Pebble, das kalifornische Startup aus Palo Alto, hat mit seiner ersten Smartwatch, der Pebble Classic, vor gut zwei Jahren bereits für Furore gesorgt. Zum einen, weil das vollständig aus Kunststoff gefertigte Teil – aus der Sicht von Ästheten – potthässlich aussieht und damit gut war für jegliche Form der Diskussion, zum anderen, dass Pebble einen völlig anderen Weg beschritt als alle Mitbewerber, die sich an dem Thema Smartwatch versuchen oder versuchten.

Nun, gut zwei Jahre später, sieht die Welt wieder ein Stück anders aus. Pebble war zwar der Vorreiter in Sachen Smartwatch, ist jetzt aber nur noch einer unter ganz vielen anderen.

Oder, ist Pebble doch ein Anbieter der besonderen Art geblieben, der sich klar abgrenzt und sich von all den anderen dadurch unterscheidet, etwas zu bieten, was die anderen nicht haben oder nicht können?

Genau dies scheint der Fall zu sein. Allein zu sehen, mit welch atemberaubender Geschwindigkeit dieses nur mit etwas mehr als 100 Mitarbeitern bestückte Unternehmen, innerhalb kürzester Zeit, eine Smartwatch nach der anderen auf die Beine stellt, ist geradezu phänomenal.

Aber der Reihe nach:

Der Pebble Classic von 2013 folgte bereits kurze Zeit darauf die Pebble Steel. Die beiden teilen sich die Hard- und Softwareplattform, nur war die Steel-Variante deutlich hochwertiger gefertigt als ihr einfaches Pendant aus Kunststoff. Die wesentlichen Merkmale, die eine Pebble bereits damals auszeichnete, die Akkulaufzeit über mehrere Tage, das permanent anzeigende Display und die Bedienung über 4 Tasten, statt eines Touchscreens, wurden konsequent beibehalten und weiterentwickelt.

 


Im Bild: Pebble Classic und Pebble Steel von 2013/14

 

Das gilt auch für das proprietäre, aber offene Betriebsystem, auf dem eine freie Community, mittels von Pebble zur Verfügung gestellter SDK´s (Software Development Kits), Applications entwickeln und aufsetzen kann. Mit großem Erfolg, wie sich zeigt; tausende von Apps sind aktuell abrufbar.

Da tut sich selbst Android Wear dz. (noch) schwer. Bei Apple ist das natürlich anders, aber das wäre ja auch nicht anders zu erwarten gewesen.

Kaum brach das Jahr 2015 an, startete Pebble eine über die Plattform Kickstarter finanzierte Crowdfunding Campagne für ein komplett neues Modell, die Pebble Time. Für das neue Modell setzte Pebble auf eine komplett neue Hardware und entwickelte auch die Software weiter, ohne aber die Kompatibilität mit den Vorgängermodellen aus dem Auge zu verlieren. Ein genialer Schachzug, wie sich noch herausstellen sollte. Spätestens in dieser Disziplin scheitert Android kläglich. Android kennt nur den Blick nach vorne. Rückwärtskompatibilität: Weitgehend Fehlanzeige.

Ganz anders bei Pebble. Für die Puristen unter den Smartwatch-Nutzern sind auch die „alten“ Modelle zu Einsteigerpreisen (ab 99 EURO) nach wie vor im Handel und bis auf ganz wenige funktionale Einschränkungen voll softwarekompatibel. Bei Apple bleibt noch abzuwarten, welche Politik dort verfolgt wird, wenn in 2016 die Apple Watch II erscheint.

 


Im Bild:
Die aktuelle Pebble Time im Kunstoffgehäuse, als idealer Begleiter beim Sport

 

Die Pebble Time sah ansatzweise schon ein wenig stylischer aus als die Vorgängermodelle. Nun sollte der Pebble Time noch die Pebble Time Steel folgen und diese Smartwatch kommt nun schon ein ganzes Stück edler daher. Das Gehäuse aus mattiertem oder wahlweise vergoldeten Edelstahl ist hochwertig verarbeitet. Am Handgelenk wirkt die Pebble Time Steel deutlich unauffälliger als alle anderen zuvor. Und die Pebble Time Steel ist ausgereift und funktional. Das Betriebssystem hat einen hohen Grad der Reife erlangt und mittels der vielen verfügbaren Apps sind der persönlichen Konfiguration kaum Grenzen gesetzt.

 


Im Bild:
Die Pebble Time Steel, im deutlich edleren Outfit

 

Nur wirklich elegant oder stylisch ist auch die Pebble Time Steel noch nicht; sie sieht eben immer noch mehr nach Minicomputer, denn als Uhr aus.

