Das Deutsche Uhrenportal war im September 2016 zur Internationalen Funkausstellung (IFA) nach Berlin gereist, da die FOSSIL Group mit ihren zahlreichen Lizenzmarken dort ihren Einstand gab und wir sehen wollten, was einen traditionellen Uhrenhersteller bewegt, sich auf dieses völlig neue Terrain zu begeben.

Die IFA 2016 als Schaubühne der neuesten High-Tech Produkte auf höchstem Niveau wurde aber nicht nur von FOSSIL, sondern auch anderen Herstellern, wie Garmin, Withings, MyKronoz oder Samsung genutzt, um ihre smarten und immer intelligenter werdenden Uhren und Wearables einem interessierten Publikum vorzustellen. Einen ausführlichen Bericht dazu haben wir bereits publiziert.

 

 

Nun wollten wir eine Stufe tiefer eintauchen, in die neue Welt der Connectivity und haben uns dazu auf den Weg nach München, zur „electronica 2016“ gemacht.

 

 

Die „electronica“ als weltweite Leitmesse mit über 2.900 Ausstellern, auf der kaum Fertigprodukte, sondern in erster Linie Bauteile und Subsysteme aus- und vorgestellt werden, versteht sich als Trendsetter für morgen und übermorgen. Das was die Halbleiter- und Komponentenhersteller dort heute zeigen, findet sich in den Produkten der nächsten oder übernächsten Generation wieder. Rund 75.000 Besucher an insgesamt lediglich vier hocheffizienten und extrem gut besuchten Messetagen gaben ein starkes Signal ab.

 

 

Insofern zeigten sich spannende Einblick in einen weiterhin stabil und zügig wachsenden Markt. Der weltweite Umsatz an Halbleitern beträgt dz. rund 350 Mrd. US$ bei einem jährlichen Wachstum von knapp 5%.

Die Schwerpunkte der Messe fokussierten sich auf die Themenfelder

  • Smart Grid
  • Smart City
  • Smart Home
  • Smart Car und
  • E-Health

Dazu wurde das einstige Motto von Henry Ford ausgegeben:

„Hätte ich immer nur auf meine Kunden gehört, so wäre die Anforderung gewesen, schnellere Pferde zu züchten, statt Autos zu bauen“.

Auf den heutigen Wortlaut übersetzt, haben wir es also nahezu überall mit disruptiven Entwicklungen und Technologien zu tun. Die Digitalisierung ist unaufhaltsam. Den Weg zurück gibt es nicht. Die Messe wollte dazu auch einen Weckruf aussenden.

Eine auf der electronica im Rahmen der Pressekonferenz vorgestellte Studie belegte einmal mehr, dass insbesondere die Generation der heute 18 – 35 jährigen die treibenden Kräfte sind. Dazu wurden in insgesamt 7 Ländern jeweils 1000 Personen zu verschiedenen Themenfeldern befragt.

Danach sind junge Chinesen am innovationsfreudigsten und gieren geradezu nach den neuen vernetzten Technologien. Der in diesem Zusammenhang äußerst wichtige Themenkomplex Sicherheit im Internet und bei vernetzten Systemen ist bei den Befragten in Europa und hier besonders in Deutschland und Italien von größter Bedeutung. Dies wiederum eröffnet in Europa ansässigen Firmen die einmalige Chance, sich zu diesem Thema als Vorreiter zu positionieren und entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen.

 

Im Bild: Studie zum Thema Smart Car und autonomes Fahren mit länderspezifischen Aussagen

 

Einen überaus wichtigen Umfang des Wachstums nimmt die Automobilindustrie ein. Rund 80% aller in einem neuen Fahrzeug eingeführten Innovationen basieren auf Elektronik. Bis zum Jahr 2020 werden weltweit bereits rund 250 Mio. vernetzte Fahrzeuge auf den Straßen rollen. Und noch eine interessante Zahl: Bereits heute ist in einem durchschnittlichen Mittelklassefahrzeug Software mit einem Umfang von rund 10 Mio. Zeilen Programmcode anzutreffen.

