Die sogenannten Wearables, also intelligente und zumeist mit Sensoren ausgestattete Funktionseinheiten, die am Körper getragen werden, erfreuen sich seit gut zwei Jahren auch in Europa einer größer werdender Beliebtheit. Dazu kommen jetzt auch noch die Smart- oder Connected Watches. Ein Megatrend, der in den USA seinen Anfang nahm, ist jetzt auch bei uns angekommen. Statistisch gesehen ist bereits jeder zehnte Amerikaner im Besitz eines solchen Gadgets, was auf gut 30 Mio., allein in den USA im Einsatz befindliche Geräte hinausläuft.

Grund genug für das Deutsche Uhrenportal, sich mit der Materie genauer zu befassen, verschiedene Konzepte gegenüber zu stellen und daraus eine Einschätzung abzuleiten, wie sich der aktuelle Stand der Technik dem potenziellen Kunden präsentiert. Ob sich die Entwicklung weiter rasant fortsetzen oder eher verlangsamen wird, ob die Begeisterung beim Träger oder zu neudeutsch „User“ anhält, oder nach einigem Gebrauch rasch nachlässt und stattdessen der Enttäuschung weicht.

Die Frage stellt sich insofern, als es herauszufinden gilt, ob der passionierte Uhrenträger, anstatt seine hochwertige Rolex, IWC oder Glashütte Original zu tragen – um gedanklich bei den Premiumanbietern zu beginnen – den prominenten Platz am linken Handgelenk beispielsweise für eine Apple Watch oder Samsung Gear freigemacht hat, nach einiger Zeit wieder reumütig zur soliden und langlebigen Mechanik zurück findet, oder doch Gefallen an der hohen Funktionsvielfalt einer innovativen Smartwatch findet und seiner geliebten High-End Uhr nun immer öfter oder gar endgültig den Platz im Tresor zuweist.

Die Frage stellt sich aber auch – und in noch weitaus höherem Maße – für Uhren, die nicht der zuvor erwähnten Top-Klasse angehören, sondern eher den Mainstream repräsentieren und dann preislich in dieselbe Kategorie fallen, wie die gängigen Smartwatches. Da fragt sich der Kunde dann tatsächlich, kaufe ich das eine oder das andere, wohingegen in unserem ersten Gedankenspiel eventuell sogar beide Produkte gekauft werden und dann lediglich die Entscheidung zu treffen ist, bei welcher Gelegenheit welche Uhr getragen wird. Will ich immer Connected sein, oder geht’s auch mal ohne und findet die High-Mech dann doch ihren Weg zurück an´s Handgelenk.

 

 

Wir haben uns deshalb am Markt umgesehen und verschiedene Vertreter der jeweiligen Spezies ausgewählt. Allen gemeinsam ist, dass es sich um sogenannte Connected Devices handelt, also Geräte, die sich mit dem Smartphone verbinden bzw. von diesem aus steuern lassen. Es handelt sich aber durchweg um sogenannte Companion Geräte, die alleine, d.h. ohne Smartphone in der Nähe, nicht wirklich gut funktionieren. Es handelt sich also immer um eine mehr oder weniger sinnvolle Erweiterungen des Smartphones.

Um die Auswahl bzw. die Vielfalt der Möglichkeiten einzuschränken, haben wir uns auf Geräte konzentriert, die mit Display bzw. zumindest einer LED-Anzeige ausgestattet sind. Unter die Kategorie der Wearables ohne Anzeigedisplay fallen bekanntlich auch das so beliebte UP24 von Jawbone, welches wir aus diesem Grunde, mangels direkter Anzeige am Gerät, jedoch nicht berücksichtigt haben. Ein wichtiges Auswahl- und damit Abgrenzungskriterium für uns war, dass neben den gebotenen Fitnessfunktionen zumindest die Uhrzeit abgerufen werden kann, das Wearable also zumindest in der Theorie als Ersatz für die klassische Uhr am Handgelenk betrachtet werden könnte.

Um zumindest einen Vertreter der displayfreien Zunft mit an Bord zu haben, haben wir das Modell Shine von Misfit ausgewählt. Statt eines Displays besitzt dieses Gerät 12 umlaufend angeordnete LED´s über die, auch ohne angeschlossenes Smartphone, einige Basis Informationen, so auch die Uhrzeit zumindest ungefähr abgerufen werden kann.

 

Im Bild: Die Testgeräte von links beginnend mit Kategorie A

 

Wir haben folgende Kategorien gebildet und dazu jeweils einen Vertreter ausgewählt:

A) Fitness- und Gesundheitstracker mit LED-Anzeige: Misfit Shine
B) Fitness- und Gesundheitstracker mit Display: Withings Pulse Ox
C) Analoge Armbanduhr mit integriertem Fitnesstracking: Withings Activité Pop
D) Analoge Armbanduhr mit integrierter Benachrichtigungsfunktion: Cogito Classic
E) Smartwatch mit nicht permanent aktivem Touch-Display: Samsung Galaxy Gear 2
F) Smartwatch mit permanent aktivem Display und Menü-Steuerung über Tasten: Pebble Steel
G) Smartwatch mit permanent aktivem Touch-Display: Qualcomm Toq

Geprüft haben wir die Geräte in Verbindung mit dem aktuellen Android Betriebssystem 4.4 Kitkat, unter Verwendung verschiedener Smartphones unterschiedlicher Preisklassen. Von einer Überprüfung i.V. mit Apple iOS haben wir abgesehen. Schließlich geht es in unserer Darstellung primär um einen Vergleich der verschiedenen Gerätekonzepte, ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile, und weniger um die Frage, ob sich die Funktion besser mit einem iPhone oder einem Android-Phone darstellen lässt. Anderseits gilt es auch zu bedenken, dass Android Smartphones mittlerweile auf einen Marktanteil von über 80% kommen. Da hat Apple zumindest rein mengenmäßig das Nachsehen. Aus Gründen der Verfügbarkeit und dem Umstand, dass wir uns auf Android kompatible Geräte konzentriert haben, ist die die Apple Watch nicht mit von der Partie, würde aber im Wesentlichen der Kategorie „E“ entsprechen, da auch bei ihr das Touch-Display nicht ständig aktiv, sondern im Normalfall abgedunkelt ist.

Nach dem Auspacken – zu neudeutsch „Unboxing“ – der verschiedenen Geräte ging es zunächst darum, zu beurteilen, wie rasch die Inbetriebnahme erfolgen kann und wie gut die beigefügte Dokumentation dabei hilft.

