Die weitere erfolgreiche Entwicklung der Wearables auf dem Weltmarkt war im 1. Quartal 2016 hauptsächlich davon gekennzeichnet, dass zahlreiche neue Geräte vorgestellt und eine Reihe von Preissenkungen als Folge von Rationalisierungen bei den Herstellern bekannt gegeben wurden. Nach Recherchen der International Data Corporation (IDC) erreichte das Gesamtliefervolumen knapp 20 Mio. Einheiten im 1. Quartal 2016, was einer Steigerung von 67,2% gegenüber den 11,8 Millionen Einheiten im 1. Quartal 2015 entspricht.

Das erste Quartal war u.a. geprägt von bedeutenden Fachmessen, auf denen potenzielle Kunden erfolgreich umworben wurden und so die Marktanteile erfolgreich weiter gesteigert werden konnten. Auffallend waren spürbare Preissenkungen in allen Bereichen, ob einfache Fitnesstracker oder komplexe Smartwatch, sogar bei der Apple Watch Sport. Ebenfalls bemerkenswert sind die Anstrengungen, die Wearable-Technologie in weitere Anwendungen wie Kleidung oder in Schuhe zu integrieren.

Im Gegensatz dazu mussten mehrere Start-Ups dem sich verschärfenden Wettbewerb mit Personalabbau begegnen (z.B. Pebble), oder wurden mittlerweile gar übernommen., z.B. BASIS durch Intel, oder MISFIT durch FOSSIL.

„Die gute Nachricht dabei ist, dass der Markt für Wearables zu reifen beginnt und dabei beständig weiter wächst“, führt  Ramon Llamas, Research Manager für das Wearables-Team bei IDC aus. „Die Wearables, die wir heute vorfinden, bewegen sich gegenüber dem, was anfangs angeboten wurde, bereits auf einem sehr viel höheren Niveau. Weniger erfreulich dabei ist jedoch, dass immer mehr Anbieter auf den Markt drängen und sich der Wettbewerb dadurch weiter verschärft, was dem ein oder anderen zum Verhängnis werden könnte.

Es gibt im wesentlichen zwei Bereiche, in denen der Markt stabiles Wachstum zeigt: intelligente Uhren, also Smartwatches und einfache Wearables, also Fitnesstracker, die ohne Applikationen von Drittanbietern auskommen.

„Es gibt derzeit eine klare Zweiteilung und damit verbundenes Wachstum im Markt für Wearables“, sagt Jitesh Ubrani, Senior Research Analyst für IDCs Mobile Device Trackers. „Smartwatches versuchen mit möglichst umfassenden und personalisierbaren Funktionen aufzuwarten, während einfache Wearables, wie beispielsweise Fitness-Bänder oder andere smarte Accessoires wie Kleidung, Schmuck, Brillen oder Ohrhörer in der Regel ganz auf spezielle Anwendungsfälle zugeschnitten werden.“

Jitesh Ubrani ergänzt: „Es wäre kurzsichtig, zu glauben, dass einfache Wearables und intelligente Uhren (Smartwatches) in direktem Wettbewerb zueinander stünden. Aktuell sehen wir beide mit großem Wachstumspotenzial. Wegen der stark unterschiedlichen Funktionsumfänge, bei gleichzeitig erheblichen Unterschieden in Preis und Leistung, besitzt jede dieser beiden Kategorien noch über Jahre hinaus ausreichend Potenzial für weiteres Wachstum.“

Die Top Five der Wearable und Smartwatch Hersteller:

Fitbit

ist auch 2016 der unangefochtene Marktführer auf dem Markt für einfache Wearables. Mit der Einführung der neuen Modelle „Alta“ und „Blaze“ schlägt der Hersteller ein neues Kapitel von mehr mode- und designorientierten Produkten auf und konnte so zusätzliche Millionen verkaufter Einheiten bekannt geben. Der Erfolg der neuen Modelle geht jedoch einher mit einer Reduktion der Stückzahlen bei den bisherigen Modellen „Surge“, „Charge“, „Charge HR“ sowie „Flex“. Fitbit wird mit seinem aktuell gut segmentierten Portfolio und seiner Preisstrategie als starke Marke wahrgenommen und ist entsprechend gut etabliert.

