Die Uhrenmanufaktur De Bethune ist unter den Schweizer Uhrenherstellern einer der herausragenden Leuchttürme. Weitab vom Mainstream und genauso weitab von konzernhaften Strukturen und deren stetem Streben nach Gewinnmaximierung werden bei der im Schweizer Jura befindlichen Manufaktur von außergewöhnlichen Menschen mindestens ebenso außergewöhnliche Zeitmesser geschaffen.

 

 

De Bethune wurde im Jahre 2002 in La Chaux L`Auberson – unweit der französischen Grenze – von Denis Flageollet, Meisteruhrmacher in 4. Generation, sowie dem ursprünglich aus Italien stammenden David Zanetta gegründet.

 

 

Zanetta und Flageollet haben vor Gründung der Firma De Bethune für viele große Marken im Auftrag gearbeitet und dabei schon immer außergewöhnliche Kreationen und ungewöhnliche technische Lösungen auf den Weg gebracht.

 

 

Wir haben De Bethune während des langen jurassischen Winters besucht. Wie schon in alten Geschichtsbüchern zu lesen ist, haben sich die Bewohner während der langen Wintermonate über Jahrhunderte hinweg mit der Präzisionsuhrmacherei befasst. Die Ruhe und Abgeschiedenheit inspirieren die dort lebenden Menschen zu erstaunlichen Leistungen und höchst kreativen Ergebnissen und Lösungen, wie es sie weltweit wohl nur in dieser einzigartigen Gegend gibt.

 

 

Das Navigationsgerät führt uns zielgerichtet direkt vor die Haustüre von De Bethune. In dem unscheinbaren Haus aus dem Jahre 1875 treffen wir die kreativen Köpfe von De Bethune.

 

 

Allen voran Denis Flageollet, Technischer Direktor und Ideenmotor von De Bethune, der die Meisterwerke maßgeblich mitgestaltet.

 

 

Er hat sich in dem alten Haus ein eigenes Atelier eingerichtet, in dem er nicht nur in virtueller Umgebung mit Computerunterstützung an neuen Ideen arbeitet, sondern sich auch nach alter Väter Sitte, mit Blick in die Ruhe ausstrahlende Landschaft, neuartige Konstruktionen ausdenken, anfertigen und erproben kann.
Eine Etage höher befindet sich ein weiteres Atelier, in dem an neuen Technologien und Konzepten geforscht und experimentiert wird.

 

 

So auch an einer Vielzahl von innovativen Hemmungssystemen. Dort wo die meisten Hersteller hochwertiger Uhren zukaufen, geht De Bethune völlig eigene Wege. Eine solche Vielfalt unterschiedlicher Systeme – aus unterschiedlichsten Werkstoffen gefertigt – ist uns so noch nicht begegnet.

 

 

Die neueste Entwicklung befasst sich mit einem Resonanzsystem, welches mit weitaus höheren Oszillationsfrequenzen arbeitet als dies mit den heute bekannten und üblichen Technologien einer Unruh mit Spiralfeder möglich ist. Die meisten Hemmungssysteme erreichen bei 36.000 Schwingungen je Stunde – entsprechend 5 Hz – ihre physikalischen Grenzen.

 

 

De Bethune arbeitet als Open Source Projekt an einem Schwingsystem auf Basis der Magnetresonanz, genannt De Bethune Resonique. Mittels Prototypen wurden von De Bethune bereits Schwingungssysteme aufgebaut, welche Frequenzen von 200 bis 1000 Hz erfolgreich demonstrieren konnten. De Bethune möchte mit dieser Vorgehensweise auch andere Hersteller einladen und ermutigen, an dem Projekt mitzuarbeiten und es bis zur Serienreife zu entwickeln.

 

 

Damit könnten mit einer mechanischen Uhr Ganggenauigkeiten erreicht werden, die jenen einer Quartzuhr mindestens ebenbürtig sind.

Nach dem Blick in die Zukunft erhalten wir Gelegenheit in einem weiteren Atelier im Erdgeschoss die Fabrikation, oder sagen wir besser die handwerklich perfekte Herstellung, von Tisch- und Instrumentenuhren verfolgen zu können.

 

 

Dort werden zumeist Unikate nach Kundenwunsch angefertigt. Der aktuell vorliegende Auftrag lautet, eine Instrumentenuhr zu entwerfen und zu liefern, die dem harten Betrieb in einem Helikopter Stand hält.