Bei diesem Thema, aber auch den vielen neuen Funktionen rund um das Smart Home – also das vernetzte Zuhause – mit all seinen vielfältigen und nützlichen Möglichkeiten werden die Wearables eine zunehmend größere Rolle spielen. Der Mensch als zentrale Kommandostelle will nicht ständig das Smartphone bei sich tragen. Hier springt das Wearable als intelligentes Steuerungsorgan und Gadget in die Bresche.

 

electronica 2016

Im Bild: Studie zum Thema Smart Home mit länderspezifischen Aussagen

 

Aber auch bei E-Health, also der Überwachung der eigenen Gesundheit, aus Gründen besserer Fitness, oder zu therapeutischen Zwecken, werden die kleinen Helfer immer wichtiger und so mehr und mehr die klassische Uhr am Handgelenk ersetzen.

Dazu haben wir uns auf der electronica 2016 umgesehen und zum Teil wirklich Erstaunliches vorgefunden. Längst haben die großen Halbleiterhersteller den Markt der miniaturisierten Elektronik für sich entdeckt und erobert. Seien es Herzschrittmacher von der Größe einer Vitaminpille, oder miniaturisierte Hörgeräte, die Fortschritte der Mikroelektronik sind allgegenwärtig. Und alles, was hauptsächlich im Bereich der Medizin in den letzten Jahren entwickelt wurde, findet nun seinen Weg in den Consumer-Bereich vornehmlich als „Wearable“ oder fallweise auch „Hearable“.

Beginnen wir im High-End-Bereich. Also dort, wo hohe Leistung zur Verarbeitung mächtiger Softwarepakete, bei gleichzeitig geringem Stromverbrauch, die Liste der Anforderungen anführen.

 

Im Bild: Der Messestand von Qualcomm auf der electronica 2016

 

Qualcomm der allseits bekannte Marktführer bei Prozessoren für Smartphones (Weltmarktanteil von rund 80%) hat unter dem bekannten Markennamen „Snapdragon“ seinen Einstiegsprozessor vom Typ Snapdragon 400 nun einem speziell zur Anwendung in Wearables bestimmten Redesign unterzogen. Unter der neuen Bezeichnung Snapdragon 2100 konnte von den Entwicklern nicht nur die Baugröße, sondern auch der Leistungshunger nochmals deutlich reduziert werden.

FOSSIL setzt mit seiner neuen Serie an Smartwatches mit Display, die unter Android Wear laufen, auf dieser neuen Plattform auf. Asus, Casio und Nixon zählen bereits ebenfalls zu den Anwendern; weitere sollen folgen.

Anders als der Snapdragon 2100, arbeitet der brandneue Snapdragon 1100 statt mit 4 Prozessorkernen, nur mit einem Kern und verbraucht damit noch weitaus weniger Energie, was ihn für kleine Wearables mit reduzierter Funktionalität und schlankerem Betriebssystem, auf Basis von Linux oder eines RTOS, interessant macht.

 

electronica 2016

Im Bild: NXP auf der electronica 2016

 

Genau diesen Umfang bedient auch die Firma NXP Semiconductors. Ursprünglich hervorgegangen aus Philips hat das Unternehmen unlängst für spektakuläre 47 Mrd. US$ den Besitzer gewechselt. Qualcomm hat NXP übernommen und steigt damit zum weltgrößten Halbleiterhersteller auf.

 

Im Bild: Innovative Roadshow von NXP zu den Themen Smart City und Smart Home

 

NXP ist gut vertreten in der Automobilindustrie und zwar überall dort, wo es um Anwendungen der höchsten Sicherheitsstufe im Bereich der Near Field Communication (NFC) geht; also Wegfahrsperren, und Fernbedienungs- und Verriegelungssysteme. Speziell die Integration der Technologie in den Funkschlüssel, aber auch Anwendungen in der Medizintechnik haben NXP in Sachen Miniaturisierung vorangebracht.

 

Im Bild: Beispiele von Wearables, ausgestattet mit Technologie von NXP

 

So hat der Hersteller sein Portfolio konsequent ausgebaut und bietet nun für Wearables und Smartwatches komplette und zu sehr günstigen Konditionen verfügbare Entwicklungskits z.B. auf Basis des Kinetis K64F an, mit denen auch Start-Ups mit kleinem Budget rasch zu vorzeigbaren Ergebnissen kommen.

