Die erste Smartwatch einer Schweizer Luxusuhrenmarke ist nicht nur teuer, sie ist auch begehrt. Vielleicht ist Sie auch begehrt, weil sie teuer ist. Schließlich ist auch die Apple Watch teuer und begehrt. Allerdings trennen die Watch von Apple und jene von TAG Heuer in den Stückzahlen Welten. Dort wo bei Apple von mehreren Millionen gesprochen wird, sollen es bei TAG Heuer jährlich demnächst rund 200.000 werden.

Für einen Hersteller von Luxus-Uhren aber dennoch eine sehr respektable Stückzahl, über die die nicht gerade geringen Entwicklungs- und Marketingkosten rasch wieder eingefahren werden. Dem Management von TAG Heuer, allen voran Jean-Claude Biver, dem Enfant Terrible der Schweizer Uhrenindustrie, sei höchster Respekt gezollt, sich gerade noch rechtzeitig einen prominenten Platz auf den vorderen Rängen der schnell wachsenden Smartwatch-Community zu sichern.

Und daran, dass die Community täglich wächst, bestehen längst keine Zweifel mehr. Zu viele Hersteller – darunter auch sehr prominente Größen aus der IT-Branche – haben sich des Themas bereits angenommen, als dass es hier noch ein Zurück gäbe.

Hier wurde eine ähnliche Entwicklung gestartet, wie seinerzeit mit der digitalen Aufzeichnung von Musik oder auch der Umstellung von der analogen auf die digitale Fotografie. Wer könnte sich heute noch vorstellen, einen Film in seine Kamera einzulegen, um erst Tage oder Wochen später zu sehen – nämlich dann wenn der Film voll war und vom Entwickeln zurück kam – ob der Schnappschuss etwas geworden ist, oder nicht.

Mit den Smartwatches könnte es ähnlich verlaufen. Auch die ersten Digicams waren ja kaum von guter und überzeugender Qualität, und heute……. So auch die Smartwatches. Es ist noch gar nicht lange her, da wurde die erste Pebble aus billigem Plastik noch belächelt. Nur drei Jahre später legt TAG Heuer eine Premium Smartwatch auf den Tisch, die in Sachen Performance schon ganz gut im Wind steht. Und wie gut, wollen wir mit unserem Test klären.

 


Im Bild:
Die Umverpackung der TAG Heuer Connected

 

Die Freude beginnt bereits beim Auspacken.

 


Im Bild:
Die stylische Innenverpackung der TAG Heuer Connected

 

Anders als die meisten Wettbewerber, die in irgendwelchen billigen Schachteln daher kommen, zeigt die Aufmachung der TAG Heuer Connected, dass es sich hierbei um eine Uhr und nicht um einen Minicomputer mit Lederarmband am Handgelenk handelt, erstanden beim Electronic-Discounter.

 


Im Bild:
Jetzt wird die TAG Heuer Connected sichtbar

 

Eine hochentwickelte Digitalkamera von Nikon oder Leica ist eben auch eine Kamera und kein Minicomputer, der Bilder macht, auch wenn in der TAG Heuer, ebenso wie in der Leica, ein Microprozessor seinen Dienst verrichtet. Auch ein Tesla ist, gleichwohl elektrisch angetrieben, immer noch ein Auto.

Also werden wir im folgenden hier von einer Uhr sprechen, auch wenn sich die ein oder anderen Kollegen der schreibenden Zunft damit nach wie vor schwer tun.

 


Im Bild:
Die TAG Heuer Connected nach dem Auspacken

 

Nach dem Auspacken und dem ersten Anfühlen kommt sogleich dieses Gefühl einer richtigen Uhr auf. TAG Heuer zeigt dem ganzen Wettbewerb, wo der Hammer hängt. Da kann auch Apple nicht mithalten. Die TAG Heuer Connected besteht auch hochwertigem Titan, ist mit einem kratzfesten Saphirglas bestückt und das perfekt gestylte, anschmiegsame und atmungsaktive Kautschukband beweist, dass hier echte (Uhren-) Profis am Werk waren.

 


Im Bild:
Das mitgelieferte Zubehör zum Laden des Akkus

 

Was liefert TAG Heuer sonst noch mit? Neben der Uhr sind noch ein Dongle zum Aufladen, ein USB-Ladekabel, ein Netzteil und ein kleines Etui für das Zubehör dabei.