 

 

Dass dort neben traditioneller Uhrmacherei auch moderne CNC-Maschinen zur Verfügung stehen, zeigt, dass De Bethune keine Kompromisse eingeht und sich traditionelles Handwerk und moderne Technik sich nicht ausschließen, sondern perfekt ergänzen.

 

 

 

Das Ergebnis dieses Aufwandes sind phantastische Uhren, die nicht nur im Helikopter funktionieren, sondern auch jeden repräsentativen Schreibtisch aufwerten und gut zu Gesicht stehen.

 

 

Nachdem wir die Möglichkeit hatten, tiefe Einblicke in die Entwicklung und Ideenschmiede sowie das Atelier für Tischuhren zu nehmen, wechseln wir den Ort des Geschehens und begeben uns zu der rund 2 km entfernt liegenden modernen Einzelteilfertigung und Manufaktur für Armbanduhren.

 

 

In dem modernen Zweckbau sind alle Technologien unter einem Dach vereinigt, die erforderlich sind, um eine Fertigungstiefe zu erreichen, die sehr nahe bei 100% liegt.

 

 

In der Einzelteilfertigung sind modernste Mehrachsen CNC-Fräser genauso anzutreffen, wie Langdrehautomaten. Alles Produkte namhafter Hersteller von Präzisionsmaschinen.

 


Im Bild: Eine Auswahl an Einzelteilen, die aus verschiedenen Werkstoffen gefertigt werden.

 


Im Bild: Eine Auswahl an Platinen für die unterschiedlichen Kaliber, die ebenfalls aus verschiedenen Werkstoffen gefertigt werden.

 

Die Materialien, die zur Bearbeitung anstehen, umfassen die gesamte Palette der Buntmetalle, Stähle unterschiedlicher Güte, sowie Leicht- und natürlich auch Edelmetalle.

 


Im Bild: Bruchstücke eines Meteoriten

 

Aber selbst vor Werkstoffen, die aus dem Weltall stammen und in Form von Meteoriten gelegentlich auf die Erde niedergehen, macht De Bethune nicht Halt und verarbeitet sie beispielsweise zu Gehäusen. Aufgrund deren außerordentlicher Härte und Gefügezusammenstzung sind dazu ganz besondere Bearbeitungsschritte und -methoden vonnöten.

 


Im Bild: Hochmoderne, prozessgesteuerte Galvanikanlage

 

In der hauseigenen, hochmodernen Galvanik können eine Vielzahl von Oberflächenqualitäten auf Einzelteile aufgebracht werden. Dies gibt De Bethune die Flexibilität und Freiheit, selbst bei kleinsten Stückzahlen, unabhängig von Zulieferungen und allen damit verbundenen Einschränkungen, Kundenwünsche oder auch besondere Vorgaben der Designer und Konstrukteure zu erfüllen.

 

 

Der Herstellung der Einzelteile folgt die Weiterverarbeitung und Veredelung in verschiedenen Bearbeitungsschritten. Vom Sandstrahlen über das Polieren bis hin zum Bläuen, selbst von Titan, lotet Be Bethune dabei auch immer wieder die Grenzen des physikalisch machbaren aus.

 

 

Hier wird gerade ein im eigenen Hause gefertigtes Gehäuse poliert. Selbst die Kronen für die Gehäuse kauft De Bethune nicht zu, sondern stellt sie selbst her.

 

 

Ein Leichtmetall von ganz eigener Physik und Mechanik ist Titan. Dieser extrem leichte und zähe Werkstoff ist nicht nur schwierig zu bearbeiten, die Veredelung der Oberfläche ist dann ein weitere Wissenschaft für sich. Nicht nur, dass die Spezialisten bei De Bethune in der Lage sind, Titan auf Hochglanz zu polieren, nein, sie schaffen es auch, das Material – ähnlich, wie es bei Stahl möglich ist – zu Bläuen, ohne zwar ohne, dass sich die physikalischen Eigenschaften wesentlich verändern. Der Werkstoff erhält, werden die richtigen Parameter eingehalten, sodann eine einzigartige, himmelblaue Farbe.

 


Im Bild: Uhrwerksteile aus thermisch gebläutem Titan

 

Aber nicht nur die Materialbearbeitung ist ein Thema, dem De Bethune sehr verbunden ist. In gleichem Maße gilt dies auch für die Qualität. Überall wird geprüft und gemessen, um die strengen Vorgaben aufs Genaueste einzuhalten.