Xiaomi

der Senkrechtstarter aus China verdrängte Apple im 1. Quartal 2016 und nimmt nun den zweiten Platz ein. Das Unternehmen erweitert konsequent seine Linie der preiswerten Fitness Tracker mit Herzfrequenzüberwachung. Dazu gesellte sich auch eine smarte Uhr für Kinder, die Eltern dabei helfen soll, stets zu wissen, wo sich ihre Kinder aufhalten. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass dieser Erfolg sich derzeit allein auf China beschränkt. Der Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzes ist eine nicht zu unterschätzende Hürde, die noch genommen werden muss.

Apple

Wird die Kategorie der Smartwatches für sich alleine betrachtet, ist Apple mit einem Anteil von knapp 50% unangefochtener Marktführer (siehe Tabelle 3)und führt damit die Spitzengruppe mit weitem Abstand an. Laut Apple-Chef Tim Cook hat die Apple-Watch die Erwartungen des Unternehmens bisher denn auch erfüllt. Das verhindert jedoch nicht, dass die Stückzahlen, wie auch der damit verbundene Umsatz, jedoch weit hinter den anderen Produktgruppen iPhone, iPad und Mac liegen. Die Apple-Watch konnte somit keinen nennenswerten Beitrag zum Ausgleich für rückläufige Verkäufe an dieser Stelle liefern. Bis zum Erscheinen der  Apple Watch II wird  Apple das Produkt kontinuierlich weiter entwickeln und verbessern, um es aktuell zu halten.

Garmin

positioniert sich knapp vor Samsung auf Platz 4 und spricht mit seinen Fitness-Armbändern und intelligenten Uhren eine breite Palette von Sportlern an, insbesondere Golfer, Läufer und Radfahrer. Während das Unternehmen nun zwei weitere Fitness-Tracker in Form der Modelle „Vivoactive HR“ sowie „Vivofit 3“ auf den Markt brachte, hat Garmin zusätzlich als erster ein Gerät zur Marktreife gebracht, das an der Brille befestigt wird. Mit seinem Head-Up Display am Auge wendet sich das Modell „Varia Vision-In-Sight“ vornehmlich an Radsportler.

Samsung

liegt auf Rang 5, was dem Erfolg der beiden neuen Smartwatchmodelle Gear S2 und Gear S2 Classic geschuldet ist. Im Ranking der Smartwatches (Tabelle 3) reiht sich Samsung hinter Apple auf Platz 2 ein. Allerdings beträgt der Marktanteil weniger als die Hälfte von Apple. Samsung ist einer der ersten Hersteller, der die volle Mobilfunk-Konnektivität in sein Spitzenmodell integriert hat und damit eine vom Smartphone weitgehend unabhängige Funktionalität bietet. Die Samsung Gear S2 Modelle lassen sich mit allen marktüblichen Android Smartphones, wie auch den Samsung eigenen Phones koppeln und betreiben, nicht jedoch mit Apples iPhone. Ein wesentlicher Nachteil des hauseigenen Betriebssystems Tizen besteht in der weitaus geringeren Zahl an Applikationen, verglichen mit Android Wear oder watchOS.

BBK

schließlich teilt sich mit Samsung den fünften Platz. Dies ist das zweite Mal, dass sich BBK weltweit unter den ersten fünf TOP-Anbietern positionieren kann. Der Hersteller hat sich mit seinen Telefonuhren für Kinder einen Namen gemacht. Das neue Modell Y02 wartet nun mit mit verbesserter Wasserbeständigkeit und Haltbarkeit auf.

Sonstige

Bei den vielen weiteren Herstellern ist in der Kategorie der einfachen Wearables (Tabelle 2) ein insgesamt dynamisches Wachstum zu verzeichnen, wohingegen bei den Smartwatches (Tabelle 3) ein deutlicher Rückgang auzumachen ist. Ein weiteres Indiz dafür, dass an dieser Stelle eine erste Konsolidierung bereits eintritt und proprietäre Betriebssysteme es schwer haben werden, da sie oft nicht ausreichend mit Applikationen von Drittanbietern versorgt werden.

Den nachfolgenden Tabellen können die Daten zu den einzelnen Produktgruppen und Herstellern entnommen werden.

