Die Spiralfeder einer mechanischen Uhr ist bei der klassischen Schweizer Ankerhemmung in Zusammenspiel mit Unruh, Anker und Ankerrad das entscheidende Bauteil. Über dieses filigrane und dabei komplexe Bauteil wurden schon viele Abhandlungen verfasst und dabei kursieren mindestens ebenso viele Geschichten und Mythen, was die Herstellung und vor allem Verfügbarkeit der Vormaterialien anbelangt. Das bekannteste Material „Nivarox“ (steht für: nicht variabel nicht oxidierend) der gleichnamigen Firma Nivarox-Far hat einen sehr hohen Marktanteil und Unruhspiralen aus besagtem Werkstoff verrichtet in vielen bekannten mechanischen Uhrwerken verschiedenster Hersteller seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst. So gut das Material auch funktioniert, einen Haken hat es:

Nivarox ist leider nicht völlig antimagnetisch. Bei hohen magnetischen Flussdichten wird das Material magnetisch und der Gang der Uhr verändert sich bleibend. In einer Zeit, in der uns Magnete überall begegnen und begleiten, nimmt die Gefahr der Magnetisierung einer mechanischen Uhr zu. Mehr oder weniger große Gangabweichungen sind die unmittelbare Folge davon.

Nun gibt es verschiedene Maßnahmen, dem zu begegnen. Die eine Möglichkeit ist, das Uhrwerk durch einen Weicheisenkäfig abzuschirmen, der andere Weg ist, alle magnetischen Werkstoffe, zumindest jene, die sich im unmittelbaren Umfeld des Gangreglers befinden, gegen paramagnetische Werkstoffe zu ersetzen. Dazu haben sich einige Hersteller bereits für die Unruhspirale aus Silizium entschieden und betrachten dies als den Königsweg schlechthin. Selbst Patek Philippe geht diesen Weg. Zweifellos, Silizium ist 100% amagnetisch und zeigt sich auch in Magnetfeldern höchster Flussdichte gänzlich unbeeindruckt. Zudem lässt sich Silizium extrem präzise und wiederholgenau herstellen. Das sonst übliche Klassifizieren kann entfallen.

Nur, kein Vorteil, ohne Nachteil: Silizium, üblicherweise in der Elektronik in großen Mengen im Einsatz, ist ein extrem spröder Werkstoff und lässt sich nach seiner Herstellung und Formgebung nicht mehr verändern. D.h. das nach guter alter Uhrmachertradition feine Einregulieren in mehreren Lagen, bei dem ggfs. auch die Unruhspirale im montierten Zustand manuell und mit viel Gefühl und Erfahrung nochmals nachgetrimmt wird, funktioniert bei Silizium nicht. Das Risiko einer bleibenden Beschädgung bis hin zum sofortigen Bruch der Spirale wäre viel zu groß. Dies gilt im übrigen auch für eine spätere Revision oder Reparatur der Uhr. Hier gibt es nichts zu justieren. Im Fehlerfall heißt es: Austauschen! Für den wahren Uhrmacher ist Silizium also nicht unbedingt der Werkstoff seiner Träume.

 


Precision Engineering Paramagnetic Spiralfeder mit Breguet Geometrie
Im Bild: Precision Engineering Paramagnetic Spiralfeder mit Breguet Geometrie

 

Precision Engineering, zur Meylan-Gruppe gehörend, und damit ein Schwester Unternehmen von Moser & Cie, hat diesen Zielkonflikt erkannt und einen Werkstoff entwickelt, der sich – wie Silizium – absolut amagnetisch verhält, dabei aber die gewohnten Eigenschaften einer klassischen Unruhspirale weitestgehend behält.

Die neue, PE5000 genannte, Legierung besteht zu wesentlichen Teilen aus Niob und Titan. Als paramagnetisches Material ist es äusserst robust und so bemerkenswert elastisch, dass eine Spirale aus dieser Legierung selbst durch starke Stösse weder beeinträchtigt noch verformt wird.

Die Legierung aus Niob und Titan reagiert stark mit Sauerstoff, was einen stärkeren Verschleiß der Werkzeuge mit sich bringt; dennoch sind die Schritte zur Formgebung des Materials im Herstellungsprozess insgesamt ähnlich wie bei einer herkömmlichen Spirale aus Nivarox.

 


Breguet - Spirale aus PE5000 im Handaufzugs-Kaliber HMC 327 von H. Moser &  Cie.
Im Bild: Breguet-Spirale aus PE5000 im Handaufzugs-Kaliber HMC 327 von H. Moser &  Cie.

 

Spiralfedern aus PE5000 von Precision Engineering sind damit für den Präszisionsuhrenbau eine äusserst interessante Alternative. Hier kann der Uhrmacher bei Bedarf zur Optimierung der Leistung der Uhr die gewohnten Anpassungen oder Korrekturen vornehmen. Auch nach Jahren und Jahrzehnten des Gebrauchs bleibt der Werkstoff, auch im Rahmen von durchzuführenden Revisionen des Uhrwerks, für jeden Uhrmacher gut beherrschbar. Precision Engineering ist damit einer der ganz wenigen Hersteller, die paramagnetische Hemmungssysteme abseits des Werkstoffes Silizium anbieten und fertigen können.

 

PRECISION ENGINEERING AG

Die Precision Engineering AG (PEAG) ist ein Spezialist für Uhrwerkkomponenten für Hemmungen, einschliesslich der Entwicklung vom ersten Design bis hin zur finalen Produktion eines Qualitätsprodukts, fertig für den Einbau in ein Uhrwerk, welches es regulieren soll. Precision Engineering ist eines der wenigen Unternehmen weltweit, das in der Lage ist Legierungen für die Fertigung von selbstkompensierenden Spiralfedern zu entwickeln und herzustellen. Dank innovativer Konzepte, Kundenorientiertheit und einmaliger Materialkenntnis für die Herstellung und den Zusammenbau von Hemmungsbauteilen, kann Precision Engineering das perfekte Produkt für die jeweiligen Anforderungen seiner Kunden entwickeln und produzieren. Precision Engineering ist ein unabhängiges Unternehmen, das 2012 in die Moser Watch Holding aufgenommen wurde. Dank dem Unternehmergeist, der im Zuge dieser Umstrukturierung bei PEAG geweckt wurde, und weiteren Investitionen in die Produktionsanlagen, arbeitet Precision Engineering heute mit den bekanntesten Namen der Schweizer Uhrenbranche zusammen.

 

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