Bereits auf der INHORGENTA 2015 wurde dem Themenbereich „Wearable“ und „Connected Watches“ erstmals eine größere Aufmerksamkeit zuteil. Nachdem die Absatzzahlen dieser noch vergleichsweise jungen Produktkategorie rasant ansteigen, baute die INHORGENTA das Thema in 2016 weiter aus und widmete im Rahmen des neu eingerichteten „Watch Innovation Forum“ dieser Thematik einen breiteren Rahmen.

 

 

Neben einer ganzen Reihe von bekannten Marken und Ausstellern, die ihre verschiedenen Produkte auf einem Gemeinschaftsstand den Besuchern präsentierten, waren auch Newcomer und Start-Ups mit dabei.

 

 

Zudem wurden einige inhaltlich hochwertige Vorträge zum Thema angeboten und, wie die Zahl der Zuhörer zeigte, auch überwiegend interessiert aufgenommen.

 

 

Ein völlig neuer Ansatz auf der diesjährigen INHORGENTA war die Präsenz eines Logistikdienstleisters, der sich der Vermarktung dieser neuen Produkte zuwendet und damit auch Herstellern, die üblicherweise aus der IT-Branche bekannt sind, eine Vertriebsplattform und so den Zugang zum Uhrenfachhandel bieten möchte.

Aber der Reihe nach:

Wie zahlreichen Quellen und Studien entnommen werden kann, ist in den nächsten Jahren mit einem weiteren, überproportionalen Anstieg von Wearables zu rechnen. Dabei ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil der Käuferschicht, die heute eine klassische Uhr am Handgelenk trägt, diese gegen ein Wearable tauschen möchte und auch wird.

Insofern ist davon auszugehen, dass es Kunden geben wird, die

a) auch in Zukunft ausschließlich eine konventionelle Uhr tragen werden

b) zusätzlich zur konventionellen Uhr am anderen Handgelenk ein Wearable – meist in Form eines einfachen Fitnesstrackers – tragen werden

c) die konventionelle Uhr gegen ein Wearable – und in diesem Fall gegen eine Connected oder Smart Watch – austauschen werden.

Einen weiteren wichtigen Aspekt gilt es in diesem Kontext zu betrachten:

a) Hersteller konventioneller Uhren bieten vermehrt Connected oder Smart Watches an. Beispiele hierfür sind Hersteller wie Fossil, Frederique Constant, Casio oder TAG Heuer.

b) Eine Unzahl anderer, bislang nicht im Uhrensegment tätiger Hersteller – zumeist die großen IT-Konzerne – bringen Smart Watches auf den Markt. Beispiele hierfür sind: Apple, Samsung, Huawei, LG, Sony, um nur einige zu nennen.

c) Zudem mischen zahlreiche kleine, extrem schnelle und bewegliche Start-Ups den Markt auf. Beispiele hierfür sind: Fitbit, Pebble, BASIS, Cogito, Nevo……

d) und last but not least gibt es bekannte Hersteller aus den Bereichen Fitness und Navigation, die den Markt ebenfalls für sich entdeckt haben. Beispiele dazu sind: Garmin, Polar, u.a.

 

 

Wie also unschwer zu erkennen ist, rollt da eine gewaltige Lawine los, bzw. ist bereits am Rollen und es herrscht schon heute eine große Vielfalt. Die Verwirrung und Unsicherheit für Handel und Verbraucher nimmt damit weiter zu.

Wer heute bereit ist, ein Budget von rund 400 EUR in eine neue Uhr zu investieren, findet eine Unzahl an Angeboten im klassischen Bereich, dazu gesellt sich bereits eine große Vielfalt von Angeboten an Wearables und intelligenten Uhren mit vielen Zusatzfunktionen, bis hin zu komplexen Smartwatches, wie z.B. der Apple Watch.

In 2015 wurden allein rund 8 Mio. Apple Watches an den Mann oder die Frau gebracht. Ein Volumen, das zu einem erheblichen Anteil den Kauf einer konventionellen Uhr bereits substituiert hat; Tendenz weiter steigend. Der Konkurrent Samsung holt nun zur Gegenoffensive aus und hat mit der brandneuen Samsung Gear 2 eine Smartwatch lanciert, die keinen Vergleich zu scheuen braucht und auf gleicher Augenhöhe wie Apple spielt.

 

 

 

Gemäß einer Studie der in Zürich beheimateten Smartwatch Group ist davon auszugehen, dass der gesamte Uhrenmarkt bis zum Jahr 2020 nurmehr ein moderates Wachstum erfährt. Viele Menschen unter uns tragen keine Uhr mehr, da sie mittels Smartphone und allgegenwärtigen Anzeigen der Uhrzeit auf Displays, die uns heute überall begegnen, keine Notwendigkeit mehr dazu sehen. Die verbleibende Klientel wird dennoch das Geschäft mit moderatem Wachstum stützen, so die Prognose. Allerdings – und jetzt kommt der Haken – zu Lasten der konventionellen Uhren und zugunsten der neuen Technologien, zumindest im unteren Preisbereich.