 

Im Bild: Fitnesstracker Withings Pulse Ox in der Originalverpackung

 

Da alle Geräte nur dann ihren Zweck erfüllen können, wenn sie mit dem Smartphone gekoppelt sind, war die rasch funktionierende und zuverlässige Bluetooth-Koppelung für uns eines der wichtigsten Kriterien.

 

Im Bild: Fitnesstracker Withings Pulse Ox ausgepackt und nach erster Inbetriebnahme

 

Bereits hier tun sich gewaltige Unterschiede auf. Längst nicht jedes Gerät lässt sich mit jedem Smartphone koppeln. Das ist extrem nervig und kann den Spaßfaktor bereits vom Start weg auf den Nullpunkt drücken. Auch halten es die meisten Anbieter dieser Geräte nicht für geboten, Kompatibilitätsempfehlungen zu Smartphones der gängigen Hersteller zu geben. Der Kunde wird hier ziemlich alleine gelassen. Meist wird nur auf eine bestimmte Version des Betriebssystems und z.B. auf Bluetooth 4.0 als Mindestanforderung verwiesen. Das bedeutet aber noch längst nicht, dass die Koppelung auch klaglos funktioniert.

Sind die Geräte dann erst einmal erfolgreich mit dem Smartphone verbunden, so gibt es aber auch dann immer wieder Beanstandungen über unzuverlässige und wenig stabil laufende Bluetooth Verbindungen; es kann zu unmotivierten Aussetzern und unerklärlichen Abbrüchen der Connectivity kommen. Der Nutzer wundert sich dann, weshalb mal wieder keine Daten oder Meldungen übertragen wurden. Nach dem Gesetz von Murphy findet die Unterbrechung just dann statt, wenn eine am Smartphone eingehende Meldung an die Smartwatch oder den Fitnesstracker hätte durchgereicht werden müssen, umgekehrt natürlich genauso.

Mindestens ebenso unerfreulich ist, wenn die Hersteller Batterie- oder Akkulaufzeiten bewerben, die im praktischen Gebrauch bei weitem nicht erreicht werden. Nichts ist ärgerlicher als ein nicht mehr funktionierendes Gerät, nur weil der Akku oder die Batterie vorzeitig in die Knie geht und kein Ladegerät oder Ersatzbatterie griffbereit sind.

Die wichtigsten Konzepte und ihre jeweiligen Vertreter im Überblick:

 

Kategorie A: Misfit Shine
Als typischen Vertreter der Gattung Fitnesstracker, mit minimalistischer Statusanzeige am Gerät, haben wir das Modell Shine von Misfit ausgewählt und näher unter die Lupe genommen. Das kleine, kompakte, und im Design einer fliegenden Untertasse ähnelnde Gerät ist für das Aufzeichnen von Bewegungen genauso geeignet, wie für die Überwachung der Schlafdauer und der Schlafintensität. Dazu kann das Gerät mittels mitgeliefertem Armband bequem am Handgelenk getragen werden oder per Magnet-Clip wahlweise auch an der Kleidung.

 

Im Bild: Misfit Shine im Anlieferzustand

 

Laut Hersteller ist das Gerät bis 50m/5atm wasserdicht und kann somit auch beim Schwimmen die entsprechenden Bewegungen im Wasser aufzeichnen. Auf der Oberseite des Misfit Shine sind am äußeren Rand kleine Leuchtpunkte positioniert. Über diese Miniatur-LED´s kann beispielsweise die ungefähre Uhrzeit, aber auch der aktuelle Status des gesetzten Tagesziels abgerufen werden. Zur Aktivierung der LED-Anzeige ist mit dem Finger kurz auf die Oberseite des Gerätes zu klopfen. Unter dem rückseitigen Gehäusedeckel befindet sich die Lithium-Batterie vom Typ 2032. Laut Hersteller soll diese das Gerät über einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten mit Energie versorgen. Wie das funktionieren soll, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.

 

Im Bild: Die einem UFO ähnelnde Kapsel Shine von Misfit, welche die Elektronik sowie die Batterie enthält

 

Bei unseren Tests war die Batterie leider mehrfach schon nach wenigen Tagen entleert und verlangte nach Ersatz. Ein aus unserer Sicht absolutes Ärgernis, mit erheblicher Einschränkung der Gebrauchstauglichkeit. Auch der Einsatz von fabrikfrischen Batterien bekannter Markenhersteller lieferte kein besseres Ergebnis.
Ebenfalls wenig erfreulich die Bluetooth-Koppelung, die mit manchen Smartphones gut, mit anderen erst nach mehreren Anläufen und mit wieder anderen gar nicht klappen wollte.

Die Aktivitätserfassung selbst arbeitet vergleichsweise gut, jedoch zeigt die automatische Erkennung von Phasen der Aktivität und solcher der Ruhe deutliche Fehler. So wurde z.B. der 2-stündige Aufenthalt am Computer, mit dem Gerät per Clip am Hosenbund befestigt, als Schlafphase interpretiert. Wohl etwas daneben. Die am Smartphone zu installierende App hingegen hinterlässt einen insgesamt guten und benutzerfreundlichen Eindruck. Die Bedienoberfläche ist weitgehend selbsterklärend und auch das moderne Design gefällt. Neben dem Setzen von Zielwerten, die in Punkten dargestellt werden, bekommt man die Zahl der Schritte, den Kalorien-Verbrauch und auch die Distanz angezeigt. Jedoch kann die Schrittweite nicht individuell eingegeben werde, so dass die Umrechnung der Anzahl der Schritte in Wegstrecke doch recht gewagt erscheint.

Was ebenfalls nicht gefällt, dass sich das Gerät mit seiner Gerätenummer und der User-ID quasi fest verbindet. Uns ist es nicht gelungen, das Gerät auf einen anderen Benutzer umzumelden. Wir mussten dazu den Support in Anspruch nehmen, der erst nach mehrmaligem und zunehmend energischen Nachhaken in englischer Sprache tätig wurde und dann einen Werksreset vornahm. Am Gerät selbst findet sich keine Möglichkeit, einen Reset durchzuführen; keine gute Lösung.

