Am 4. April 2013 wurde die Uhren-Werke-Dresden GmbH & Co. KG gegründet.
Sächsisches Uhren-Know-How lassen dort unweit von Glashütte, edle Kaliber, handgemachte Uhrenteile bis hin zu kompletten Zeitmessern entstehen. Damit wird die Unternehmensgruppe der weltweit wachsenden Nachfrage nach Uhrenteilen und Werken gerecht.

Inzwischen ist es fast ein Jahr her, das die UWD (Uhren-Werke-Dresden) ihre Produktion aufnahm.
Wir hatten letztes Jahr – am 15.08.2014 – die Möglichkeit, noch vor der offiziellen Eröffnung, die neu gegründete UWD (Uhren-Werke-Dresden), in Ihrem kurz vor der Fertigstellung stehenden Produktions- und Verwaltungsgebäude, in der Ullersdorfer Mühle bei Dresden zu besuchen.

 

 

Die Fahrt führt uns vom Stadtzentrum Dresden zunächst in Richtung Radeberg, wo das berühmte und erstklassige Radeberger Pils gebraut wird.

Auf halbem Wege dorthin, direkt am Rande der Dresdner Heide, befindet sich, gegenüber einem Waldstück, die Ullersdorfer Mühle, auch Todenmühle genannt. Der Name geht zurück auf einen alten Brauch, bei dem die Dorfbewohner jedes Jahr eine Strohpuppe verbrannten und damit symbolisch den Winter vertrieben.

 

 

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde lange Jahre gastronomisch genutzt, bevor es dann ungenutzt leer stand und erst 2013 mit dem Erwerb durch die UWD wieder neue Zeiten anbrachen. Dabei kann der Kontrast kaum größer sein: historische, perfekt renovierte Architektur verschmilzt mit hochmoderner Technik. Gästezimmer wurden zu Uhrmacherateliers umgestaltet, der ehemalige Tanzsaal zum Domizil eines modernen 7-Achsen CNC-Mehrachsen-Bearbeitungszentrums. Der ehemalige Kronleuchter blieb, trotz aller Umbauarbeiten, erhalten und ziehrt, an der Decke hängend, ehrwürdig die hochmoderne Maschine.

In diesem ruhigen zugleich aber auch stimulierenden Umfeld arbeiten derzeit 16 Fachkräfte im Bereich CNC-Fertigung, Montage, Finish und Verwaltung.

Nachdem wir vor rund einem Jahr den eben gerade erst erworbenen Bau in einem noch stark renovierungsbedürftigen Zustand besichtigen konnten, waren wir natürlich sehr gespannt, was uns jetzt erwartet.

 

 

Schon beim ersten Betreten der vor kurzem in Betrieb genommenen Betriebsstätte wird klar, dass hier eine Geschäftsleitung die Geschicke des noch im Aufbau befindlichen Unternehmens leitet, die sehr genau weiß, wo es lang gehen soll. Marco Lang, der Geschäftsführer und Kopf der Uhren-Werke-Dresden sowie Ev Kudoke, zuständig für Vertrieb und Marketing, die Frau des vielseitig begabten und mittlerweile international bekannten Uhrenskeleteurs Stefan Kudoke, hießen uns herzlich willkommen und beantworteten alle Fragen, die sich eben stellen, wenn ein neu gegründetes Unternehmen sich auf den Weg macht, seine Position im Wettbewerbsumfeld zu beziehen und nachhaltig auszubauen.

 


Bild: Marco Lang, Geschäftsführer der Uhren-Werke-Dresden (UWD)

 

Dazu sind eine ganze Reihe betriebswirtschaftlicher und vertriebspolitischer Fragestellungen zu klären, soll das ganze Vorhaben von anhaltenden Erfolg begleitet sein.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die Gründung der TEMPUS ARTE GmbH & Co. KG, unter deren Dach sich die Uhren-Werke-Dresden, sowie die beiden Uhrenmanufakturen Leinfelder, München und Lang & Heyne, Dresden wiederfinden. Unter dem gleichnamigen Logo “Tempus Arte” wurde in Dresden nun auch die erste Boutique eröffnet, die nicht nur Uhren und Schmuck von Leinfelder sowie Lang & Heyne im Programm hat, sondern auch Produkte von einer ganzen Reihe weiterer exklusiver Kleinserienhersteller. Dazu gehören Anbieter wie Sinn, Frankfurt oder Zeitwinkel aus St. Imier in der Schweiz genauso, wie Lehmann Schramberg oder Kudoke aus Dresden.

Was aber ist nun die Rolle, die den Uhrenwerken Dresden in diesem Kontext zukommt? Im Sinne der Diversifizierung und der Erkenntnis, dass es auf dem deutschen Uhrenmarkt neben den beherrschenden Herstellern aus der Schweiz keinen deutschen Produzenten von Uhrwerken und Uhrwerksteilen gibt, der – von Ausnahmen einmal abgesehen – in nennenswerten Umfang auch Drittkunden beliefert, möchte UWD genau diese Lücke schließen.