Das ändert sich aber schlagartig mit der Ankündigung und dem überraschend schnellen Erscheinen der Pebble Time Round. Die Pebble Time Round ist per Definition zwar immer noch ein Minicomputer am Handgelenk, das Design ist aber erstmals so treffsicher gelungen, dass die optische Erscheinung tatsächlich viel mehr einer Uhr, denn einer Smartwatch entspricht. Mit einem Durchmesser von ganzen 38,5 mm und einer Bauhöhe von lediglich 7,6 mm ist die Pebble Time Round nicht nur die mit Abstand flachste und kleinste Smartwatch auf dem Markt, sie tritt damit in unmittelbare Konkurrenz mit klassischen Uhren, die es in der Regel auch nicht besser können.

 


Im Bild:
Die brandneue Pebble Time Round in verschiedenen Designs und Watchfaces

 

Da muten die neuen Smartwatches von TAG Heuer, Huawei oder Motorola wegen ihrer schieren Größe, von bis 46 mm Durchmesser, geradezu wie Monster an. Wer es lieber elegant und trotzdem smart möchte, sollte mal einen ernsthaften Blick auf die neue Pebble Time Round werfen.

 


Im Bild:
Die Pebble Time Round für den Herren

 

Legt man/frau die brandneue, als Unisex-Modell konzipierte Pebble Time Round ans Handgelenk, so kommt sogleich echtes Uhrenfeeling auf. Die neue Pebble trägt sich denn auch wie eine echte Uhr und schlüpft leicht und elegant unter die Ärmel von Hemd und Sakko oder Bluse und Blazer, wenn die Dame des Hauses das Modell trägt.

 


Im Bild:
Die Pebble Time Round für die Dame

 

Wird dann noch eines der neuen, dem runden Display angepassten Watchfaces geladen, so sieht die Smartwatch nicht nur auf den ersten Blick nach Uhr aus.

 


Im Bild:
Die elegante und extrem flache Pebble Time Round für die Dame; Gehäusehöhe: ganze 7,6mm

 

Die Inbetriebnahme der Pebble Time Round verlief, wie erwartet, völlig problemlos. Ist auf dem Smartphone bereits die Pebble Time App installiert und wurden ggfs. bereits mit Vorgängermodellen Einstellungen vorgenommen, so wird die neue Pebble völlig selbsterklärend in die Liste der mit dem Smartphone verbundenen Pebble´s aufgenommen. Die Ankoppelung ans Smartphone via Bluetooth funktioniert fast wie von selbst. Sogleich erfolgt ein Softwareupdate und alle gespeicherten Einstellungen und Konfigurationen werden auf die Pebble Time Round übernommen.

 


Im Bild:
Die Pebble Time Round mit vielen smarten Funktionen und bereits tausenden von Apps

 

Die Smartwatch ist damit nach nur wenigen Minuten einsatzfähig. Ist eine andere Pebble Time oder Pebble Time Steel vorhanden, so kann problemlos zwischen den Modellen ausgewählt werden und alles wird sofort übernommen. Die Pebble Time z.B. für den Sport oder zum Schwimmen (sie ist ohne Wenn und Aber bis 30m wasserdicht) und die elegantere Pebble Time Round z.B. für untertags im Büro. Ein Klick auf dem Smartphone und schon wird alles auf das jeweils andere Modell übertragen. Davon können sich andere eine Scheibe abschneiden.

Also ziemlich perfekt das Ganze, oder gibt es bei all dem Licht auch Schatten? Ja, aber eigentlich nur Kleinigkeiten, die jedoch Verbesserungspotenzial bieten.

Als Folge des erstmals runden Displays sind (noch) nicht alle Apps der Vorgängerversionen nutzbar. Daran sollte Pebble und die Software-Community noch arbeiten, da sonst in Ermangelung völliger Kompatibilität einiges an guter und hilfreicher Funktionalität verloren ginge.

Der extrem kompakten Form geschuldet ist eine deutlich kürzere Akkulaufzeit von nurmehr zwei Tagen, dafür geht das Aufladen blitzschnell. Und last not least, lässt der eher schwache Kontrast des Displays noch Raum für Verbesserungen. Bereits bei der Pebble Time war zu bemängeln, dass das Farbdisplay weniger kontrastreich arbeitet als die monochromen Displays der Vorgängermodelle. Die Hintergrundbeleuchtung muss deshalb, öfter als einem lieb sein mag, aktiviert werden, was nicht nur lästig ist, sondern auch die – für eine Pebble – nicht allzu lange Akkulaufzeit weiter reduziert. Bei gutem Umgebungslicht oder Sonnenlicht ist die Ablesbarkeit hingegen ohne Fehl und Tadel.

 


Im Bild:
Die Pebble Time Round in sportlichem Schwarz

 

Ohne Zweifel ist Pebble ein großer Schritt nach vorne gelungen und es wurde der Beweis erbracht, dass Smartwatch und Eleganz sich nicht zwingend ausschließen. Die ganz normale Quartzuhr, ohne jegliche Zusatzfunktion, wird somit in nicht allzu ferner Zukunft ein ernsthaftes Problem bekommen.

Die Pebble Time Round wird im ersten Quartal 2016 auch in Europa über den Handel erhältlich sein. Der Preis wird 299 EUR betragen. Online lässt sich die elegante Smartwatch jedoch bereits jetzt bestellen.

 

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