Nach den aktuellen Auswertungen der International Data Corporation (IDC) wurden im zweiten Quartal 2016 insgesamt 22,5 Millionen Wearables verkauft. Der Gesamtmarkt wuchs gegenüber dem Vorjahr damit um 26,1%. Bis zum Jahr 2020 kann mit einer jährlichen Steigerung von rund 23% gerechnet werden.

„Das Thema Fitness ist aktuell die tragende Säule bei den Wearables und hier hängen die Früchte nicht allzu hoch am Baum“, führte Jitesh Ubrani, Senior Research Analyst bei IDC Mobile Device Trackers, aus. „Allerdings entwickelt sich der Markt gerade weiter und wir können feststellen, dass die Verbraucher durchaus auch an neuen Funktionen, wie Kommunikation oder mobilen Zahlungen Interesse zeigen“.

Während der Gesamtmarkt für Wearables in Q2/2016 wuchs, haben sich die zwei bestimmenden Kategorien,

  • einfache Wearables und
  • komplexe Smartwatches

jedoch recht unterschiedlich entwickelt.

Betrachten wir zunächst die einfachen Basisgeräte, die keine Anwendungen von Drittanbietern (Apps) unterstützen – also zumeist die kostengünstigeren Fitnesstracker – so stellen wir hier ein fulminantes Wachstum von 49% gegenüber dem Vorjahreszeitraum fest.

Sehen wir uns hingegen jene Wearables etwas genauer an, die mit komplexen Betriebssystemen ausgestattet sind und Anwendungen von Drittanbietern unterstützen – also die sog. Smartwatches – so sank deren Absatz um immerhin 27%. der Hauptverlustbringer war überraschenderweise Apple mit der Apple Watch.

Der Grund hierfür ist rasch ausgemacht. Die aktuellen Fitnesstracker sind bereits mit einer Vielzahl nützlicher Funktionen ausgestattet und aufgrund des in diesem Segment herrschenden Wettbewerbs zu vergleichsweise günstigen Konditionen zu bekommen. Immerhin 83% aller ausgelieferten Wearables sind dieser Kategorie zuzuordnen.

Ein erhöhtes Risiko stellen in diesem Marktumfeld mittlerweile jedoch die große Zahl von Nachahmern und Neueinsteigern dar, die sich ebenfalls ein Stück vom Kuchen abschneiden möchten. Der Markt läuft Gefahr, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt.

Dagegen leiden Smartwatches latent darunter, ihren Platz im Markt noch nicht gefunden zu haben. Von den Herstellern und Anbietern muss dazu noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden. Dem Kunden muss noch viel stärker als bisher der mit dem Tragen einer Smartwatch verbundene Mehrwert vermittelt werden. Nur so kann der Kunde motiviert und die Kaufabsicht weiter gesteigert werden.

Eine der häufigsten Fragen lautet immer noch: „Was kann die Smartwatch, was mein Smartphone nicht auch bereits könnte?“ Die gute Nachricht dabei ist, dass die intelligenten Wearables sich noch in den Kinderschuhen befinden und die Anbieter und Hersteller noch reichlich Potenzial sehen, die anspruchsvollen Produkte weiterzuentwickeln. Das bedeutet aber auch, dass es noch ein weiter Weg sein wird, die einfachen Wearables zu komplexeren und damit immer smarteren Wearables hin zu entwickeln. Umgekehrt betrachtet werden die Übergänge zwischen beiden Kategorien fließender werden und der Mehrwert stellt sich mit der größer werdenden Unabhängigkeit vom Smartphone und neuen sinnvollen Funktionen ganz von alleine ein.