Fazit:
Das Modell Shine von Misfit ist kompakt und leicht ausgeführt, das Material wirkt hochwertig, der Batterieverbrauch ist jedoch inakzeptabel hoch und entspricht in keinster Weise der Herstellerangabe. Ob die Rastung des Batteriedeckels den häufigen Batteriewechsel unbeschadet übersteht, darf zudem bezweifelt werden. Damit dürfte es auch nur eine Frage der Zeit sein, wann die vom Hersteller beworbene Wasserdichtigkeit nicht mehr gegeben ist. Mit dem Magnet-Clip kann der Tracker vielseitig befestigt werden, alternativ kann das mitgelieferte Armband benutzt werden. Die Genauigkeit bei den Messungen ist vergleichsweise gut. Die selbsttätige Erkennung von Schlaf- bzw. Aktivitätsphasen funktioniert leider nicht immer zuverlässig.

 

Kategorie B: Withings Pulse Ox
Der Fitnesstracker Pulse Ox aus dem Hause Withings wird mit einem gummiähnlichen Armband, einem Gürtelclip sowie einem Mini-USB Lade-Kabel ausgeliefert. Die eigentliche Messeinheit mit Display und fest verbautem Akku kann in das Armband seitlich eingeschoben und herausgenommen werden. Das ist dann notwendig, wenn die integrierte Pulsmessung genutzt werden möchte, was in der Praxis unzweckmäßig ist und den regelmäßigen Gebrauch dieser an sich sinnvollen Zusatzfunktion erschwert.

 

Im Bild: Fitnesstracker Withings Pulse Ox, Funktionseinheit mit Gürtelclip und Armband

 

Auch nachts kann die Pulse Ox weiter aufzeichnen und die Schlafphase überwachen. Diese ist jedoch, anders als bei Misfit Shine, über die Eingabe am Display anzumelden und am nächsten Morgen nach dem Aufwachen in gleicher Weise zu beenden. Es besteht ähnlich Misfit Shine auch die Möglichkeit, die Pulse Ox am Hosenbund zu tragen, dazu wird ein gummierter Clip mitgeliefert. Uns ist es jedoch nicht nur einmal passiert, dass das Gerät – und zwar ohne große Krafteinwirkung – aus dem Gummieinsatz des Clips versehentlich heraus gedrückt werden kann und dabei dann leicht verloren geht.

 

Im Bild: Fitnesstracker Withings Pulse Ox, getragen am Arm

 

Die Installation der Withings-App auf dem Smartphone erfolgt problemlos. Das trifft für die anschließende Koppelung der Funktionseinheit per Bluetooth leider nicht zu. Mit einigen durchaus gängigen Telefonen war dies nicht oder erst nach mehreren Versuchen möglich. Ein deutlicher Schwachpunkt.
Gut an der Smartphone-App ist hingegen die Tatsache, dass diese, je nach Bedarf, auch auf mehreren Phones parallel installiert werden kann. Der Datenabgleich erfolgt dann per Anmeldung an der Cloud. Wirklich praktisch und sinnvoll ist, dass auch andere Fitnessapps, wie z.B „Runkeeper“, mit eingebunden und die Daten übernommen werden können.

 

 Im Bild: Fitnesstracker Withings Pulse Ox, Smartphone App

 

Das Display ist im Normalbetrieb dunkel geschaltet und muss über einen seitlichen Bedienknopf aktiviert werden. Für einen Fitnesstracker ist das akzeptabel. Wenig erfreulich jedoch, dass die Ablesbarkeit des Displays bei Sonneneinstrahlung so gut wie nicht gegeben ist.

Das Gerät ist wegen des seitlich ins Gehäuse eingelassenen MINI-USB-Steckers zum Laden des Akkus nicht wasserdicht. Die Laufzeit des Akkus beträgt im Schnitt 3 Tage. Wird der Mindestladezustand erreicht, geht das Gerät ohne Vorankündigung in eine Art Schlafmodus, d.h. Aktivitätsdaten werden dann keine mehr aufgezeichnet. Die Warnmeldung am Smartphone ist dabei wenig hilfreich, da kaum auffällig.

Die Aufzeichnung der Schritte erfolgt vergleichsweise genau. Artefakte werden gut ausgefiltert. Sehr gut, dass dabei auch die zurückgelegten Höhenmeter mit erfasst werden. Der Fitnesstracker ermittelt zudem die zurückgelegte Wegstrecke. Wie dies erfolgt, erschließt sich uns jedoch nicht, da keine auf den Nutzer abgestimmte Schrittweite eingebeben werden kann. Eine exakte Aufzeichnung der Wegstrecke per Smartphone GPS offenbart denn auch größere Abweichungen zugunsten einer zu reichlich berechneten Wegstrecke.

Schlafphasen werden – unterschieden in tiefen und leichten Schlaf – ebenfalls aufgezeichnet. Die Schlafphase wird, wie bereits erwähnt, per Touch-Display manuell gestartet und gestoppt.

Die Pulsmessung durch Auflegen des Fingers ist wenig exakt und bei starker Streuung auch wenig wiederholgenau. Gut hingegen ist die zusätzliche Sauerstoffmessung im Blut, deren Genauigkeit wir jedoch nicht überprüfen konnten.

Fazit:
Das Withings Puls Ox ist ein an sich interessantes Gerät mit vielen guten Ansätzen. Ein wirklich ausgereiftes Produkt sieht jedoch anders aus. Hier ist noch viel Feinschliff nötig. Ganz oben auf der To Do Liste steht die Überarbeitung der mühsamen und wenig zuverlässig arbeitenden Bluetooth Koppelung. Ebenfalls muss die Sensorik weiter verbessert werden. Die Handhabung mittels der mitgelieferten Befestigungsmöglichkeiten ergibt, wie auch die nicht vorhandene Wasserdichtigkeit, noch viel Spielraum für Verbesserungen.

 

Kategorie C: Withings Activité Pop
Die neue Activité Pop von Withings ist auf den ersten Blick eine ganz normale Uhr mit klassischen 3 Zeigerdesign. Der dritte Zeiger wirkt auf den ersten Blick dabei wie die Gangreserveanzeige einer mechanischen Uhr. Ist es aber nicht! Stattdessen wird auf dem kleinen Hilfszifferblatt, stets präsent und dabei gut ablesbar, der erreichte Prozentsatz eines individuell programmierbaren Tageszieles zur Anzeige gebracht.

 

 

Im Bild: Withings Activité Pop

 

Das Besondere an dieser Uhr ist aber nicht nur der eingebaute, übrigens recht genau arbeitende Fitnesstracker, sondern auch die Zeitsynchronisation, die ausschließlich über das Smartphone erfolgt.

