mit einer Diagonale von 1,26 Zoll und einer Auflösung von 144×168 pixel arbeitet. Da die Anzeige auf Fremdlicht angewiesen ist, lässt sich bei Dunkelheit eine Hintergrundbeleuchtung zuschalten. Die Bedienung des Fitnesstrackers erfolgt per Touch bzw. Wischbewegung. Knöpfe, Tasten oder sonstige Bedienungselemente sind nicht anzutreffen. Das ermöglicht denn auch die Wasserdichtigkeit von angegebenen 50 Metern. Bei unseren Tests im Wasser gab es auch keinerlei erkennbare Probleme. Unschön ist jedoch ein Effekt, wie er auch bei anderen Modellen mit Touchscreen auftritt, dass die Bedienung durch Wischen auf dem Display im Wasser nicht funktioniert. Das heißt z.B. die Stoppuhr im Wasser zu nutzen, geht schlichtweg nicht. Das funktioniert nur bei Pebble, da die gesamte Steuerung, wie bei einer mechanischen Uhr, über seitlich am Gehäuse angebrachte Drücker erfolgt.

 

Monochromes nur gering auflösendes Display mit Touchbedienung

Mit hochauflösenden OLED-Displays hat das einfache monochrome Display natürlich nichts gemeinsam. Dafür kann es mit extrem niedrigem Stromverbrauch punkten, so dass, obgleich es permanent in Betrieb ist, und auch die Pulsmessung permanent erfolgt, und dazu eine rückwärtig angebrachte LED ebenfalls ständig Lichtimpulse aussendet, eine Betriebsdauer von mehreren Tagen erreicht werden, und zwar ohne, dass das Ladegerät bemüht werden muss. Das Ergebnis spricht aber auch für ein ausgeklügeltes Energiemanagement; in diesem Punkt hat die BASIS Peak aktuell kaum Konkurrenz zu fürchten.

 

 

Für die Anzeige von Uhrzeit, Fitnessdaten und Nachrichten genügt die gebotene Auflösung denn auch völlig, der Wunsch nach mehr kommt eigentlich nicht auf. Das Bedienkonzept ist übersichtlich und betont minimalistisch angelegt. Es gibt nur wenige Anzeigen, die durch Wischen auf dem Touchscreen umgeschaltet werden können. Durch einen Doppeltipp auf das Display kommt man wieder auf die zentrale Zeitanzeige zurück. Es gibt Anzeigen für die Zeit ohne Sekunden, Tippen auf das Display führt zum Einblenden des Datums sowie von Verbindungsstatus und Batterieanzeige. Die aktuelle Herzfrequenz, Einstellungen (Bluetooth usw.), Übersicht der täglichen Aktivität (Gehen, Laufen, Radfahren) sowie Nachrichten (vom Telefon bzw. der Peak selbst), Wecker und Stoppuhr können über horizontale bzw. vertikale Wischbewegungen abgerufen und aktiviert bzw. zur Anzeige gebracht werden.

 

Große Funktionsvielfalt

Die Funktionen umfassen derzeit die Zeitanzeige, eine Stoppuhr mit Zwischenzeiten, einen Wecker und natürlich das Tracken mit den genannten Sensoren. Dabei wird automatisch erkannt, ob man nur normal geht, läuft bzw. joggt, Rad fährt oder schläft. Hinzu kommen die Benachrichtigungsfunktionen über Anrufe, eingehende Nachrichten oder Mitteilungen und Erinnerungen.

Per Vibrationsalarm wird der User zunächst auf eine Benachrichtigung aufmerksam gemacht. Auf dem Display wird dann angezeigt, um welche Art von Nachricht oder Mitteilung es sich handelt. Textnachrichten, wie E-Mails oder WhatsApp können auch angelesen werden, so dass man in der Regel schon weiß, um was es geht und kann dann entscheiden, das Smartphone entweder gleich zur Hand zu nehmen, oder die Nachricht ggfs. erst zu einem späteren, besser passenden Zeitpunkt zu beantworten. Nachrichten und Mitteilungen werden auf dem Display einmalig und nur für eine begrenzte Zeit angezeigt und nicht gespeichert. Will man nach der Kenntnisnahme gleich wieder die Uhrzeit sehen, so wird die Nachricht einfach per Wischbewegung vom Display entfernt.

 

 

Und dann ist da noch eine Besonderheit. Die sogenannten ‚Habits‘ sollen den Träger der BASIS Peak zu einer gesünderen Lebensweise animieren. ‚Habits‘ sind Ziele, die man sich per App oder Webportal konfigurieren kann. Je nach Erfüllung der Ziele kann man über ein Punktesystem neue Ziele freischalten. Ziele sind z.B. eine bestimmte Anzahl Schritte pro Tag, pünktliches Schlafengehen, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung usw. Das System ist zunächst nicht ganz leicht zu durchschauen, an sich aber eine gute Idee und kann tatsächlich dazu beitragen, gewisse Gewohnheiten und Gepflogenheiten umzustellen.

 

Genauigkeit im Prinzip gut, jedoch mit ein paar Einschränkungen

Kommen wir zur Genauigkeit bzw. Zuverlässigkeit der Datenerfassung und diversen Anzeigen des Fitnesstrackingers. Der Schrittzähler arbeitet hinreichend genau, eher sogar etwas konservativ, will heißen, dass er nur Schritte zählt, wenn auch tatsächlich welche zurückgelegt wurden. Das spricht für einen stimmigen Algorithmus.