Was nicht ganz ins Bild einer rundum hochwertigen Uhr passt, ist der vergleichsweise scharfkantige Verschluss. Die gute Idee dabei ist die stufenlose Verstellbarkeit der Bandlänge, ohne dass etwas abgeschnitten werden muss, was bei anderen Konstruktionen leider häufig der Fall ist.

 


Im Bild:
Die leider viel zu scharfkantige Lasche des Klemmbügels zum Verstellen der Bandlänge

 

Aber eben dieses Klemmelement könnte ergonomischer ausgeführt und mit besser verrundeten Kanten versehen werden. Hier sollte TAG Heuer alsbald nachbessern.

Die Uhr kommt mit 46 mm Gehäusedurchmesser und einer Höhe von 12 mm auf den ersten Blick recht wuchtig daher, ist aber – ob der gewählten Materialien – erstaunlich leicht und trägt sich am Handgelenk ausgesprochen angenehm.

 


Im Bild:
Die TAG Heuer Connected schmiegt sich dem Arm sehr gut an

 

Der vergleichsweise große Gehäusedurchmesser erlaubt zudem ein 1,5 Zoll großes und damit gut ablesbares Display, mit einer Auflösung von 360 x 360 Pixel. Dies entspricht 240 ppi. In der TAG Heuer Connected arbeitet ein Atom Z34XX Prozessor aus dem Hause INTEL. Dieser hat zwei Kerne und eine maximale Taktfrequenz von 1,6 GHz. Der Arbeitsspeicher ist 1 GB groß und als Festspeicher stehen insgesamt 4 GB zur Verfügung.

 

 


Im Bild:
Intel möchte beim Hochstarten offenbar erwähnt werden

 

Kompatibilität:

Die TAG Heuer Connected arbeitet mit Android Wear in der aktuellen Version als Betriebssystem und lässt sich mit Android Smartphones ab Vers. 4.3 sowie Apple iPhones ab iOS 8.2 koppeln. Die Funktionalität mit dem iPhone wurde mit dem letzten Softwareupdate zwar deutlich verbessert, jedoch sind noch immer Einschränkungen im Vergleich zu Android zu beklagen. In Verbindung mit Android Smartphones sind hingegen alle wichtigen Funktionen ohne Einschränkung auf der Uhr verfügbar.

 

Inbetriebnahme und Akkulaufzeit:

Also versorgen wir die Uhr erst einmal mit Strom und laden den Akku auf, dabei wird das Betriebssystem bereits automatisch gestartet.

 


Im Bild:
Beim Starten wir unverkennbar angezeigt, welches Produkt man hier in Händen hält

 

Nach erfolgreicher Installation der für die Koppelung benötigten Android Wear App auf dem Smartphone kann der Pairing-Vorgang via Bluetooth LE gestartet werden. Das funktioniert alles selbsterklärend und völlig störungsfrei. Das ist nicht bei allen Wettbewerbern so einfach und problemlos. Also volle Punktzahl für die TAG Heuer Connected in dieser Disziplin.

 


Im Bild:
Startbildschirm auf der TAG Heuer Connected

 

Allerdings dauert das Initialisieren und Hochfahren des Systems etliche Minuten. Daran zeigt sich einmal mehr, dass sich die Android Wear Programmierer bei Google wohl kaum um ein möglichst schlankes Betriebssystem bemüht haben. Das kostet Rechenleistung und damit auch Energie. Und die ist in einer smarten Uhr bekanntlich kostbar. Auch der Akku der TAG Heuer stößt hier leider rasch an seine Grenzen.

Bleibt das Display im Stand-by Modus eingeschaltet, kommt man bei normaler Nutzung gerade mal einen Tag lang aus. Gelegentlich erinnert die TAG Heuer schon gegen 20.00 Uhr ans Aufladen. Dann sind zwar noch 30% Restkapazität vorhanden, aber für Nachtschwärmer wird es kurz nach Mitternacht dann wirklich eng. Dann also vorher nochmals kurz an die Steckdose. Bereits nach gut einer Stunde sind wieder 100% erreicht. Das ist ein sehr guter Wert.

