Dass das Geschäft mit Uhren ganz generell nicht mehr rund läuft, wird inzwischen nicht nur auf Expertenebene offen diskutiert, sondern hat auch die Tages- und Lokalpresse erreicht. Die schlechten Nachrichten kommen bislang vornehmlich aus der Schweiz, wo akribisch genau Buch geführt wird – und zwar seit Jahren – wie sich die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie entwickeln. Und die Zahlen, welche vom Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie, nach Abgleich der Daten mit den Zollbehörden, Monat für Monat veröffentlicht werden, kennen seit rund 1 1/2 Jahren nur eine Richtung und die weist konstant nach unten. Der zurückliegende Monat Oktober war mit einem Rückgang von 16% sogar der schlechteste Monat des Jahres 2016 überhaupt.

Neben diesen an sich schon schlechten Nachrichten gibt es nun erste Verkäufe von Firmen. Frédérique Constant und Alpina gehen an Citizen. Maurice Lacroix sollte schon längst veräußert werden, findet aber keinen Käufer. Nun kommt sogar Breitling in die Diskussion. Die Gewinne bei Richemont und Swatch Group sind um über 50% eingebrochen. Die Richemont Group zieht erste Konsequenzen, baut den kompletten Vorstand radikal um, reduziert bei einigen ihrer Top-Marken gleich mehrere hundert Arbeitsplätze, indem Zeit- und Leiharbeitsverträge nicht verlängert werden und baut auch Stammpersonal ab, was von lautstarken Protesten der Gewerkschaften begleitet wird. Die Zulieferer ISA France und Technotime sind bereits insolvent. Der feine französische Luxus-Uhrenhersteller Pequignet musste ebenfalls Insolvenz beantragen, da die Kapitalgeber weitere, dringend erforderliche Geldspritzen ablehnen. Unsichere Zeiten also, wohin das Auge blickt.

Nun fragt sich das uhrenaffine Publikum: Findet das alles nur in der Schweiz und im angrenzenden Frankreich statt, oder handelt es sich um ein generelles Problem, welches auch vor den bekannten Produktionsstandorten in Deutschland nicht Halt macht?

Die Meldungen, welche vorliegen, sind weniger offiziell und daher im Detail nur schwer nachprüfbar. Jedoch war nicht zuletzt auf der nur wenige Wochen zurückliegenden Munichtime ein deutlich nachlassendes Interesse zu spüren. Nicht nur seitens der Aussteller, die dieses Jahr in merklich geringerer Zahl vertreten waren, aber auch der sonst hohe Ansturm an Besuchern hat deutlich nachgelassen. Wird mit Zulieferen gesprochen, so wird dort jetzt spür- und sichtbar weniger gelächelt,  stattdessen sind vermehrt lange Gesichter anzutreffen. Die Auftragslage verschlechtert sich zusehends.

Die Uhrenhersteller selbst geben sich noch alle Mühe, Ruhe zu bewahren und Zweckoptimismus zu verbreiten. Erste Meldungen in der deutschen Presse lassen jedoch – trotz aller Dementis – klar erkennen, dass das grundsätzliche Problem auch bei den deutschen Herstellern angekommen ist und die Verantwortlichen in den Chefetagen sich damit beschäftigen dürfen. Sei es, dass versucht wird, glaubhaft zu dementieren, dass es weder einen Einstellungsstopp noch Entlassungen gäbe (A.Lange & Söhne) bzw. dass bereits ausgeplante und angekündigte Bauvorhaben auf unbestimmte Zeit verschoben werden (Nomos). „C.H. Wolf Glashütte“, der aus dem ehemaligen Unternehmen „Hemes Glashütte“ hervorgegangene Neuanfang, musste bereits im März 2016 den Geschäftsbetrieb wegen Überschuldung aufgeben.

Die jüngst in den beiden deutschen Medien Neckar-Chronik und Tag24 erschienen Artikel lassen erkennen, dass der Wind sich gedreht hat, auch im Müglitztal und somit Glashütte.

 

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