Das beschwört nichts Gutes für all diejenigen herauf – seien es Hersteller, wie Fachhändler – die glauben, alles bliebe so wie bisher und es werde schon nicht so schlimm kommen. In diesem Fall machen die Geschäfte dann eben andere. Die Amazons, Media- und Saturn Märkte, die Samsungs und Huaweis dieser Welt.

 

 

Und genau dieses Spannungsfeld hat die INHORGENTA 2016 professionell aufgespannt, so dass jeder für sich eine mehr oder weniger klare Standortbestimmung vornehmen kann; ob Hersteller, Fachhändler oder Kunde.

 

 

Zu den Herstellern, die sich dem Wandel von der traditionelle Uhr hin zum Wearable aktuell stellen, zählt z.B. FOSSIL. FOSSIL, stark getragen von modischen Trends, hat entschieden, ein breites Spektrum an Wearables aufzulegen, welches vom reinen Fitnesstracker, über die Connected Watch (also eine Uhr mit Zusatzfunktion) bis hin zur reinrassigen Smartwatch auf Grundlage von Google´s Android Wear reicht.

 

 

Damit zeigt FOSSIl auch all jenen Anbietern, wie Huawei oder LG die Stirn, die ebenfalls mit Android Wear als Betriebssystem arbeiten und mit ihren Produkten ans Handgelenk möchten. Der große Vorteil, den FOSSIL für sich reklamiert, ist die Präsenz im Fachhhandel, der jetzt eben auch mit den neuen Produkten konsequent genutzt und bestückt werden wird.

 

 

Der Fachhandel wird sich auf diesen Um- und Aufbruch ins digitale Zeitalter einstellen müssen, ob er will oder nicht. Ähnlich wie das die Fotofachgeschäfte tun mussten, als die analoge von der digitalen Fotografie abgelöst wurde. Der Kunde wird nach den neuen Produkten verlangen, soviel ist sicher.

 

 

Einer der Pioniere auf diesem Gebiet, die Firma CASIO, hat mit seiner Connected Watch, EDIFICE EQP-500, bereits vor knapp zwei Jahren die Steilvorlage hierfür geliefert. Die Erfahrungen sind nach Informationen von CASIO jedoch zweigeteilt.

 

 

Das Produkt als solches ist uneingeschränkt erfolgreich und zählt zu den meistverkauften Uhren in Deutschland überhaupt, trotz oder gerade wegen der Connectivity und eines sehr interessanten Preises. Der Fachhandel hingegen stellt sich der neuen Herausforderung und Technologie mancherorts nur zögerlich. Manche POS (Point of Sales) verstehen das Produkt hervorragend zu vermarkten, andere kommen nicht in die Gänge. Hier wird es wohl zwangsläufig zu Bereinigungseffekten kommen (müssen).

Angespornt und motiviert durch die insgesamt positive Entwicklung der EQB-500 leitet CASIO nun die nächste Stufe der Evolution ein. Eine technologisch extrem anspruchsvolle Outdoor Smartwatch.

 

 

Die CASIO bedient sich, wie viele andere Wettbewerber auch, des Betriebssystems Android Wear, mit all seinen Vor- und Nachteilen, hat jedoch eine eigenständige Lösung verwirklicht, indem über zusätzliche Sensorik, wie z.B. einem Druck- und GPS-Sensor Höhen- und Wegeprofile aufgezeichnet werden können, ohne dass hierfür ein Smartphone erforderlich wäre.

 

 

Des weiteren ist die Smartwatch trotz Mikrofon bis 50 m wasserdicht, lässt sich also auch im und am Wasser bedenkenlos einsetzen.

 

 

Interessant gelöst wurde auch die leidige Frage nach dem Display und damit nach der Gebrauchsdauer zwischen zwei Ladevorgängen. Bei vielen Android Wear Modellen muss das Display bei Nichtgebrauch dunkel geschaltet werden, damit der Akku wenigstens einen Tag durchhält. Nicht so bei der CASIO. Diese wechselt, dank eines Zweischichtaufbaus des Displays bei Nichtgebrauch vom Farb- in einen energiesparenden Monochrom-Modus. Damit bleibt die Uhrzeit immer und jederzeit ablesbar. Wird die neue CASIO nur im Stromsparmodus betrieben und werden zusätzlich alle Datenübetragungskanäle abgeschaltet, so soll der Akku rund 4 Wochen durchhalten.