 


Im Bild:
Android Wear App auf dem Smartphone

 

Die sonstige Bedienung über Android Wear verläuft wie gewohnt und bereits von anderen Smartwatches (hier verwenden wir bewusst wieder diesen Begriff) bekannt. Will der Anwender Einfluss darauf nehmen, was Google standardmäßig an Funktionen alles vorhält, so ist das vergleichsweise mühsam. Z.B. sind alle auf dem Smartphone installierten Apps per Default erst einmal aktiviert, Mitteilungen bzw. Meldungen an die TAG Heuer zu senden. Das kann ganz schön nervig werden. Ist dies unerwünscht, was in der Regel der Fall ist, so müssen alle unerwünschten Apps einzeln deaktiviert werden. Hier sollten die Hersteller auf Google einwirken, schleunigst nachzubessern.

 

Funktionalität und Bedienkonzept:

Einmal eingerichtet funktioniert alles jedoch – des schnellen Prozessors und üppigen Speichers sei Dank – flüssig und reibungslos. Auch die Erwärmung hält sich in Grenzen. Das berührungsempfindliche Display reagiert sehr gut auf Wischbewegungen. Fehlbedienungen kommen so gut wie nicht vor. Das ist Spitzenklasse.

Nicht gerade vorbildlich – jedoch wieder ein Android Wear spezifisches Thema – ist hingegen das langwierige Scrollen und Suchen einzelner Applikationen durch die lange Liste der übertragenen Apps. Hier markiert die neue Samsung Gear S2 mit ihrem einzigartigen Bedienkonzept, einer Kombination aus Touchscreen, Drehlünette und Bedienknöpfe, den aktuellen Benchmark.

 


Im Bild:
Zum Vergleich die zierlichere Samsung Gear S2 mit Drehlünette und zwei Pushern zum schnellen und übersichtlichen Navigieren durch die Menüs und Apps

 

Da kann selbst die Apple Watch nicht mehr ganz mithalten. Die Drehlünette von Samsung hilft mit einem simplen Dreh beim schnellen Navigieren durch Menüs und Scrollen von Anzeigen und Mitteilungen. So, und nicht anders, muss das sein. Zwei zusätzliche Pusher für die Zurück- und Home-Funktion perfektionieren bei der Gear 2 das Ganze zusätzlich. Leider ohne Krone, damit fällt das Design als Uhr durch. In Sachen Bedienkonzept zieht Android Wear jedoch eindeutig den Kürzeren.

Sehr wohl macht Google wieder Boden gut, wenn es um die Verfügbarkeit unterschiedlichster Applikationen geht. Da kann jeder seine TAG Heuer fast nach Belieben mit allerlei Zusatzfunktionen und Aufgaben ausstaffieren. In diesem Punkt bietet sonst nur noch die Apple Watch Vergleichbares. Android Wear überträgt bzw. synchronisiert jedoch alle Wear fähigen Apps auf die Uhr, was nicht unbedingt im Sinne des Nutzers ist; die Uhr sollte ja nicht zwingend zum Abbild des Smartphones werden, und wenn, dann sollte bitte der Nutzer und nicht Google darüber bestimmen können.

Ungewöhnlich für einen Uhrenhersteller ist die Spezifikation der Wasserdichtigkeit nach IP67. Das kommt eigentlich aus der Elektrotechnik und der normale Nutzer der Uhr weiß mit dieser Angabe reichlich wenig anzufangen. Letztlich bedeutet es, dass die Uhr für 30 min in max. 1 m Wassertiefe verweilen darf, zum Schwimmen also definitiv nicht geeignet. TAG Heuer spricht in der Bedienungsanleitung statt von einer wasserdichten, denn auch nur von einer wassergeschützten Uhr. Für eine betont sportlich gestaltete Uhr mit wasserfestem Kautschukarmband eigentlich schade.

 


Im Bild:
Gehäuseboden aus Kunststoff mit vergoldeten Kontakten zum Laden des Akkus

 

Gut funktioniert der Schrittzähler. Artefakte halten sich in Grenzen, so dass wirklich nur dann gezählt wird, wenn auch Schritte zurückgelegt werden. Hervorzuheben ist, dass neben Google Fit auch die App „Up“ von Jawbone installiert werden kann und die gezählten Schritte dann von dieser übernommen und ausgewertet werden. Ist zusätzlich ein Fitnessband von Jawbone vorhanden, so kann wechselseitig mit diesem oder eben der TAG Heuer Connected die Zählung der Schritte erfolgen. Ausgewertet wird über das gleiche Tool.

