Spätestens seit Apple die Apple Watch auf den Markt gebracht hat und, gemessen am Umsatz, binnen Jahresfrist, knapp hinter Rolex, zum zweitgrößten Uhrenhersteller aufgestiegen ist, stellt sich die Frage, wie sich das Szenario weiter entwickeln wird.

  • Ist das lediglich eine vorübergehende Entwicklung oder Erscheinung, die sich rasch abkühlt, oder gar wieder verschwindet?
  • Addieren sich die Verkaufszahlen von Apple & Co. im günstigen Fall einfach nahtlos auf die bisherigen Uhrenverkäufe auf?
  • Oder kommt es doch zu Substitutionseffekten?
  • Falls ja, betrifft das dann nur die unteren Preisklassen, oder auch die Premiumanbieter?
  • usw.

Schaut man/frau sich in der Menge um, so trifft man/frau derzeit fast alles an. Da sind jüngere Leute mit der Apple Watch auszumachen, die zuvor gar keine Uhr getragen haben, sondern deren Smartphone, als ständiger Begleiter, die Aufgabe der Zeitanzeige übernommen hat. Mithin Leute, die ohnehin keine klassische Uhr gekauft hätten. Also Entwarnung?

 

Apple Watch

 

Mitnichten! In Flugzeugen sitzen in der Business Class gelegentlich Passagiere mittleren Alters, ebenfalls mit der Apple Watch am Handgelenk, manchmal auch einer Samsung Gear S2, oder neuerdings  TAG Heuer Connected. Diese Klientel hatte zuvor vermutlich schon eine Uhr getragen und dabei wohl nicht unbedingt die preiswerteste.

Bleiben genau diese neuen Kunden und Anwender nun der Smartwatch treu oder legen sie sie nach einiger Zeit wieder ab und kehren reumütig zur mechanischen Uhr zurück? Niemand kann diese Frage derzeit exakt und verbindlich beantworten. Die Hersteller klasssicher Uhren versuchen mit attraktiven Modellen die Kunden zu halten und die Newcomer, Apple, Asus, Huawei, LG, Motorola, Pebble, Samsung, Sony und wie sie alle heißen, hingegen beschreiten ganz andere Wege, um den etablierten Herstellern die Kunden abzujagen. Das Rennen ist also offen.

Eines steht jedoch bereits heute fest: Es gibt so kaum wie niemanden, der bereit ist, das eine Handgelenk mit einer mechanischen Uhr zu schmücken und um das andere eine Smartwatch zu legen. Bestenfalls – und auch nur vielleicht – ein Fitnessband mit stark eingeschränkter Funktionalität, aber eben keine Smartwatch.

Nun gibt es allerlei Aktivitäten und Bemühungen, jene Kunden, die bisher der mechanischen Uhr die Treue geschworen hatten, aber dennoch bereits ein Auge auf die Apple Watch, oder vergleichbare Produkte, geworfen haben, bei Laune und vor allem im Boot zu halten. Ähnlich dem unentschlossenen Käufer eines neuen Automobils, der nicht so recht weiß, soll er künftig rein elektrisch fahren, oder doch lieber beim traditionellen Verbrennungsmotor bleiben. Die Antwort der Automobilindustrie lautet: Hybridantrieb. Also von jedem etwas. Weshalb diesen Gedanken also nicht auch auf die Uhrenbranche übertragen, könnte die Devise lauten.

So hat z.B. Montblanc bereits vor knapp 2 Jahren das sog. e-Strap vorgestellt. Eine Lösung, bei der die mechanische Montblanc mit einem elektronischen Modul kombiniert wird, welches sich auf der Unterseite des Handgelenks befindet, dort wo normalerweise die Schließe anzutreffen wäre.

 

 

Ein Ansatz, der zwar durchaus Sinn macht, jedoch den Nachteil birgt, dass es sich um eine teure Eigenentwicklung handelt, die zudem – gemessen an modernen Smartwatches – nur einen vergleichsweise geringen Funktionsumfang bietet. Und das zu Preisen, die denen einer modernen Smartwatch aus aktuellster Produktion und umfangreicher Softwareangebote entsprechen.

Das zuvor gesagte gilt in ähnlicher Form auch für eine Reihe anderer, noch in Entwicklung befindlicher Lösungen, sei es von ROWI, Cornu oder Wearatec:

 

 

Das Haus SINN Spezialuhren in Frankfurt hat zwar eine ähnliche Idee verfolgt, kommt jedoch zu einer völlig anderen Lösung: Das Duale Band-System.

Die klassische mechanische Uhr mit hoher Lebenserwartung aus dem Hause SINN wird – wie gehabt – oben auf dem Handgelenk getragen und das elektronische Gadget als purer Informationsträger und -übermittler – also reines Mittel zum Zweck – unten am Handgelenk. der Unterschied zu Montblanc besteht nun darin, dass kein hauseigenes Modul mit all seinen Nachteilen und hohen Anforderungen an das Entwicklungsbudget aufgelegt, sondern ganz einfach das Beste vom Besten, was der Markt derzeit zu bieten hat, ausgewählt wurde: die Apple Watch, vorzugsweise in der kompakten 38mm Ausführung.

 

 

Die 38mm Variante der Apple Watch trägt nur unwesentlich mehr auf als das e-Strap Modul von Montblanc und ist diesem hinsichtlich Funktionsumfang, Leistungs- und  Updatefähigkeit aber um Lichtjahre voraus. Ganz zu schweigen von der Qualität des Displays und der Bedienoberfläche.

Der Vorteil der Lösung von SINN ist zudem, dass sich die Smartwatch jederzeit gegen ein neueres Modell austauschen lässt, sobald Apple dazu etwas anbietet, was bekanntermaßen von Zeit zu Zeit der Fall ist. Der mechanische Zeitmesser bleibt dabei – wie bei Montblanc ebenfalls – selbstverständlich der „Alte“.

Der besondere Clou bei der Lösung von SINN ist zudem das sog. Überbrückungsband: Für den abendlichen Besuch im Restaurant oder Kino, darf die Apple-Watch dann auch einmal zuhause bleiben, das Überbrückungsband macht´s möglich. Umgekehrt wird beim Radfahren, Joggen oder Tennis spielen die mechanische Uhr geschont und die Apple-Watch alleine dient als Zeitnehmer und zur Überwachung der Pulsfrequenz.

 

 

Wir hatten bereits die Gelegenheit den SINN „Doppelstöcker“ etwas länger am Handgelenk zu tragen und der Gewöhnungseffekt tritt überraschend schnell ein. Um einer möglichen Verkratzungsgefahr der Apple-Watch zu begegnen, sollte einfach die Ausführung mit Saphirglas genommen werden. Wird das Duale Bandsystem vom Rechtshänder, wie üblich, links getragen, so stört diese Kombination selbst bei der Büroarbeit kaum.

Da SINN sein Produkt auch unabhängig vom Erwerb einer neuen Uhr anbietet, kann so mancher Besitzer und Träger einer Uhr eines anderen Premium-Herstellers ebenfalls davon profitieren und in den Genuss dieser hybriden Lösung kommen.

Dann stellt sich die Frage, trage ich nun das Eine oder das Andere, gar nicht mehr.

 

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Der Autor:

Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

 

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