 

 

Funktionale Qualität ist das Eine, optische Qualität das Andere. Jedes Einzelteil wird bei De Bethune aufwendig per Hand veredelt. Es werden Zierschliffe aufgebracht und, wie im Bild zu sehen, von routinierten und sehr erfahrenem Personal die Kanten bearbeitet. Das sogenannte Anglieren erfordert viel Geschick und eine extrem ruhige Hand.

 

 

 

Ebenfalls viel Erfahrung und Geschick erfordert das Bläuen der im Hause hergestellten Zeiger. Bei Erreichen der gewünschten Färbung muss das Teil augenblicklich von der Flamme genommen werden. Dies gilt es nun wiederholgenau mit allen Zeigern zu bewerkstelligen, damit hinterher alle Zeiger einer Uhr im gleichen Farbton erscheinen. Kein einfaches Unterfangen!

Damit aber nicht genug! Ein weiteres Highlight stellt die Anzeige der Mondphase in Uhren von De Bethune dar. Ein künstlicher Mond dreht sich um die eigene Achse und zeigt dabei je nach Stand des Mondes mehr oder weniger seine erleuchtete oder abgedunkelte Seite.

 

 

Dazu verbindet De Bethune zwei kleine, äußerst präzise gefertigte und auf Hochglanz polierte Halbkugeln in einem patentierten Verfahren.

 

 

Die eine Halbkugel besteht aus Platin, die andere aus Stahl. Wird das Ensemble dann der Hitze einer Flamme ausgesetzt, so läuft der Stahl blau an, Platin behält seinen unveränderten Glanz. So erstrahlt der künstliche Mond auf der dunklen Seite in tiefem Blau, auf seiner hellen Seite weiterhin in glänzendem platingrau. Durch die Materialtrennung ergibt sich eine messerscharfe Linie zwischen den beiden Halbkugeln.

 

 

Spezialistentum und präzises Arbeiten auf höchstem Niveau ist aber auch gefragt, wenn die im eigenen Hause hergestellte Unruh ausgewuchtet wird. Die Unruh soll einerseits möglichst leicht, andererseits aber ein hohes Trägheitsmoment besitzen. Ein Widerspruch, dem De Bethune mit einem Materialmix begegnet. Die aus federleichtem Titan bestehende Unruh wird außen mit 4 kleinen Gewichten aus Weißgold bestückt.

 


Im Bild: Unruh zum Auswuchten auf der Unruhwaage

 

Aber auch die Montage der komplexen Gehäuse mit beweglichen Anstößen ist ein Thema für sich. Ungemein angenehm im Tragekomfort, erfordert die Fertigung und Montage der Einzelteile Toleranzen im Nullbereich. Schließlich soll das Ensemble am Ende weder fühlbares Spiel haben, noch schwergängig sein.

 

 

Die Werkemontage schließlich ist das Allerheiligste des Uhrenbaus. Hier entscheidet sich dann, ob alles nach Plan funktioniert und die Einzelteile perfekt zusammenarbeiten.

 

 

Hier wird gerade der Käfig eines Tourbillons für das Kaliber DB2509 vormontiert, um ihn anschließend in das hochkomplexe, aus nicht weniger als 499 Einzelteilen bestehende Uhrwerk einzusetzen und es zum Leben zu erwecken. Das aufwendige Kaliber ist mit einem Ewigen Kalender ausgestattet und besitzt die De Bethune typische Anzeige der Mondphase, mit einer Abweichung von lediglich einem Tag in 122 Jahren.

 

 

Das aus Titan gefertigte Tourbillon schwingt mit 5 Hz, oder anders ausgedrückt, mit 36.000 Schwingungen pro Stunde, was einmal mehr die hohe Kompetenz von De Bethune unterstreicht. Das ist bei Tourbillons sonst nicht zu finden.

Nach dem Einsetzen des fertig montierten Uhrwerks in das Gehäuse erfolgt nochmals eine akribisch genaue Kontrolle, ob sich nicht doch ein winziges Staubkorn irgendwo hat absetzen können

 

 

Ein beeindruckendes Stück präzisester Mikromechanik, die klassische De Bethune DB16  liegt vor uns und wir betrachten sie mit großer Ehrfurcht.