Tabelle 1

Top Five Wearables Hersteller (einfache Wearables und Smartwatches), ausgeliefertes Volumen (in Mio.), Marktanteil und Veränderung zum Vorjahr jeweils in %
Hersteller Q1 2016 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q1 2016 Marktanteil Q1 2015 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q1 2015 Marktanteil Veränderung zum Vorjahr
1. Fitbit 4.8 24.5% 3.8 32.6% 25.4%
2. Xiaomi 3.7 19.0% 2.6 22.4% 41.8%
3. Apple 1.5 7.5% N/A 0.0% N/A
4. Garmin 0.9 4.6% 0.7 6.1% 27.8%
5. Samsung 0.7 3.6% 0.7 5.8% 4.5%
5. BBK 0.7 3.6% N/A 0.0% N/A
Sonstige 7.3 37.2% 3.9 33.1% 87.9%
Total 19.7 100.0% 11.8 100.0% 67.2%
Quelle: IDC Worldwide Quarterly Wearables Tracker, May 16, 2016

 

Tabelle 2

Top Five Hersteller von einfachen Wearables (hauptsächlich Fitnesstracker), ausgeliefertes Volumen (in Mio.), Marktanteil und Veränderung zum Vorjahr jeweils in %
Hersteller Q1 2016 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q1 2016 Marktanteil Q1 2015 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q1 2015 Marktanteil Veränderung zum Vorjahr
1. Fitbit 4.8 29.4% 3.8 38.7% 25.4%
2. Xiaomi 3.7 22.8% 2.6 26.6% 41.8%
3. Garmin 0.8 5.0% 0.6 6.0% 36.5%
4. BBK 0.7 4.3% N/A 0.0% N/A
5. Lifesense 0.7 4.1% N/A 0.0% N/A
Sonstige 5.7 34.5% 2.9 28.7% 98.2%
Total 16.4 100.0% 9.9 100.0% 65.1%
Quelle: IDC Worldwide Quarterly Wearables Tracker, May 16, 2016

 

Tabelle 3

Top Five Hersteller von Smartwatches, ausgeliefertes Volumen (in Mio.), Marktanteil und Veränderung zum Vorjahr jeweils in %
Hersteller Q1 2016 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q1 2016 Marktanteil Q1 2015 Ausgelieferte Einheiten
(Mio.)
Q1 2015 Marktanteil Veränderung zum Vorjahr
1. Apple 1.5 46.0% N/A 0.0% N/A
2. Samsung 0.7 20.9% 0.5 29.8% 40.5%
3. Motorola 0.4 10.9% 0.2 11.0% 98.2%
4. Huawei 0.2 4.7% N/A 0.0% N/A
5. Garmin 0.1 3.0% 0.1 7.2% -17.3%
Sonstige 0.5 14.5% 0.8 52.0% -44.2%
Total 3.2 100.0% 1.6 100.0% 100.2%
Quelle: IDC Worldwide Quarterly Wearables Tracker, May 16, 2016

 

 Anmerkungen zum Inhalt der Tabellen:

  • Die Daten sind vorläufig und Änderungen vorbehalten.
  • Die angegebenen Stückzahlen beziehen sich nur auf die unter dem jeweiligen Herstellernamen ausgelieferten Einheiten. OEM Verkäufe sind nicht berücksichtigt.
  • Die gelisteten Hersteller repräsentieren die jeweilige Muttergesellschaft, einschließlich aller Tochterunternehmen.
  • Die Tabelle 1, welche die TOP Five der Wearable Hersteller auflistet, weist jeweils die Summe aus einfachen Wearables und Smartwatches sowie deren gesamten Marktanteil aus.
  • Die Tabelle 2 welche die TOP Five der Hersteller von einfachen Wearables auflistet weist die ausgelieferten Mengen und den jeweiligen Marktanteil in diesem Segmant aus.
  • Die Tabelle 3 der TOP Five Hersteller von Smartwatches gibt nicht den Marktanteil aller smarten Wearables wieder, da bestimmte Bauformen wie z.B. das neue Headup-Display keine Berücksichtigung finden. Diese Kategorie bezieht sich insofern nur auf Smartwatches.

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

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