So werden nach der Inbetriebnahme nicht nur gleich die Lokalzeit an die Uhr übertragen und das Zeigerwerk setzt sich wie von Geisterhand gesteuert in Bewegung, nein es werden auch Zeitumstellungen oder Zeitzonenwechsel unmittelbar nach dem Abgleich mit dem Smartphone auf die Uhr übertragen. In letzter Konsequenz besitzt die Withings Activité Pop denn auch keine Krone zur Zeiteinstellung. Dafür ist alleine das Smartphone zuständig. Das erfolgt erstaunlich gut und reibungslos.

 

 Im Bild: Smartphone App zur Steuerung der Withings Activité Pop

 

Absolut nicht reibungslos, leider auch bei diesem Produkt, wieder die Bluetooth-Koppelung. War es mit dem Pulse Ox schon problematisch, so verweigert die Activité Pop die Zusammenarbeit mit preisgünstigen, sehr wohl aber mit aktueller Hard- und Software ausgestatteten Smartphones standhaft. Das ist nicht akzeptabel und muss dringend verbessert werden.

Wie bereits ausgeführt, wird über eine Analoganzeige mittels Zeiger die als Tagesziel vorgegebenen Zahl an Schritten bei jedem noch so kurzen Blick auf die Uhr in Prozentpunkten rasch erfasst. Das motiviert und spornt an, das Tagesziel zu erreichen. Bei anderen Geräten muss hingegen entweder das Display aktiviert oder erst das Smartphone bemüht werden, um zu sehen, wie´s aktuell steht und wieviel Bewegung noch nötig ist, das Tagesziel zu erreichen.

 

Im Bild: Withings Activité Pop

 

Somit ein aus unserer Sicht interessanter Ansatz, den in sehr ähnlicher Form z.B. auch die Schweizer Uhrenhersteller Alpina, Frederique Constant oder Mondaine mit ihren auf der Baselworld 2015 vorgestellten neuesten, als Horological Smartwatch, bezeichneten Modellen beschreiten.

Allerdings zeigt die Withings Activité Pop eine ähnliche Schwäche, wie bereits bei der Shine von Misfit auffällig wurde: Ruhige Arbeitsphasen am Schreibtisch oder PC werden immer wieder irrtümlich als Schlafphasen interpretiert. Das ist natürlich Unsinn und muss entweder durch einen verbesserten und verfeinerten Algorithmus eindeutiger detektiert werden oder der Nutzer muss zumindest die Möglichkeit eingeräumt bekommen, solche fehlerhaften Einträge nachträglich manuell zu korrigieren.

Schade in diesem Zusammenhang auch, dass beim Modell Activité Pop von Withings auf dem Smartphone eingehende Nachrichten, Telefonate, etc. nicht an die Uhr weitergereicht und dort haptisch oder akustisch zur Anzeige gebracht werden. Sehr wohl verfügt die Withings jedoch über eine Weckfunktion, die recht einfach über die Smartphone App programmiert wird und dann einen in der Uhr verbauten Vibrationsalarm aktiviert.

Lt. Hersteller ist die Uhr wasserdicht und damit zum Schwimmen geeignet. Withings arbeitet mit Hochdruck an einer App, welche künftig auch Schwimmaktivitäten erfassen und auswerten soll.

Fazit:
Die Withings Activité Pop kommt zu einem überraschend günstigen Preis zum Endkunden und kostet dabei nicht mehr als eine vergleichbare konventionelle Quartzuhr. Dabei sieht die Uhr durchaus ansprechend aus. Das montierte Armband ist hingegen von vergleichsweise minderwertiger Qualität. Hier wurde deutlich sichtbar der Rotstift angesetzt, leider an der falschen Stelle.

Zum Thema Qualität gibt es einen weiteren Vermutstropfen. Kurz vor Testende zerbrach das Glas an unserem Testexemplar aus unerklärlichen Gründen. Withings spricht von einem vorübergehenden Qualitätsproblem, das aber beseitigt sei und die Uhren im Fehlerfall anstandslos ausgetauscht würden. Wir werden sehen und ggfs. berichten.

Die Uhr kommt mit einer bereits vormontierten Batterie zum Kunden. Das regelmäßige Laden eines Akkus ist somit nicht nötig. Die in der Uhr verwendete Lithium-Batterie vom Typ 2025 soll eine Betriebsdauer von rund 8 Monaten ermöglichen. Wir konnten das nicht überprüfen. Während der 3-monatigen Testphase gab es jedoch keinerlei Anzeichen einer vorzeitigen Ermüdung.

Dringend verbesserungswürdig ist die schlecht funktionierende Bluetooth-Koppelung. Ansonsten wäre das Produkt von seinem Konzept her sehr empfehlenswert, insbesondere für jene Klientel, die Fitnesstracker und konventionelle Uhr in einer Einheit zusammengefasst haben möchten und nicht beides getrennt tragen möchten. Mitteilungen vom Smartphone werden hingegen nicht übertragen. Für so manchen Kunden ist das aber auch kein wirklicher Nachteil.

 

Kategorie D: Cogito Classic
Auf den ersten Blick handelt es sich bei der Cogito Classic, ähnlich der Withings Activité Pop, um eine gewöhnliche Uhr mit analoger Anzeige der Zeit sowie der Möglichkeit, diese per Bluetooth mit dem Smartphone zu koppeln.

Die Cogito hinterlässt dabei bereits beim Auspacken einen vergleichsweise wertigen Eindruck und überzeugt mit ansprechenden, sportlichem Design.

 

Im Bild: Cogito Classic

 

Nun wieder die spannende Frage: Wie klappt die Bluetooth-Koppelung. Antwort: Deutlich besser und stabiler als mit den zuvor beschriebenen Produkten von Misfit oder Withings. Ist die Verbindung mit dem Smartphone über die aus dem Playstore heruntergeladene App hergestellt, können auf dem Smartphone eingehende Benachrichtigungen dem Träger der Uhr per Vibrationsalarm – der allerdings etwas schwach ausfällt – übermittelt und ergänzend auf dem Zifferblatt in Form kleiner Symbole angezeigt werden. Die Symbole zeigen wohl die Art der Nachricht, ob fälliger Termin, E-Mail, SMS, Mailbox oder Telefonanruf an, nicht jedoch deren Inhalt. Lediglich im Falle eines Telefonanrufes wird der Name des Anrufers auf einem eher klein geratenen LCD-Display sichtbar. Der zusätzliche Griff zum Smartphone ist also in jedem Fall erforderlich, da die Cogito eben keine weiterführenden Informationen zur Anzeige bringt.