Als Zulieferbetrieb möchte die UWD dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit des hochwertigen deutschen Uhrenbaus weiter zu stärken.
Mit ihren hochmodernen Maschinen und Anlagen kann hier fast alles rund um die Uhr hergestellt werden – von der Entwicklung und Produktion einzelner Uhrwerksteile über komplett montierte Uhrwerke bis hin zu Gehäusen und verkaufsfertigen Uhren.
Die Fertigung geringer Stückzahlen gehört ebenso dazu wie die Konzeption und Umsetzung individueller Projekte.

Die Nachfrage ist bereits jetzt, wenige Wochen nach dem Start, unerwartet groß. Marco Lang berichtet, dass er schon Aufträge abweisen musste, da die vorhandenen Maschinenkapazitäten nicht ausreichen, alle Wünsche bereits in der Hochlaufphase zu erfüllen. Und das verwundert nicht. UWD verfügt über einen hochmodernen Maschinenpark, der seinesgleichen sucht. Das Feinste ist gerade gut genug und so können Teile in einer Präzision gefertigt werden, von der andere vielleicht träumen. Was liegt dann näher, als solche Teile bei der UWD anzufragen und produzieren zu lassen.

Sehen wir uns den Maschinenpark für die Fertigung der Einzelteile etwas genauer an.

UWD hat sich vom Start weg hochprofessionell aufgestellt und fast durchweg Schweizer Werkzeugmaschinen und Bearbeitungszentren der allerhöchsten Qualitätsstufe ins Haus geholt. Dazu gehören:

 

Ein Almac S700 CNC-Bearbeitungszentrum,

 

ausgerüstet mit insgesamt zwei Arbeitskabinen und je einem 3- bzw. 5-Achsen Fräskopf. Dazwischen befindet sich der Handlingsroboter, der die Werkstücke für die Bearbeitung be- und entladen kann.

 

 

Die Spezialitäten dieser Maschine sind:

  • eine orientierte Guillochierspindel zum Diamantieren von Fasen (Anglierung) und das Einbringen von Gravuren
  • Herstellung und Finish von Flach- oder Frästeilen wie zum Beispiel Federn, Hebel, Platinenteile, Kloben und Brücken.

 

Das Bumotec S191 7-Achsen CNC Dreh- und Fräszentrum mit vorgeschaltetem automatischem Stangenlader

 

 

Eine Maschine mit extremer Maschinensteifigkeit für allerhöchste Genauigkeit zur Herstellung von kombinierten Dreh- und Frästeilen mit hohen Oberflächengüten, wie zum Beispiel

  • Gehäuseteile für Armbanduhren
  • Uhrenteile wie Unruh oder Räder
  • Das Aufbringen von Verzahnungen im Abwälzverfahren (zum Beispiel für Federhäuser)

 

 

 

Schon fast selbstverständlich mutet da die vollautomatische Rückseitenbearbeitung mittels Abgreifspindel an.

 


Vom Rohling zum Gehäusemittelteil auf der Bumotec

 

Als Kontrast zur hochmodernen Bumotec setzt UWD aber auch auf traditionelle, viele Jahrzehnte alte und bewährte Maschinen. Hier z.B. eine aus den 50er Jahren stammende Verzahnungsmaschine.

 


Verzahnungsmaschine der VEB Schreib- und Nähmaschinen-Werke Dresden

 

Die Maschine wird gerade von einem Spezialisten überholt und steht der Fertigung demnächst für spezielle Aufgabenstellungen zur Verfügung.

 

Der TORNOS Evo Deco 10/10 Langdrehautomat

 

Er verfügt über insgesamt 27 Werkzeuge, davon sind bis zu 21 angetrieben.

 

  • Gleichzeitige Bearbeitung mit 4 Werkzeugen (3 in der Haupt- und eine entgegen der Bearbeitungsrichtung)
  • vollautomatische Fertigung von Kleinteilen bis zu einem Durchmesser von max.
    10 mm wie z.B. Uhrenteile oder sonstige Hochpräzisionsteile

 

 

 

Der TORNOS SwissNano Langdrehautomat dient zur Bearbeitung kleinster Teile in Nanopräzision.

 

  • Mit automatischem 2-Meter-Stangenlader und einem maximal Stangendurchlass von 4 mm.
  • Voll automatische Werkstückfertigung
  • Werkstückentnahme mit Karussellsystem
  • Erstklassige Oberflächenbeschaffenheiten
  • Drehen von Kleinstteilen, Trieben sowie Wellen für Unruhteile

 

 

Die Agathon 175 DIA Hartmetall-Werkzeugschleifmaschine

 

 

Diese Maschine deckt die Bedürfnisse für das Präzisionsschleifen von Dreh- und Bohrwerkzeugen allgemeiner Art ab, wie sie auf den verwendeten Langdrehautomaten eingesetzt werden.

BMF Twister Sand-Strahl-Kammer

 

Ebenfalls ein Highlight stellt die von der in Chemnitz beheimateten Firma BMF entwickelte, völlig neuartige Strahlkammer dar. Diese gewährleistet aufgrund der besonderen Funktionsweise einen außerordentlich materialschonenden Umgang mit den zu behandelnden Werkstücken.