Schade, dass weder Pulsmesser noch GPS-Sensor verbaut wurden. Das schränkt die Nutzung als Outdoor Uhr unnötig ein und zwingt dazu – will jemand seine Fitness möglichst umfassend protokollieren – sich einen zusätzlichen Fitnesstracker oder eine spezielle Outdoor Smartwatch zuzulegen.

 

Connectivity:

Die Bluetooth-Verbindung arbeitet stabil und verbindet sich im Falle eines Abriss der Verbindung zum Smartphone rasch wieder, sobald die Geräte in Reichweite zueinander kommen. Die Reichweite ist dabei durchschnittlich; zwar besser als bei der Moto360, aber schlechter als bei der Pebble Time. Ein lästiges und dabei völlig unnötiges Android Wear Problem ist jedoch, dass bei erfolgtem Unpairing die Uhr für erneutes Pairing auf Werkszustand zurückgesetzt werden muss. Das können andere, ob Apple, Pebble oder Samsung mit ihren hauseigenen Betriebssystemen deutlich besser. Da funktioniert das Re-Pairing auch ohne umständlichen Reset und damit kompletten und zeitaufwendigen Neubeginn. Hier sollte TAG Heuer als Premium-Anwender und Kunde auf Google massiv einwirken, diesen Bug schnellstmöglich zu beheben.

Die TAG Heuer ist neben Bluetooth auch mit einem WLAN-Modul ausgestattet. Damit kann, sollte die Bluetooth-Reichweite nicht ausreichend sein, über das lokale Netzwerk mit dem Smartphone kommuniziert werden. Allerdings erhöht sich der Stromverbrauch dabei deutlich, sodass sich die ohnehin nicht gerade üppige Betriebsdauer mit einer Akkuladung weiter reduziert.

Ein eSIM-Chip (Embedded SIM) fehlt, so dass zur externen Kommunikation immer das per Bluetooth oder WLAN gekoppelte Smartphone erforderlich ist. Auch hier sollte der Wettbewerb im Auge behalten werden.

 

Display:

Kommen wir zurück zum Display. Das in transreflektiver LTPS LCD Technologie ausgeführte Display wartet mit einer Auflösung von 360 x 360 bei 240ppi auf. Das ist zwar nicht gerade Spitzenklasse, aber ausreichend. Die Helligkeit lässt sich in insgesamt 5 Stufen variieren. Stufe 3 war ausreichend, eine automatische Anpassung der Helligkeit an die Umgebung erfolgt jedoch nicht. Die Anzeige dunkelt nach wenigen Sekunden ab, die Zeitanzeige bleibt aufgrund der gewählten Technologie jedoch weiterhin einfarbig und mit reduziertem Kontrast sichtbar; ein klarer Vorteil gegenüber der Apple-Watch, die komplett abdunkelt.

Das Display ist transreflektiv, d.h. es bleibt selbst bei hellem Umgebungslicht und sogar grellem Sonnenlicht sehr gut ablesbar; der Farbeindruck geht dann zwar weitgehend verloren, damit lässt sich aber insgesamt gut leben. Und das ist eines der Highlights der TAG Heuer. Die meisten Wettbewerber können in dieser Disziplin nicht annähernd mithalten, da deren Ablesbarkeit selbst bei voll ausgesteuerter Helligkeit und direkter Sonneneinstrahlung nicht wirklich gut ist. Hier scheiden sich wirklich die Geister. Wirklich gut schlagen sich in dieser Disziplin neben der TAG Heuer allein die Apple Watch und die SONY Smartwatch 3. Die Pebble Time lässt sich zwar bei greller Sonne bestens ablesen, dafür hapert es dann aber gewaltig bei schlechten Lichtverhältnissen.