Die Cogito bietet aber die Möglichkeit z.B. die Kamera des Smartphones auszulösen oder auch Musiktitel abzurufen. Die Bedienung über die zahlreichen seitlichen Drücker ist allerdings wenig intuitiv und eher verwirrend. Das beliebte Fitnesstracking als Zusatzfunktion ist nicht integriert. An sich schade, da die Uhr als einziges Exemplar im Konzeptvergleich laut Hersteller über eine Wasserdichtigkeit von 100m/10 atm verfügt, was den uneingeschränkten Einsatz beim Schwimmen ermöglicht.

 

Im Bild: Cogito Classic

 

Die Cogito wird über zwei Batterien mit Strom versorgt. Eine Knopfzelle versorgt das konventionell ausgeführte Quartz-Uhrwerk, die zweite etwas größer dimensionierte Lithium-Batterie speist das Bluetoothmodul, nebst den zusätzlichen Anzeigen. Das umständliche Laden eines Akkus entfällt damit. Ein Batteriewechsel soll nur einmal pro Jahr erforderlich sein, was wir aber nicht überprüfen konnten.

Fazit:
Die Cogito ist eine schöne, recht maskuline, dabei robust wirkende Uhr, die man gerne am Arm trägt. Leider ist der Funktionsumfang eingeschränkt und das fehlende Fitnesstracking ein klarer Minuspunkt. Viele Interessenten für eine Connected Watch haben dieses Thema auf der Liste der geforderten Produkteigenschaften ganz weit oben markiert. Mit einem Listenpreis von ursprünglich EUR 199.- ist die Cogito trotz fehlendem Fitnesstracking denn auch deutlich teurer als die Withings Activité Pop. Das kleine Display und die Symbole für die Anzeige von eingegangenen Nachrichten schaffen dabei keinen wirklichen Ausgleich. Zudem lässt der bereits deutlich reduzierte Straßenpreis auf keine allzu große Nachfrage schließen.

Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns noch die Meldung, dass Cogito über Kickstarter – die Finanzierungsplattform, welche auch Pebble bereits zum Erfolg führte – nun ein neues Projekt aufgelegt hat, den von uns beschriebenen Mangel, eines fehlenden Fitnesstrackers, mit der Integration einer solchen Funktion bei der nächsten Produktgeneration zu beheben.

 

Kategorie E: Samsung Galaxy Gear 2
Die Samsung repräsentiert nun eine Kategorie, die eindeutig der Smartwatch, also der Intelligenten Uhr zuzuordnen ist. Was die Samsung in Abgrenzung zu den beiden weiteren Modellen von Pebble und Qualcomm auszeichnet, ist das brillante und kontrastreich arbeitende OLED Touch-Display. Die Farbwiedergabe ist gut, die Darstellung von Icons, Bildern und Text scharf und gut lesbar. Der Nachteil dieser von Smartphones her bekannten Displaytechnologie ist jedoch der vergleichsweise hohe Stromverbrauch, so dass dieses im Normalfall dunkel geschaltet ist. Erst wenn der Träger der Smartwatch den an der Stirnseite angebrachten Bedienknopf kurz drückt, erhellt sich das Display.

 

Im Bild: Samsung Galaxy Gear 2

 

Die Anzeigedauer des Displays – bis es sich wieder abdunkelt – kann individuell in mehreren Schritten variiert werden.
Diese Form der Handhabung erinnert an die frühen Tage der ersten LED-Quartz-Uhren und ist eigentlich nicht akzeptabel. Andere Konstruktionen, wie z.B. die Apple Watch oder die Zen von Asus aktivieren das Display zumindest automatisch, wenn das Handgelenk zum Ablesen der Uhrzeit nach Oben gedreht wird. Besser, aber auch nicht perfekt. Die Dauer der Displaynutzung entscheidet denn auch maßgeblich über die Zeit bis die Smartwatch zum Aufladen ans Ladegerät muss.
Das Koppeln der Samsung Galaxy Gear mit einem Samsung Smartphone der neueren Generation funktioniert problemlos und absolut stabil. Darauf legt der Hersteller auch großen Wert. Die Frage nach der Verwendung mit Smartphones anderer Hersteller überlässt Samsung hingegen dem Kunden und möchte sich zur Eignung oder Nichteignung auch nicht positionieren.

Das Einrichten der Smartwatch erfolgt nach dem Installieren der zugehörigen App auf dem Smartphone schnell und problemlos. Die Menüführung ähnelt der eines Smartphones und gibt keine Rätsel auf. Der eingebaute Fitnesstracker arbeitet recht zuverlässig und ist zudem mit einem Pulsmesser ausgestattet, der es erlaubt – ähnlich der Apple Watch – die Messung direkt am Handgelenk vorzunehmen. Die Messergebisse sind dabei deutlich präziser und wiederholgenauer als bei der Withings Pulse Ox.

Die Samsung gehört, wie die Apple Watch zu jener Kategorie von Smartwatches, die nicht nur ein nicht permanent aktives Display haben, sondern auch öfter Nachschub an Energie benötigen. Das erfolgt bei der Samsung über eine spezielle Klemmvorrichtung. Bei normalem Gebrauch ist dies einmal pro Tag erforderlich, somit also typischerweise abends oder über Nacht, so dass das Überwachen der Schlafphasen während der Nacht nicht möglich ist; die Uhr muss zum Laden schließlich abgelegt werden.

Die Samsung ist zudem mit Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet, was es ermöglicht, über die Smartwatch Telefongespräche nicht nur anzunehmen, sondern auch zu führen. Allerdings ist dies dann nichts anderes als eine Freisprecheinrichtung, und ob die Umgebung das geführte Gespräch jeweils mithören muss und will, wird jeder für sich selbst zu entscheiden haben. Aus unserer Sicht eine nicht wirklich notwendige Funktion. Die damit verbundene Möglichkeit der Spracheingabe mag da hingegen etwas logischer erscheinen.

 

Im Bild: Samsung Galaxy Gear 2 Rückseite

 

Als einziges Gerät in diesem Konzeptvergleich besitzt die Samsung zudem eine eingebaute Kamera mit 2 Megapixel Auflösung. Die Bildqualität ist überschaubar und genügt eher geringeren Ansprüchen. Auch hier ist der Mehrwert fraglich, es sei denn, man möchte ganz unauffällig Aufnahmen anfertigen, was wir an dieser Stelle aber nicht weiter vertiefen möchten.