 

Im Bild: Entwicklungskit Hexiwear von NXP für Wearables

 

Einen ähnlichen Weg schlägt der französisch-italienische Halbleiterkonzern STMicroelectronics mit seiner Prozessorfamilie STM32L ein. Bezeichnenderweise findet sich das Headquarter von ST in Genf, im Stadtteil Plan-les-Ouates, gleich um die Ecke von Vacheron Constantin und Harry Winston.

 

Im Bild: Der Messestand von STMicroelectronics mit dem Motto „Making everything smarter“

 

Vielleicht sollten die verantwortlichen Herren der zur Zeit nicht so erfolgreichen Uhrenbranche einmal die Straßenseite wechseln und sich beim Nachbarn umsehen, was man aus Slizium – außer Unruhspiralen – sonst noch so alles Innovatives machen kann.

 

Im Bild: Entwicklungskit WESU 1 für Wearables von STMicroelectronics

 

ST hat auf der electronica ein Entwicklungskit vorgestellt, welches ebenfalls mit einer Vielzahl an Sensoren ausgestattet ist und mit vorgefertigten Softwarebausteinen einen zügigen Entwicklungsablauf garantiert. Neben Anwendungen in Wearables stehen aber auch zahlreiche weitere IoT Applikationen auf der langen Liste möglicher Anwendungen. Bereits heute ist ST auf dem Markt gut vertreten. Selbst renommierte Hersteller aus China, wie Huawei oder XiaoMi, setzen auf die Technologie von ST.

 

Im Bild: Smarter Fitnestracker „Amazfit“ von XiaoMi mit neuester Technologie von STMicroelectronics

 

Aber nicht nur in Sachen Halbleiter tut sich etwas. Auch die Display-Technologie schreitet voran. Futaba, der renommierte japanische Hersteller, stellte auf der electronica 2016 hauchdünne, biegsame OLED-Displays in monochromer als auch in RGB-Technologie vor.

 

Im Bild: hauchdünnes, flexibles OLED-Display von Futaba

 

Damit aber nicht genug. Auch voll transparente Displays, die den Designern ganz neue gestalterische Freiheiten geben, wurden präsentiert.

 

Im Bild: voll transparentes OLED-Display von Futaba

 

Last but not Least ist eines der Hauptprobleme bei Wearables noch immer die Energieversorgung. Ähnlich wie bei Futaba mit biegbaren Displays, wartet Panasonic mit einer neuen Entwicklung hochflexibler und biegbarer Li-Akkumulatoren auf.

 

Im Bild: Flexibler Li-Ion Akku von Panasonic

 

Die sehr flach bauenden (Dicke 0,55 mm) und bis zu einem Radius von 25 mm verformbaren Akkus befinden sich bis zu einer Kapazität von 60 mAh aktuell in Entwicklung. Der Serieneinsatz wurde mit 2018 angegeben. Damit sind neue Geometrien und Einbauorte denkbar.

 

Im Bild: Pin-Type Li-Ion Akku von Panasonic

 

Einen anderen Formfaktor haben die sog. Pin-Type Zellen, die bei einem Durchmesser von nur 3,65 mm bzw. 4,7 mm extrem schlank bauen und sich so gut in mehr länglich geformten Geräten, wie z.B. Smart Glasses, unterbringen lassen.

 

Im Bild: Pin-Type Li-Ion Akku von Panasonic integriert in einer smarten Brille und induktiver Aufladung

 

Abschließend erkundeten wir auf dem Stand von Infineon das neueste Modell von Tesla, den Tesla X mit Flügeltüren.

 

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Die Bilder sprechen für sich. So sieht die automobile Zukunft aus und dieses Fahrzeug wurde gerade eben mit dem „Goldenen Lenkrad“ ausgezeichnet. Wer das nicht wahrhaben will, wird wohl das Nachsehen haben.

Auf der IFA 2017 sind wohl die ersten Produkte für den Endkunden anzutreffen, für welche auf der electronica 2016 die erforderlichen Bauelemente und Teilsysteme einem Fachpublikum, bestehenden aus Produktplanern, Entwicklern, Ingenieuren und Entscheidungsträgern vorgestellt wurden. Die nächste electronica findet im Wechsel mit der „productronica“ in 2 Jahren, also 2018, wieder statt.

 

Der Autor:

Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

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