Der britische Finanzinvestor CVC hat im Frühjahr 2017 die Schweizer Traditionsmarke Breitling für rund 800 Mio. CHF übernommen.

Ein stolzer Preis, gemessen am Jahresumsatz von Breitling, der auf etwa die Hälfte dieser Summe taxiert wird. Normalerweise orientieren sich die Kaufpreise eher am Umsatz nur eines Jahres.

Weshalb CVC dann noch einmal ordentlich etwas oben darauf gelegt hat, darüber kann nur spekuliert werden. Klar ist damit aber auch, dass es damit umso schwieriger wird, den Return of Investment hinzubekommen. Das ist aber das erklärte Ziel eines jeden professionellen Finanzinvestors. In diesem speziellen Fall ist das nur über eine kräftige Steigerung des Umsatzes und somit Marktanteils zu schaffen.

Georges Kern, der neue CEO von Breitling, der zuvor fast 15 Jahre lang die Geschicke bei IWC in Schaffhausen erfolgreich geleitet und das Unternehmen zu dem gemacht hat, was es heute darstellt, übernimmt bei Breitling – mit CVC im Rücken – nun eine Herkulesaufgabe. Der Druck ist enorm, der Erfolg zwingend, soll das Vorhaben Breitling und somit die Person Kern nicht krachend scheitern.

Also muss Kern eine Vollgas-Strategie entwickeln und den Turbo zünden, um den Turn Around im vom Investor vorgegebenen Zeitfenster hinzubekommen und das Vorhaben Breitling zum Erfolg zu führen.

Dazu wird nun an allen Fronten gleichzeitig gekämpft. Das Produktportfolio wird grundlegend überdacht, nachgeschärft und präziser an asiatische Bedürfnisse angepasst. Aber auch die feminine Kundschaft will Breitling künftig verstärkt ansprechen und schließlich muss Kern auch die Digitalisierung auf allen Ebenen vorantreiben.

Damit all das gelingt, bedarf es sach- und fachkundiger Mitstreiter, die dem Chef die Gedanken quasi vom Gesicht ablesen. Und wie so häufig, wenn Schlüsselfiguren das Lager wechseln, versuchen sie, eingespielte Vertrauensleute aus der früheren Umgebung für die neue Aufgabe zu gewinnen.

Dieser Strategie folgt auch Kern. So macht er nicht davor Halt, fähige Mitarbeiter von IWC und aus dem erweiterten Umfeld von Richemont für einen Wechsel zu Breitling zu gewinnen. Das befeuert die Schlagkraft von Breitling, bekommt aber der mit ständigen Umorganisationen beschäftigten und auf holperigen Pfaden angekommenen Groupe Richemont nicht gut.

Willkommen im Verdrängungswettbewerb könnte die neue Losung heißen: Breitling gegen IWC. Wobei IWC das aktuell (noch) bessere Produktportfolio hat, Breitling jedoch mit seiner neuen, schlagkräftigen Mannschaft um Georges Kern herum für die Zukunft die vielleicht besseren Karten hat.

Schließlich gab Kern gegenüber Focus Online unlängst zu Protokoll, dass die Uhrenindustrie gut daran täte, stärker zusammen zu arbeiten. Tudor und Breitling tun das bekanntermaßen schon. Dass der Wind nun aus allen Richtungen pfeift, wird damit elegant umschrieben.

Es bleibt spannend, denn der Turbo sollte nicht überdreht werden.

 

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