Fazit:
Diese Kategorie von Smartwatches ist aktuell weit verbreitet. Dabei hebt sich die Samsung in Verarbeitung und Materialwahl aus dem Wettbewerbsumfeld ab. Gleichsam ob Gehäuse, Armband oder Schließe, alles ist perfekt verarbeitet und angenehm auf der Haut zu tragen. Da kann aktuell eigentlich nur die Apple Watch mithalten.

Bei diesem Typ von Smartwatches spielt aber neben der Hardware auch die Software eine ganz entscheidende Rolle. Die Möglichkeiten der individuellen Anpassung durch den Nutzer sind gegenüber den zuvor beschriebenen Geräten ein ganz entscheidender Pluspunkt. D.h. der Nutzer entscheidet mittels der Gerätekonfiguration darüber, welche Information(en) ihm das Display bei direkter Aktivierung anzeigen soll. Daneben ist natürlich die frei konfigurierbare Übertragung von Informationen – vom Telefonanruf, über SMS, E-Mail, Whatsapp bis zu Facebook und Twitter alles einstellbar. Ganz so, wie es der Nutzer möchte. Die eingehenden Informationen können dann am Display auch aufgerufen und gelesen werden. Allein die Größe des Displays verbietet es, längere Texte zu lesen. Aber um eine Betreffzeile, oder eine kurze WhatsApp Nachricht zu lesen genügt es allemal.

Allein das grundsätzlich dunkel geschaltete Display und der hohe Energiebedarf vermögen nicht zu überzeugen und schränken den Gebrauchsnutzen ein. Nach Angaben von Samsung ist die Galaxy Gear 2 wasserdicht nach IP67, was 30 min in 1 m Wassertiefe entspricht. Diese aus der Elektro- und Fahrzeugtechnik stammende Spezifikation ist aber eher irreführend. Die Smartwatch ist zum Schwimmen definitiv nicht geeignet. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag zur Wasserdichtigkeit von Smartwatches.

 

Kategorie F: Pebble Steel
Die Pebble ist sicher das „Enfant Terrible“ unter den Smartwatches. Das kleine und noch junge Startup Unternehmen aus Kalifornien hat sich als eines der ersten an das Thema Smartwatch herangewagt und ein entsprechendes Produkt auf den Markt gebracht. Pebble zeigt auch heute noch – selbst den ganz Großen – wo der Hammer hängt. Zunächst erblickte die als Pebble Classic bekannte, eher etwas rustikal wirkende Kunststoff-Watch das Licht der Welt, bis dann ein Jahr später die hier im Konzeptvergleich herangezogenen Variante aus Stahl, die Pebble Steel, folgte. Und die sah dann tatsächlich erstmals etwas mehr nach Uhr aus.

 

Im Bild: Pebble Steel

 

Was aber macht die Pebble so begehrt und erfolgreich. Pebble macht vieles anders, zum Teil ganz anders als die anderen. Das beginnt schon beim Betriebssystem. Kein Android Wear, kein iOS, nichts von alledem, sondern etwas eigenes OS, was sowohl mit Android als auch mit Apple zusammen arbeitet und in Kürze auch mit Windows; eine erste Beta-Version der Microsoft-Variante gibt es schon. Und was macht die Pebble noch anders? Eine ganze Menge. Da es sich um eine offene Entwicklerplattform handelt, gibt es bereits abertausende von Apps für das kleine Gadget. Sicher nicht alle sinnvoll und viel Spielerei dabei, aber einige haben´s dann doch faustdick drauf. So kann eigentlich jeder „seine“ Pebble ganz individuell konfigurieren und funktionale Schwerpunkte setzen.

Und dann ist da noch das Display. Hochauflösendes OLED? Fehlanzeige! Stattdessen kein Touch-Display, sondern Menüsteuerung mit insgesamt 4 seitlich angebrachten Drucktasten. Für was ist das gut? Ganz einfach, das Display entstammt der E-Ink Technologie, wie man/frau sie von E-Book Readern kennt. Diese Art der Displays benötigen so gut wie keinen Strom und sind daher permanent in Betrieb, also ständig sichtbar. So auch bei der Pebble. Also ganz egal wann und wie oft auf die Uhr geschaut wird, das Display ist immer aktiv, der Stromverbrauch immer gleich gering. Allerdings hängt die Ablesbarkeit wie bei einer konventionellen analogen Uhr von der Umgebungshelligkeit ab. Je heller die Umgebung, desto besser die Ablesbarkeit. Bei schlechten Lichtverhältnissen muss daher die Hintergrundbeleuchtung zugeschaltet werden, was den Stromverbrauch dann vorübergehend erhöht. Der insgesamt sehr geringe Energieverbrauch führt zu einer signifikant längeren Betriebsdauer von mehreren Tagen. Realistisch kommt der User auf 4-5 Tage, also eine knappe Woche. Auf einer 3-tägigen Geschäftsreise kann das kleine Magnetladekabel also zu Hause bleiben.

 

Im Bild: Pebble Steel

 

Ist die Bedienlogik mittels Tastensteuerung dann aber nicht unnötig kompliziert gegenüber der Touch- und Wischlogik? Ganz und gar nicht, das Gegenteil ist der Fall. Aufgrund der winzigen Displaygröße bei Smartwatches kommt mit normal großen Fingern bei der Befehlseingabe ohnehin keine so rechte Freude auf. Da sind die Tasten gerade recht. Die Menüstruktur ist betont einfach und übersichtlich gehalten, so dass man/frau nach wenigen Minuten der Eingewöhnung sehr gut klar kommt.

Was macht die Pebble Watch sonst noch interessant? In jedem Fall der Preis: Die Pebble Classic in Kunststoff kostet aktuell nur noch EUR 99.00, die Steel-Variante EUR 199.00 Das technische Konzept ist bei beiden identisch, der Unterschied liegt im Gehäusematerial.

Die Pebble ist nach dem Auspacken verblüffend schnell startklar. Die Verbindung mit dem Smartphone erfolgt rasch und problemlos, die entsprechende App funktioniert hervorragend und völlig intuitiv. Hier waren zweifellos Profisoftwerker am Werk. Wer z.B. zwei Pebbles sein eigen nennen möchte, eine Kunststoffvariante für den Sport und die Edelstahlversion für´s Büro, auch kein Problem. Die App ist so aufgebaut, dass wahlweise mehrere Pebbles verbunden werden können. Die am Smartphone vorgenommenen individuellen Einstellungen werden dann automatisch zur jeweils verbundenen Pebble-Smartwatch übertragen.