Die spezielle Anordnung der Funktionselemente und deren Kinematik (Überlagerung von Dreh- und Schwenkbewegungen) machen es möglich, die Oberflächen, die Unterseite und, falls vorhanden, auch die Innenflächen der zu bearbeitenden Teile gleichmäßig mit Strahlgut zu versorgen.
Das Schleuderrad mit einer speziellen Schaufelradgeometrie schleudert das Strahlmittel durch einen Luftstrom gegen die auf der Werkstückaufnahme befindlichen Teile.
Diese werden über einen Drehteller rotierend um das ebenfalls rotierende Schleuderrad bewegt. Die abgetragene Partikel werden über die angeschlossene Absaugung aus der Strahlkammer entfernt.

Im Finishbereich stehen verschiedene Geräte und Maschinen zur Verfügung, mit denen die Oberfläche der Rohteile bis zum gewünschten und mit dem Kunden vereinbarten Grad weiter veredelt werden.

 

Poliermaschine von Polimaxx

 

Eine schon etwas ältere Schleifmaschine

 

 

Zur Ausrüstung gehört auch ein Laser, mit dem kleinste Unregelmäßigkeiten im Material nachgebessert werden können.

Das erste aus eigener Entwicklung und Fertigung stammende Uhrwerk ist das Handaufzugskaliber H01 mit einem Durchmesser von 33 mm, bei einer Höhe von
4,2 mm sowie einer Gangautonomie von mehr als 50 Stunden.

 

 


Kaliber H01

 

Die Energie wird in einem fliegenden, einseitig gelagerten Federhaus gespeichert. Das Schwingsystem tickt mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hz) und stellt eine komplette Eigenentwicklung des Hauses dar und wird auch vor Ort produziert; einzig die Spiralfeder wird von Carl Haas in Schramberg bezogen.

 

 

Also auch UWD ist damit weitgehend unabhängig von Zulieferungen aus der Schweiz. Die einzigen Bauteile, welche aktuell (noch) nicht von einem deutschen Zulieferer bezogen werden können, sind die Lagersteine sowie die Zugfeder. UWD spricht von einer Wertschöpfungstiefe, die aktuell bereits bei stolzen 95% liegt.

 

 

Zurück zum Schwingsystem. Hier griff Marco Lang, tief in die Trickkiste und entwickelte eine in Technik und Ausführung beeindruckende Lösung, die jedes Uhrmacherherz höher schlagen lässt.

 

 

Die Unruh arbeitet nach dem einst von Patek Philippe entwickelten Gyromax-Prinzip. D.h. das Auswuchten erfolgt über insgesamt sechs am Umfang verteilt angebrachte Exzentergewichte. Damit kann – und zwar ohne dass Material abgetragen werden muss – jegliche Unwucht kompensiert werden. Im Gegensatz zu den Schweizer Konstruktionen, wird damit aber nicht gleichzeitig auch die Frequenz des Schwingsystems einreguliert und damit der tägliche Gang festgelegt. Nein, dieser Vorgang erfolgt getrennt über ein neuartiges, nennen wir es multifunktionales Rückersystem.

 

 

Über den Rücker selbst wird nicht, wie sonst üblich, die Frequenz, sprich der Vor- oder Nachgang, bestimmt, sondern der Abfall, also das gleichförmige Schwingen um die Nulllage.
Mittels einer Spange und einer sich am Rückerzeiger abstützenden Mikrometerschraube kann die genaue Schwingfrequenz exakt einreguliert werden. Ein Manipulieren an der Unruh durch den Uhrmacher ist damit bei der Justierung des Ganges nicht erforderlich. Ein Highlight, wie wir meinen und eine wesentliche Verbesserung der Servicefreundlichkeit gegenüber einer rückerlosen Gangregulierung, wie sie einige Schweizer Wettbewerber immer wieder propagieren und anbieten.

 

 

Als Werkstoff für die Platinen, Brücken und Kloben sowie weitere Uhrwerksteile wird zumeist ARCAP verwendet, eine neuartige Neusilberlegierung, die sich sehr gut zerspanen lässt. ARCAP kann unbehandelt bleiben und verleiht der Oberfläche den bei Uhrwerken der Premiumklasse typischen silberfarbenen Glanz, der sich über die Jahre mit einer leichten Patina überziehen kann. Alternativ kann das Material aber auch mit allen gängigen galvanischen Oberflächen überzogen und vergütet werden, wie dies z.B. bei den ersten, für die Leinfelder Uhrenmanufaktur in München bestimmten Werken der Fall ist.

 

Auf die Frage, wie es denn weiter geht, mögen wir nur soviel verraten: die Uhren-Werke-Dresden sind mit Ihrem motivierten und engagierten Team voller guter Ideen und Schaffenskraft und so werden aus dem jetzt vorgestellten ersten Kaliber in absehbarer Zeit sicher weitere Varianten abgeleitet werden. Die Serienproduktion und Auslieferung des Kalibers H01 soll spätestens Ende des Jahres beginnen. Die Kunden dürfen sich freuen.

 

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