 


Im Bild:
TAG Heuer Connected mit perfekter Ablesbarkeit auch im abgedunkelten Sparmodus bei grellem Sonnenlicht

 

TAG Heuer hat hier zweifellos den derzeit bestmöglichen Kompromiss mit einem insgesamt sehr alltagstauglichen Ergebnis gefunden. Das führt letztlich auch dazu, dass die Connected nicht nur auf den ersten Blick als Uhr durch geht und sich über ihr Display nicht gleich als Smartwatch zu erkennen gibt.

 


Im Bild:
TAG Heuer Connected mit aktivem, d.h. aufgehelltem Display in grellem Sonnenlicht, bei bester Ablesbarkeit

 

Die von TAG Heuer mitgelieferten Watchfaces sind im typische Stil des Hauses gehalten und lassen die Connected weit mehr als Uhr, denn als Smartwatch erscheinen. Das ist sehr gut gelungen.

Selbstverständlich – Android Wear sei Dank – kann, je nach Bedarf, zusätzlich eine Vielzahl anderer Watchfaces mit deutlich mehr Informationsgehalt auf dem Display eingespielt werden. Der Anwender macht dann aber wieder mehr eine Smartwatch aus der schönen Uhr. Aber das ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks oder der jeweiligen Anwendungssituation.

Leider funktioniert die automatische Aufhellung des Displays beim Drehen des Handgelenks zum Betrachter nicht immer zuverlässig. Gelegentlich musste mit einem kurzen Druck auf die Krone nachgeholfen werden; das ist unschön. Bei anderen Wettbewerbern, wie Moto360, Apple oder Samsung funktioniert das besser. Eine kleine Korrektur im Algorithmus und ein damit verbundenes Softwareupdate könnten schnell und unkompliziert für Abhilfe sorgen.

 

Stellen wir die Vor- und Nachteile gegenüber:

Pro´s

  • Hochwertige Verpackung
  • Schickes und sehr leichtes Gehäuse aus Titan mit kratzfestem Saphirglas
  • Atmungsaktives, sehr hautfreundliches Kautschukband
  • Ansprechendes, sportliches Design, passt gut zur DNA von TAG Heuer
  • Sehr gute Verarbeitung
  • Problemlose Inbetriebnahme
  • Hohe Funktionssicherheit
  • Auch bei Sonnenlicht hervorragend ablesbares, transreflektives Display
  • Detailreiche, TAG Heuer typische Watchfaces
  • Ausgereifte Touchfunktion und kurze Reaktionszeiten
  • Schneller Prozessor, großer Speicher
  • Kurze Ladezeiten für den Akku
  • Der Nutzer erlebt die TAG Heuer Connected als Uhr und weniger als Smartwatch

Cont´s

  • Scharfkantige Schließe
  • Laufzeit des Akkus nicht befriedigend (< 24 Std.)
  • Kein Heart-Rate und kein GPS-Sensor
  • Gehäuseboden aus Kunststoff
  • Kein induktives Laden, wie Apple oder Samsung
  • Bedienoberfläche mit den von Android Wear her bekannten Einschränkungen und Mängeln
  • Aufhellung des Displays beim Neigen der Uhr zum Betrachter funktioniert nicht zuverlässig
  • Vibrationsalarm ist etwas schwach, sollte in drei Stufen verstellbar sein.
  • Für Damen zu groß
  • Nicht wasserdicht, für eine Sportuhr nicht akzeptabel
  • Immer noch eingeschränkte Funktionalität von Android Wear i.V. mit iPhones

 

Fassen wir zusammen:

Die TAG Heuer Connected ist die derzeit zwar teuerste, aus unserer Sicht zweifellos aber auch die mit Abstand begehrenswerteste intelligente Uhr, mit dem Image eines Schweizer Premium-Herstellers. Die TAG Heuer Connected ist, ob ihrer hochwertigen Verarbeitung und des TAG Heuer spezifischen Designs, eigentlich keine Smartwatch, sondern kann als vollwertige Uhr bezeichnet werden. Hier trifft hoher Tragekomfort auf stilsicheres und markantes Design, gepaart mit hoher Funktionalität. Dort wo sich Motorola, Samsung, Huawei, Sony, Pebble, etc, im Bereich des austauschbaren, beliebigen Designs bewegen, hat die TAG Heuer, ähnlich der Apple Watch, einen hohen Wiedererkennungswert und verkörpert damit einen hohen Imagefaktor. Dass das Display auch im Sparmodus und selbst bei Sonnenlicht sehr gut ablesbar bleibt, unterstreicht zusätzlich den eindeutigen Charakter und das Erscheinungsbild einer hochwertigen, multifunktionalen Uhr.