Die Pebble besitzt einen integrierten Fitnesstracker, der standardmäßig den Algorithmus von Misfit nutzt. Leider funktioniert dieser in der Pebble nicht besonders gut. Zurückgelegte Schritte werden zwar genau und zuverlässig erfasst, dafür aber auch alle möglichen Artefakte, also Fehlimpulse. Anders als Misfit Shine oder Withings Activité Pop, die Computerarbeit fälschlicherweise gelegentlich als Schlafpausen interpretieren, vergibt die Pebble selbst hier Fitnesspunkte, was natürlich Unsinn ist. Auch beim Autofahren gibt´s bei Lenkbewegungen Punkte; genauso unsinnig! Schade zudem, dass die Daten nur in der Smartwatch gespeichert und ausgewertet, jedoch nicht auf das Smartphone übertragen werden.

Kurz vor Testende entdeckten wir im umfangreichen App-Store aber eine Applikatione, die die zuvor beschriebenen Nachteile mehr als ausbügelt, nämlich jene von Jawbone. Es kann nun alternativ der Jawbone Algorithmus auf die Pebble geladen werden. Die entsprechende Jawbone UP App auf dem Smartphone verbindet sich dann nach Einrichtung eines Kontos völlig problemlos mit der Pebble. Nun kann der Träger der Pebble entscheiden, ob er das Watchface mit dem Fitnesstracker im Blickfeld im Vordergrund haben möchte, oder dieser im Hintergrund mitläuft und vordergründig eher eingehende Nachrichten oder Wettersymbole mit Temperaturanzeige oder die aktuellen Aktienkurse angezeigt werden. Der einstellbare Vibrationsalarm ist natürlich ebenfalls mit an Bord. Der Phantasie sind also kaum Grenzen gesetzt. Leider auch hier nicht nur Sonnen- sondern auch Schattenseiten. Die App scheint noch nicht ganz ausgereift, wie sonst erklärt es sich, dass die auf der Pebble angezeigte Zahl an Schritten manchmal Eins zu Eins zur Jawbone App übertragen und ein ander Mal – insbesondere wenn eine hohe Zahl an Schritten erfasst wurde wird – diese dann nur deutlich reduziert übernommen und auf dem Smartphone angezeigt werden. Das ist für den engierten Nutzer ziemlich frustrierend!

Zudem lassen sich eine ganze Reihe anderer bekannter und sehr guter Fitnessprogramme wie RunKeeper oder Swim.com, i.V. mit der Pebble nutzen, womit wir auch beim Thema Wasserdichtigkeit angekommen wären. Pebble gibt eine Dichtigkeit von 50m/5atm an, was die Uhr zumindest für´s normale Schwimmen qualifiziert, nicht jedoch für Tauchgänge. Wir waren mit der Pebble mehrfach im Schwimmbad, haben die Daten erfasst, per Swim.com App ausgelesen und ausgewertet. Bravo Pebble!

Und was macht Pebble falsch? Leider auch noch eine ganze Menge. Die Bluetooth-Verbindung, so einfach sie eingerichtet werden kann, reißt gelegentlich und ohne Not ab. Der größte Schwachpunkt sind aber Gehäuse und Band. Wählt der Kunde die PVD-beschichtete, schwarze Variante, einschließlich geschwärztem Stahlband, so stellt dieser bereits nach kurzer Gebrauchsdauer Abnutzungserscheinungen an der PVD-Schicht fest. Sowohl Gehäuse als auch Band erheben aufgrund ihrer Scharfkantigkeit zudem keinen Anspruch auf besonderes uhrmacherisches Können. An dieser Stelle gibt es also noch deutlichen Spielraum für Verbesserungen.

Fazit:
Die Pebble ist derzeit sicher einer der besten derzeit auf dem Markt erhältlichen Smartwatches. Insbesondere bei der Softwareentwicklung waren absolute Profis am Werk. Hier gibt es bislang nichts, auch nur annähernd Vergleichbares, wenngleich einige (Fitness-) Applikationen noch fehlerbehaftet sind. Die Pebble lässt sich nämlich mit dem iPhone genauso koppeln wie mit einem Android Phone und genau das können die anderen, bis auf wenige Ausnahmen, nicht. Pebble zeigt dem Wettbewerb zudem, wie lange Akkulaufzeiten realisiert werden können. Allein handwerklich muss Pebble noch nachbessern. Da ist noch ein deutlicher Abstand zu jener Uhr, die man/frau Tag für Tag gerne am Arm trägt. Aber die brandneue Pebble Time ist ja kurz vor ihrer Markteinführung. Wir sind schon sehr gespannt.

 

Kategorie G: Qualcomm Toq
Das Modell Toq, die Smartwatch von Qualcomm, dem wohl bedeutendsten Hersteller von Mikroprozessoren für Smartphones, ist in Europa nicht erhältlich und auch in USA nur noch vereinzelt zu bekommen. Der Hintergrund: Qualcomm versteht sich nicht als Hersteller von Smartwatches, sondern eben als solcher, der die Zutaten dafür bereitstellt. Und dass es diese Zutaten gehörig in sich haben, wollte Qualcomm mit der Toq – einer Art Demonstrator – beweisen, der entwickelt und in begrenzter Stückzahl auch für Endkunden auf dem US-amerikanischen Markt angeboten wurde.

 

Im Bild: Qualcomm Toq

 

Was unterscheidet die Qualcomm Toq nun von anderen Produkten dieser Art und weshalb hat Qualcomm diesen Aufwand betrieben, einen serienreifen Demonstrator zu bauen? Nun, Qualcomm macht nicht alles – aber ähnlich Pebble – doch vieles anders als der Mainstream um Goggle oder Apple. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal: Die Akkulaufzeit. Ähnlich der Pebble, schafft die Toq mehrere Tage, ohne ein Ladegerät zu sehen. Ist nach rund 5 Tagen ein Ladevorgang erforderlich, so erfolgt dies induktiv mittels Ladebox, wie bei der Apple Watch.

 

Im Bild: Qualcomm Toq mit Ladebox zum induktiven Aufladen

 

Das Display der Toq ist, wie bei der Pebble, ständig aktiv, muss also nicht für jeden Blick auf die Uhr erst aktiviert werden. Im Gegensatz zur Pebble ist die Qualcomm Toq jedoch mit einem berührungsempfindlichen Farbdisplay ausgestattet, so dass keine Drücker oder sonstige Tasten zu finden sind, sondern alle Eingabebefehle über den Touch-Screen bzw. sanftes Klopfen an das Gehäuse der Smartwatch übermittelt werden. Qualcomm hat dazu die wegweisende IMOD Displaytechnologie (Qualcomm Mirasol) entwickelt. Die Bedienung entspricht damit weitgehend Google & Co, ohne jedoch deren Betriebssystem zu nutzen. Auch hier geht Qualcomm eigene Wege, um auch an dieser Stelle die Möglichkeiten eines effizienten Energiemanagements voll auszuschöpfen.