 

Die TOP 5 Hersteller von Wearables (einfache Wearables und Smartwatches), ausgeliefertes Volumen (in Mio.), Marktanteil und Veränderung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in %
Hersteller Q2 2015 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q2 2015 Marktanteil Q2 2016 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q2 2016 Marktanteil Veränderung zum Vorjahr
1. Fitbit 4.4 24.9% 5.7 25.4% 28.7%
2. Xiaomi 3.1 17.2% 3.1 14.0% 2.5%
3. Apple 13.6 20.3% 1.6 7.0% -56.7%
4. Garmin 0.8 4.2% 1.6 6.9% 106.7%
5. Lifesense 0.0 0.0% 1.0 4.6% N/A
Andere 5.9 33.3% 9.5 42.1% 59.3%
Gesamt 17.8
100.0% 22.5
100.0% 26.1%
Quelle: IDC Worldwide Quarterly Wearable Device Tracker, 06. September 2016

 

Sehen wir uns die wichtigsten Hersteller im Detail an:

 

Fitbit
Die Dominanz von Fitbit bei den einfacheren Wearables bleibt unangefochten. Der Name ist jetzt Programm und ein Synonym für Fitness Bänder. Die aktuellen Modelle „Charge 2“ und „Flex 2“ tragen entscheidend zum starken Wachstum bei. Die von Fitbit jüngst vorgenommene Akquistition im Bereich des mobilen Zahlungsverkehrs soll über neue Geschäftsfelder den langfristigen Erfolg absichern.

 

XiaoMi
Die Mi Fitness Bänder des Herstellers XiaoMi erfreuen sich in China nach wie vor größter Beliebtheit. Der Hersteller hat es verstanden, sich in diesem Technologiebereich mit anspruchsvoller Technik und gleichzeitig enorm günstigen Preisen zu positionieren und fokussiert sich damit ganz klar auf den preisbewussten, smarten Verbraucher. Der Preis für das jüngst eingeführte Mi-Band 2 liegt incl. Herzfrequenz-Tracking in China noch unter US$20. Die große Herausforderung für XiaoMi wird jedoch sein, sich international, über die Grenzen Chinas hinaus, zu positionieren.

 

Apple
Apple ist einer der wenigen Anbieter von Wearables, der einen heftigen Rückgang im Absatz für sein Produkt, die Apple Watch, hat hinnehmen müssen. Der Markt hatte längst ein Nachfolgemodell erwartet, aber Apple lieferte nicht und verzögerte die Vorstellung des neuen Modells. Die Kunden quittierten dieses Zögern mit zunehmender Kaufzurückhaltung. Ob sich die Sitaution mit der Apple Watch 2 wieder entspannt, bleibt abzuwarten.

 

Garmin
Garmins zunehmende vertikale Integration und stete Erweiterung seines ConnectIQ App Store haben dazu beigetragen, die Marktpräsenz zwar langsam aber stetig auszubauen und das Interesse bei den Verbrauchern weiter zu steigern. Während sich das Unternehmen mit seinen Produkten zwar weiterhin auf Freizeitsportler und Athleten fokussiert, helfen die neuesten Modelle, wie z.B. die Garmin Fenix Chronos, das Angebot und den Kreis der anspruchsvollen Kunden nach oben zu erweitern.

 

Lifesense
Zum ersten Mal findet sich der Hersteller Lifesense unter den Top 5, was sich im wesentlichen auf den guten Absatz des Low-Cost Fitnesstrackers „Mambo“ in China zurückführen lässt. Darüber hinaus lässt sich das Produkt mit WeChat nutzen, einem in China äußerst beliebten Messaging-Dienst. Auf diese Weise können Daten mit anderen geteilt werden, ohne sich bei einer herstellerspezifischen Anwendung registrieren zu müssen.

 

In der grafischen Darstellung wird der stete und damit bislang auch nachhaltige Aufstieg der Wearables in ihrer Gesamtheit deutlich.

 

wearables_q1_2015-q2_2016

 

Nach der von IDC erstellten Prognose bis 2020 können wir davon ausgehen, dass sich die gegenwärtige Entwicklung forsetzen und das Marktvolumen der Wearables jährlich eine Steigerung von durchschnittlich 23% erfahren wird.