Aber auch die TAG Heuer Connected und allen voran das Betriebssystem Android Wear haben noch Luft nach oben. Unser Benchmark in Sachen Bedienoberfläche, mit einer gekonnten und perfekt abgestimmten Mischung aus Touch, Gesten und haptischen Bedienelemente, ist die neue Samsung Gear S2. Insbesondere die Drehlünette ist einfach und genial. Da sollte Google vielleicht nochmals über den Gartenzaun sehen und in sich gehen. Vielleicht kann TAG Heuer hierbei auch etwas nachhelfen. Auch muss Android Wear in der Zusammenarbeit mit dem iPhone noch dazulernen; in diesem Punkt gibt es noch immer ein spürbares funktionales Defizit gegenüber der Apple Watch. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass im umgekehrten Fall die Apple-Watch zu Android überhaupt keine Kompatibilität aufweist. Also hat die TAG Heuer in diesem Punkt dennoch die Nase vorne.

Was wünschen wir uns sonst noch? Für eine zweite Generation sollte TAG Heuer bitte unbedingt einen Heart-Rate-Sensor vorsehen, sowie das etwas globige Lade-Dongle gegen eine induktiv und damit kontaktlos arbeitende Ladeschale nach internationalem Qi-Standard tauschen. Die Integration eines eSIM-Chips würde zudem die völlige Unabhängigkeit vom Smartphone ermöglichen. Ein Thema ist auch die Wasserdichtigkeit: 5 oder besser noch 10bar, wie bei einer klassischen Sportuhr, dürften es schon sein.

Last but not Least könnte TAG Heuer, ob des nicht gerade geringen Einstandspreises für die Connected, eine Vorreiterrolle dahingehend einnehmen, die Hardware für ein Nachfolgemodell mit identischem Formfaktor entwickeln und somit ein kostengünstiges Hardwareupdate im vorhandenen Gehäuse ermöglichen. Bei mechanischen Uhren ist es Gang und Gäbe, in ein und demselben Gehäuse selbst Uhrwerke verschiedener Hersteller einzuschalen.

TAG Heuer bietet zwar vor Ablauf der Garantiezeit die Möglichkeit, die Connected gegen Zuzahlung in eine langlebige mechanische TAG Heuer Carrera zu tauschen, das ist aber unseres Erachtens keine Alternative. Denn hat man sich erst einmal an die Connected mit all ihrer funktionalen Vielfalt gewöhnt, möchte man auch künftig Connected bleiben. Sonst wäre das so, als würden Sie ihr Navigationsgerät wieder gegen einen Autoatlas eintauschen. Und wer möchte das schon?

Uns ist es in jedem Fall nicht leicht gefallen, die TAG Heuer Connected, nach Ablauf des knapp 2-wöchigen Tests, wieder vom Handgelenk zu nehmen. Sie ist zweifellos eine der besten derzeit am Markt befindlichen Smartwatches; Pardon: intelligenten Uhren – und dazu noch von einer Schweizer Premium-Marke. Die Begeisterung bei den Kunden drückt sich u.a. dadurch aus, dass die TAG Heuer Connected auf dem Second Hand Markt aktuell deutlich über dem nicht gerade niedrigen Neupreis gehandelt wird. Dieses Phänomen kennt der Uhrenliebhaber sonst eigentlich nur noch von der Rolex Daytona. Das ist schon eine klare Ansage.

 

Bewertung X von 5 möglichen Punkten

Design und Tragekomfort 5
Verarbeitung und Wertigkeit 4,5
Inbetriebnahme 5
Connectivity und Kompatibilität 3,5
Funktionalität und Bedienoberfläche 3,5
Fitnessfunktionen und Wasserdichtigkeit 2,5
Display und Anzeigen 5
Akkulaufzeit 3
Imagefaktor und Emotionaler Aspekt 5
Preis-/Leistung 3
Ergebnis 4,0 von 5 möglichen Punkten

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

LINKS:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.