 

 

Ebenfalls ein Pionier auf dem Gebiet der Smartwatches ist die Firma Fréderique Constant, die vor rund einem Jahr die Horological Smartwatch unter eigenem Namen sowie dem der Schwesterfirma „ALPINA“ vorgestellt hat. Mit dieser sehr hochwertig und dabei traditionell aussehenden Uhr kann der Käufer jedoch seine Fitness überwachen und die Uhrzeit ist stets mit dem Smartphone verknüpft. D.h. beim Wechsel der Zeitzone oder Umstellung von Sommer- auf Winterzeit synchronisiert sich die Uhr augenblicklich auf die neue vom Smartphone vorgegebene Zeit.

 

 

Fréderique Constant berichtet bei der Frage nach der Position des Fachhandels von ähnlichen Erfahrungen wie zuvor bereits CASIO. Auch hier zeigt sich, wer die Herausforderungen der Zukunft bereits verstanden hat und wer sich noch schwer damit tut.

Neben den bekannten Marken, die z.T. bereits erste Erfahrungen vorweisen können, war auch ein Newcomer aus Berlin vertreten.

 

 

Die Firma Northern-Connected Tec mit den beiden neuen Labels „NÉVO“ und „blinkked“ hat als typisches Start-Up ein innovatives Konzept einer hybriden Smartwatch, ähnlich der Q-Grant von FOSSIL, entwickelt und in München vorgestellt.

 

 

Ein konventionelles Quartzwerk zur Anzeige der Zeit wird „Huckepack“ mit einem Elektronikmodul versehen, welches eine Reihe von Zusatzfunktionen, wie Aktivitätstracking und Notifications umfasst und mit dem Smartphone per Bluetooth LE kommuniziert.

 

 

Die beiden vorgestellten Modelle NÉVO und blinkked sehen nicht nur schick aus, sondern bieten dem Kunden auch echten Mehrwert, ohne mehr zu kosten. Bei 149 EURO Verkaufspreis geht’s los. Eine klare Ansage an den nicht Connectiven Wettbewerb.

Dabei kommt noch ein weiterer Aspekt zum tragen. Die Mutterfirma Northern-Connected Tec hat großes Interesse daran, auch andere Uhrenhersteller mit ihrer neuen Hard- und Software Plattform auszustatten, um möglichst eine Standardisierung in diesem sehr dynamischen Umfeld zu erreichen.

 

 

Wenn jeder anfangen würde, seine eigene Software und entsprechende Applikationen zu entwickeln, dann würde das, nach Ansicht des CEO von Northern Connected Tec, bei vielen kleineren Anbietern über Kurz oder Lang zu einem betriebswirtschaftlichen Abenteuer führen. Strategische Allianzen bilden, lautet hier die Formel, die aus der Sackgasse führen soll.

Um dem Fachhandel den Ein- oder Umstieg einerseits zu erleichtern und andererseits den ganz Großen, aber auch ganz Kleinen im Bunde eine Tür in diese Richtung zu öffnen, tritt nun ein großer Logistik-Dienstleister auf den Plan, der sich in diesem Segment bislang mit allerlei anderen intelligenten Produkten schon seit Jahren erfolgreich bewegt.

 

 

Die Firma KOMSA aus Hartmannsdorf, nordwestlich von Chemnitz, ist einer der großen Player im Bereich der Telekommunikation und vertritt so namhafte Firmen wie Samsung, Huawei, aber auch Garmin, Pebble oder Withings. Und genau diese Hersteller kommen nun mit Smartwatches auf den Markt.

 

 

KOMSA versteht sich dabei als der klassische Großhändler, der die Verbindung zwischen den Mega-Playern einerseits und dem Facheinzelhandel andererseits herstellt. KOMSA besitzt die komplette Infrastruktur, um die rasche Belieferung auch kleiner Losgrößen, im Reklamationsfall aber auch den kompletten Service bewerkstelligen zu können. KOMSA versteht den Umgang mit Samsung & Co. ebenso, wie mit Start-Ups, die ab sofort ebenfalls mit vertreten sein werden.

 

 

Ein weiterer Star der Manege in Sachen Smart Technology, die Firma Pebble aus dem Silicon Valley, hat in KOMSA ebenfalls einen starken Partner gefunden, der die Distribution übernimmt. Neben dem bislang überwiegend Online oder über die Elektronik-Märkte abgewickelten Umsatz, soll künftig nun auch der Fachhandel mit dem innovativen Produkt beliefert werden können.

 

 

Die Welt wird mit der zunehmenden Verbreitung der neuen Technologien wieder ein Stück bunter. Die sich bietenden Chancen sollten dabei die vorhandenen Risiken überspielen. Die INHORGENTA 2016 hat dazu zweifellos wichtige Impulse geliefert.

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

LINKS:

 

It's only fair to share...Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on Google+

3 thoughts on “INHORGENTA 2016: Welche Trends manifestieren sich bei Smarten Uhren und Wearables?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.