 

Prognose zum weltweiten Handel mit Wearables, aufgeteilt nach Produktkategorien (einfache Wearables und Smartwatches)
Produkt-
Kategorie

2016
Ausgelieferte Einheiten (in Mio.)

2016 Marktanteil

2020
Ausgelieferte Einheiten (in Mio.)

2020 Marktanteil

Durch-schnittlicher jährlicher Zuwachs

Einfache
Wearables

80.7

78.9%

147.8

65.9%

20.2%

Smartwatches

21.5

21.1%

76.6

34.1%

30.6%

Gesamt

102.2

100.0%

224.4

100.0%

23.2%

Quelle: IDC Worldwide Quarterly Wearable Device Tracker, 15. September 2016

 

Dabei erfahren die Smartwatches einen prozentual gesehen deutlich stärkeren Zuwachs. Hier wird gar von einer Verdreifachung des Handelsvolumens ausgegangen, wohingegen die einfachen Wearables, absolut gesehen, zwar weiterhin beachtliche Zuwächse erfahren, ihr Marktanteil aber zugunsten der Smartwatches leicht rückläufig sein wird. So wird sich im Jahr 2020 das vorausberechnete Gesamtvolumen von rund 225 Mio. Einheiten zu einem Drittel auf Smartwatches und zu rund zwei Dritteln auf einfache Wearables aufteilen.

 

wearables-markt_2015-2020

 

In der grafischen Aufbereitung wird der prognostizierte Anstieg deutlich sichtbar. Zusätzlich wurde in dieser Darstellung auch die neue Kategorie der „Sonstigen Wearables“ aufgenommen, worunter z.B. Brillen, Schuhe und sonstige Kleidungsstücke zu verstehen sind, die mit intelligenter Sensorik ausgestattet sind. Auch in diesem Bereich wird mit einer deutlichen Zunahme gerechnet.

Die gesamte Entwicklung, davon kann ausgegangen werden, wird zumindest zu einem Teil das tradionelle Geschäft mit Uhren substituieren, bzw. weiteres Wachstum in diesem Sektor verhindern.

Sehen wir uns Last not Least noch die Entwicklung und Bedeutung der heute anzutreffenden Betriebssysteme bzw. Geräteplattformen bei den Smartwatches an, so ergibt sich folgendes Bild:

 

Top 5 der heute etablierten Plattformen für Smartwatches und die voraussichtliche Entwicklung ihrer Marktanteile
Betriebssystem

2016 Marktanteil

2020 Marktanteil

Durchschnittlicher jährlicher Zuwachs bezogen auf das absolute Volumen

Apple watchOS

52.3%

43.8%

15.5%

Android/Android Wear

22.9%

41.8%

44.4%

Samsung (Tizen)

12.7%

6.9%

9.4%

Real Time Operating System

10.2%

6.2%

35.7%

Andere

1.8%

1.2%

-7.1%

Gesamt

100.0%

100.0%

23.0%

Quelle: IDC Worldwide Quarterly Wearable Device Tracker, 15. September, 2016

 

Apple
Demnach wird Apple über die Apple Watch 2 und Preissenkungen bei der Apple Watch 1 zwar absolut an Volumen zulegen, jedoch Marktanteile an Android/Android Wear abgeben müssen.

 

Google/Android, Android Wear
Google´s Android bzw. Android Wear Plattform wird die mit Abstand höchsten Zuwächse verzeichnen. Die Vielfalt an Herstellern und Entwicklungspartnern ist hier am größten. Dies wird für ein breites Angebot einerseits und eine hohe Entwicklungsgeschwindigkeit andererseits sorgen.

 

Samsung
Auch Samsung wird mit seinem proprietären System TIZEN zwar absolut gesehen an Fahrt aufnehmen. Hinsichtlich der Marktanteile aber ebenfalls verlieren und zusehen müssen, einen weit hinter den Top-Favoriten Apple und Android liegenden dritten Platz verteidigen zu müssen.

 

Real Time Operating System (RTOS)
In ähnlicher Größenordnung bewegen sich nämlich auch die diversen Real Time Operating Systeme (RTOS) wie sie z.B. von Garmin eingesetzt werden und mittlerweile ebenfalls über einen beachtlichen App-Store mit Applikationen von Drittanbietern verfügen.

 

Sonstige
Noch schwieriger wird die Gemengelage für Anbieter wie Pebble, die einen Sonderweg gehen, aber über eine bislang treue Fan-Gemeinde verfügen. Ob eine solche Position langfristig zu halten sein wird, ist derzeit schwer auszumachen.

 

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

Links und Quellenangabe:

 

 

 

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