Der Pulsmesser arbeitet ebenfalls erstaunlich genau, wobei nicht verschwiegen werden sollte, dass es zu gelegentlichen Fehlmessungen kommt. Das mag damit zusammenhängen, dass der Hautkontakt nicht immer optimal ist, oder das Gerät während der Messung verrutscht. Da es sich aber um kein medizinisches Gerät handelt, sondern dem Sportler mehr zur Orientierung dienen soll, kann mit den Einschränkungen umgegangen werden.

 

 

Die Messung der Hauttemperatur lässt sich schwer interpretieren, ebenso die Messung des Feuchtigkeitsverlustes über die Haut. Bei beiden Parametern ist jedoch weniger der absolute Wert als vielmehr der relative Verlauf von Interesse, um die Veränderungen bei verschiedenen sportlichen Betätigungen und Belastungen abzugleichen.

Weniger gut funktioniert das automatische Erkennen verschiedener Bewegungsabläufe. Funktioniert das zwischen Gehen und Laufen noch ganz gut, so kann es beim Radfahren schon mal einige Minuten oder gar Kilometer dauern, bis dieses als solches erkannt wird.
Gut arbeitet hingegen wieder der Schlafmonitor. Die einzelnen Schlafphasen werden gut und differenziert wiedergegeben. Wird nachts der Schlaf unterbrochen, um kurz aufzustehen, so kann dies in der Analyse der Daten ebenfalls sofort erkannt werden.
Die Übertragung der Daten an das Smartphone erfolgt normalerweise im Hintergrund, kann aber über die App auch jederzeit manuell ausgelöst werden.

Da es sich primär um einen Fitnesstracker handelt und weniger um eine Smartwatch, gibt es auch keinen App-Store, um z.B. weitere Funktionen oder Anwendungen herunterzuladen. Die vom Hersteller vorgegebene Konfiguration samt ihrer Funktionsinhalte lässt sich vom User damit kaum verändern. Das ist einerseits gut, da es die Bedienung und Handhabung betont einfach hält, schränkt aber die Einsatzmöglichkeiten an der ein oder anderen Stelle doch ziemlich ein.

Für den Preis von derzeit für einen Fitnesstracker nicht eben wenigen 199 EUR gibt es aus dem Lager der einfachen Smartwatches zum Vergleich die neue Pebble Time. Die hat zwar keinen Pulsmesser an Bord, was wir als gravierenden Nachteil ansehen – die fehlende Messung der Hauttemperatur und des Flüssigkeitsverlustes sehen wir als nicht so wichtig an -, kann aber alles andere mindestens ebenso gut oder sogar noch ein Stückchen besser. Was sagt uns das? Die Überscheidungen bei hochklassigen und entsprechenden Fitnesstrackern mit Smartwatches nehmen zu und machen die Kaufentscheidung nicht leichter.

 

Hervorragende Auswertung der Daten per Cloud-Computing

Neben der auf dem Smartphone installierten App, welche auch die Kommunikation zum Fitnesstracker herstellt und für die regelmäßige Synchronisation der aufgezeichneten Daten sorgt, kann am PC über den Browser eine Web-basierte Applikation aufgerufen werden, die ihresgleichen sucht.

 

 

Nach der Anmeldung über Benutzerkennung und Passwort sind eine verschiedenste Auswertungen der gesammelten Daten möglich und versetzen den Sportler somit in die Lage, auf einem ausreichend großen Bildschirm selbst Details herauszulesen. Ein wesentliches Momentum ist hierbei die kontinuierliche Messung und Aufzeichnung der Pulsfrequenz, der Hauttemperatur sowie der Feuchtigkeitsabgabe, so dass auf einen Blick der Zusammenhang aus dem Verlauf der einzelnen Kenngrößen und der körperlichen Aktivität hergestellt werden.

 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die BASIS Peak ein komplexes Produkt bei erstaunlich einfacher Bedienung und Handhabung ist. Sowohl Hard- wie auch Software sind gut bis sehr gut. Die Smartphone App und die per Cloud-Computing synchron laufende Web-basierte Anwendung auf dem PC sind sogar erste Sahne. Da bleibt kaum ein Wunsch offen.

Was sonst noch gefällt sind die lange Akkulaufzeit, das einfache Bedienkonzept und die Wasserdichtigkeit, die auch den Betrieb im Wasser erlaubt. Schön wäre es, wenn hierzu noch ein Swimtracking à la Withings zur Verfügung stünde.

Was nicht so gut gefällt, sind das sehr einfach gehaltene Design und die fehlenden Konfigurations- und Individualisierungsmöglichkeiten. An der Bedienoberfläche sowie der zuverlässigen Erkennung des Bewegungsprofils wird BASIS im Rahmen von Updates sicher noch Verbesserungen einfließen lassen.

Die ultimative Lösung wäre wohl eine Kreuzung aus Pebble Time und BASIS Peak. Aber dann bitte mit Steuerung per Drücker, um auch im und am Wasser alle Funktionen ohne Einschränkung nutzen zu können.

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

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