 

 

Auf eine weitere Besonderheit bei Uhren und Uhrwerken aus dem Hause De Bethune gilt es hinzuweisen. Nicht nur, dass, wie bereits zuvor beschrieben, die komplette Hemmungsbaugruppe im Hause gefertigt wird, sondern auch bei der Stosssicherung der empfindlichen Unruh werden eigene Wege beschritten. Hier kommen weder Systeme von Incabloc oder KIF zum Einsatz.

 

 

Nein, De Bethune verwendet die auffällig lange, schlank ausgeführte und elastisch aufgehängte Unruhbrücke als Stossdämpfer.

 

 

Nach der erfolgreich absolvierten Endmontage erfolgt an anderer Stelle die finale Endkontrolle. Hier werden nochmals alle funktionalen und optischen Parameter überprüft.

 

 

Die Uhrenmanufaktur verfügt derzeit über nicht weniger als 25 verschiedene Kaliber, mit zum Teil ganz außergewöhnlichen technischen Daten und Eigenschaften und zumeist vielfältigen Komplikationen und nicht alltäglichen, zum Teil extrem anspruchsvollen technischen Lösungen.

Sehen wir uns einige weitere Modelle aus der aktuellen Kollektion von De Bethune näher an.

 


Im Bild: De Bethune DB28

 


Im Bild: De Bethune DB28, gut erkennbar die lange und als Stosssicherung fungierende Unruhbrücke

 

Die Vielfalt an Uhren unterschiedlichster Form und Funktion bei De Bethune ist groß, wobei stets die extravagante technische Lösung sowie die Material- und Oberflächenbearbeitung das Maß der Dinge sind.

 


Im Bild: De Bethune DB28ST, schnellschwingendes Tourbillon mit 5 Hz und springender Sekunde

 

Extravagant auch die Art und Weise, wie De Bethune Materialoberflächen vergütet und ihnen besonderen Glanz und Farbe verleiht.

 

 

Ein technischer Leckerbissen, der auch eine hohe Auszeichnung auf dem Grand Prix d’Horlogerie de Genève (GPHG) erhielt, ist der DB 29 Maxichrono Tourbillon mit Monopusher und insgesamt 5 auf einer Achse montierter und übereinander liegender Zeiger.

 

 

De Bethune kann aber nicht nur Handaufzug, sondern auch auch Automatik, wie hier am Beispiel der DB25 mit dem Kaliber DB2024

 


Im Bild: De Bethune DB25, mit Tourbillon, automatischen Aufzug und 6 Tagen Gangreserve

 

In Sachen Materialbearbeitung macht De Bethune so schnell niemand etwas vor. Uhrwerksbrücken aus Titan zu fertigen ist eine Sache, diese dann aber auch noch spiegelblank auf Hochglanz zu polieren ist mehr als nur eine Erwähnung wert. Hier kommt abermals große Ehrfurcht vor dem handwerklichen Können auf.

 

 

Abschließend sehen wir uns noch die Dream Watch DW5 an.

 

 

Eine Uhr, wie aus einem Science Fiction Film. Ungewöhnlicher und markanter geht kaum. Im auf Hochglanz polierten Gehäuse aus Titan tickt ein aus 355 Einzelteilen bestehendes Kaliber der ganz besonderen Art. Das Kaliber DM2144 zeigt Stunden und Minuten digital an, wobei die Stundenanzeige springend ist. Die ebenfalls im Zentrum angeordnete De Bethune typische sphärische Anzeige der Mondphase weicht in 1.112 Jahren lediglich um einen Tag ab.

 


Im Bild:
De Bethune Dream Watch DW5 mit Gehäuse aus gebläutem Meteorit. Links daneben der Rohling.

 

Für Individualisten, denen die außergwöhnliche Geometrie noch nicht genug Exklusivität vermittelt, fertigt De Bethune in handverlesener Stückzahl auch Gehäuse aus extrem hartem Meteoriten an und bläut diese dann auch noch. Extremer geht es wohl kaum noch.

 

 

Nach diesen einzigartigen Eindrücken, die wir aus einer einzigartigen Uhrenmanufaktur in die verschneite Winterlandschaft mit hinaus nehmen, begeben wir uns zurück ins Hotel, lassen die eindrucksvollen Stunden Revue passieren und sprechen am Abend bei einem guten Glas Wein noch lange über diese außergewöhnliche Uhrenmanufaktur.

 

 

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

 

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