Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie gibt in seinem neuesten Bericht einen für viele unerwartet hohen Rückgang der Uhrenexporte bekannt. Zwischen April und Mai 2015 ist ein Rückgang von mittlerweile 9% zu beklagen.

Die Märkte verhalten sich dabei unterschiedlich. Während Hong Kong mit einem Rückgang von über 30%, gefolgt von USA mit rund 13% und China mit 9% die Hauptverursacher sind, sehen die Zahlen für Europa insgesamt freundlicher aus. In Frankreich beträgt das Minus lediglich 2,4% in Italien ist gar ein Zuwachs von 4,5% auszumachen, was jedoch hauptsächlich dem guten Tourismusgeschäft zu verdanken ist und weniger dem italienischen Markt selbst.

Am schlechtesten kommen dabei Uhren aus Stahl im Preisbereich von rund 3000 Euro weg. Uhren die deutlich günstiger sind, behaupten sich dagegen etwas besser, gleichsam auch solche aus Edelmetall oder in Bicolor-Ausführung, ein Trend, der sich bereits auf der Baselworld 2015 abzeichnete.
Uhrenexporte

Erfassung und Auswertung der Schweizer Uhrenexporte seit 2008. Quelle: Bloomberg

 

 

Über die Ursachen kann mannigfach spekuliert werden, denn es kommen mehrere Faktoren zusammen, welche der Schweizer Uhrenindustrie das Leben künftig und nicht gänzlich unerwartet schwerer machen:

  • Die massive Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro bereits zu Jahresbeginn
  • Das mittlerweile hohe bis sehr hohe Preisniveau, geschuldet den bereits in der Vergangenheit ohne besondere Not vollzogenen massiven Preiserhöhungen.
  • Die deutlich verschärften Antikorruptionsgesetze in China, die u.a. teure Geschenke im Visier haben.
  • Die Regierungskrise in Hong Kong, welche dem einst so prosperierenden Handel einen herben Dämpfer versetzt.
  • Der von der traditionellen Schweizer Uhrenindustrie lange Zeit ignorierte Trend zu den Wearables und intelligenten Uhren.
  • Dieser neue Markt und Bedarf an Smarten Uhren wird von ganz anderen Herstellern bedient und geht bis auf wenige Ausnahmen gänzlich zu Lasten der etablierten Hersteller.

Dieser Trend wird von Analysten häufig an der kürzlich erfolgten Markteinführung der Apple Watch festgemacht. Das stellt u.E. aber eine nur stark vereinfachte Betrachtung eines viel umfangreicher stattfindenden Wandels dar.

Vielmehr haben, bereits lange bevor Apple in das Geschäft mit Smartwatches eingestiegen ist, maßgeblich Sony, Samsung, LG und Pebble den Bedarf nach diesen neuartigen Produkten erkannt und den Markt damit ausgestattet; uunächst zwar mit mäßigem, aber dennoch beachtenswerten, weil nunmehr stetig ansteigenden Erfolg. Apple hat, unter geschickter Ausnutzung seiner enormen Markt- und Machtposition und der damit verbundenen Publikumswirksamkeit, das Thema nun bis in den letzten Winkel kommuniziert. Jeder Besitzer eines iPhone 5 oder 6 bekam automatisch und, ohne jegliches Zutun seines Nutzers, deutlich sichtbar, die entsprechende Applikation bereits auf sein Smartphone installiert. Damit wurde eine intensive und ungeheuer rasche Verbreitung der Information als solche erreicht, aber auch eine nicht zu unterschätzende Neugierde und Begehrlichkeit bei den Kunden geweckt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Apple Watch mit einiger Verzögerung ab Ende Juni nun auch in der Schweiz – also im Land der Uhren schlechthin – zu haben sein wird.
Die Reaktionen der Verantwortlichen fallen unterschiedlich aus.

Eine klare Prognose, wohin die Reise gehen wird, fällt nach wie vor schwer. Auf jeden Fall dürfte der Zenith des steten Wachstums erst einmal überschritten sein. Nun heißt es, den Status Quo zumindest abzusichern und den Veränderungen mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen.

Wir dürfen also weiterhin gespannt sein.

Zusätzlich verweisen wir auch auf unsere bereits in der Vergangenheit zum Thema formulierten Einschätzungen:

 

 

One thought on “Drastischer Rückgang der Schweizer Uhrenexporte

  1. Das sind leider sehr grimmige Aussichten für Schweizer Uhren, die auch noch Qualität besitzen die Uhren aus China gar nicht haben. Sei es nun eine Max Bill oder Mondaine Uhr, da können billige Nachahmungen einfach nicht mithalten.

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