Um sich beim Akku nicht zu sehr einschränken zu müssen, wurde dieser kurzerhand aus dem Gehäuse ausgelagert und in die Schließe integriert. Alles in allem also ein durchaus interessanter Ansatz. Und wie funktioniert das Ganze nun in der täglichen Praxis?

Für einen Demonstrator wirklich gut, für eine Großserie wären Verbesserungen im Detail wünschenswert. So zeigt die Bluetooth-Verbindung von Zeit zu Zeit unerklärliche, kurzeitige Aussetzer, um sich dann aber rasch wieder selbsttätig mit dem Smartphone zu verbinden. Trifft jedoch, getreu dem Gesetz von Murphy, just in diesem Moment eine Nachricht ein, so wird diese nicht übertragen. Die Ersteinrichtung der Bluetooth-Verbindung, bei manchen zuvor beschriebenen Geräten teilweise ein Geduldsspiel, ist hier vorbildlich gelöst und klappte mit allen verwendeten Android-Telefonen auf Anhieb und völlig anstandslos. Die Installation der Smartphone App erfolgt gleichfalls ohne irgendwelche Probleme. Die App selbst ist sehr übersichtlich und intuitiv zu bedienen. Auch hier merkt man sofort, waren wirkliche Profis am Werk.

Über die App lassen sich die wichtigsten Einstellungen vornehmen und auf die Smartwatch übertragen. So können eine Reihe verschiedener Watchfaces geladen und weitere optische Anpassungen vorgenommen werden.

Die Qualcomm Toq verfügt hingegen weder über eingebaute Lautsprecher, noch Mikrofon, oder Kamera, was in der Praxis aber keinen wirklichen Nachteil darstellt.

 

Im Bild: Qualcomm Toq mit in der Schließe integrierten Akku

 

Sehr wohl ist ein Schrittzähler vorhanden, der im Übrigen exzellent arbeitet und so gut wie keine Neigung zu Artefakten zeigt, also wirklich nur Schritte aufzeichnet und sonst nichts. Die Ergebnisse werden über die App an das Smartphone übertragen und können dort ausgewertet werden. Ein Export oder Austausch der Daten zu anderen Fitnessprogrammen ist jedoch nicht vorgesehen.

Auch sind die Möglichkeiten der individuellen Konfiguration wegen fehlender, frei verfügbarer Apps deutlich eingeschränkt.

Fazit:
Die Qualcomm Toq repräsentiert die derzeit wohl innovativste technische Lösung einer Smartwatch und zeigt, welche Möglichkeiten hier offen stehen. Nachteilig ist eigentlich nur die nicht ganz stabil arbeitende Bluetooth-Koppelung; hier müsste nachgebessert werden und die aufgrund der geringen Verbreitung kaum vorhandenen zusätzlichen Applikationen.

Ebenfalls verbesserungsfähig die Ausführung von Gehäuse und Armband. Durch die Auslagerung des Akkus in die Faltschließe wird ein dünner Folienleiter zur Stromübertragung durch das Armband in die Schließe geführt und kann deshalb nicht ausgetauscht und auch nur einseitig gekürzt werden. Überdies ist die Toq recht groß geraten, was zwar die Bedienung und Lesbarkeit durch eine komfortable Größe des quer liegenden Displays erleichtert, die Smartwatch jedoch für schmale und dünne Handgelenke ungeeignet macht. Auch die Dichtigkeit der Uhr leidet unter dieser Bauweise. Ein Einsatz im Wasser, wie er bei der Pebble ohne weiteres möglich ist, erscheint hier fraglich.

Qualcomm betont, dass dieser Demonstrator in erster Linie dazu dient, das Drittkundengeschäft in Gang zu bringen. Wir sind gespannt, welcher Hersteller sich als erster dieser überzeugenden Technologie bedient.

 

Zusammenfassung und Einschätzung:
Der Vergleich von insgesamt 7 verschiedenen Konzepte zeigt überdeutlich, dass die Hersteller, aber auch der Markt, noch ein Stück weit davon entfernt sind, die bestmögliche Lösung zu offerieren. Zu groß sind die Unterschiede, um bereits jetzt darüber befinden zu können, was sich mittel- und langfristig behaupten und was eventuell sogar wieder verschwinden wird.

Sehr wohl trifft der interessierte Kunde bereits heute eine breite Auswahl unterschiedlichster Lösungen an und kann die für seine Bedürfnisse beste Wahl treffen. Ob sich hier aus Sicht der Kunden und Nutzer im Laufe der Zeit bestimmte Vorlieben oder Schwerpunkte herauskristallisieren, bleibt hingegen abzuwarten.

Allen im Konzeptvergleich vertretenen Geräten gemeinsam ist (noch) ein gewisser Grad mangelnder Reife. Insbesondere das Thema einfache und stabile Bluetooth-Koppelung scheint einige Anbieter oder Hersteller zu überfordern. Hier muss umgehend nachgebessert werden. Den Kunden mit dem Thema alleine zu lassen, ist keine Lösung und führt zu unnötiger Enttäuschung und Verärgerung.

Ob der aktuelle Trend zum Fitnessband auf Dauer unverändert anhält, wird sich ebenfalls zeigen müssen. Eventuell übernimmt die Smartwatch hier die Führungsrolle, da, wie die Testteilnehmer eindrucksvoll zeigen, diese problemlos mit den entsprechenden Funktionen versehen werden kann. Voraussetzung hierfür ist jedoch der von den klassischen Uhren her bekannte Tragekomfort sowie eine ebenbürtige Wasserdichtigkeit, damit die Smartwatch als Fitnesstracker auch im Schwimmbad oder beim Leistungssport ohne jegliche Einschränkung genutzt werden kann.

Wenn dann schließlich die Displays und der Rest der Hardware so wenig Strom verbrauchen, dass das Teil mindestens eine Woche ohne Ladegerät auskommt, dann sollte einer weiteren Verbreitung und Akzeptanz eigentlich nichts im Wege stehen. Setzt sich die Entwicklung, in der aus der Elektronik bekannten Geschwindigkeit fort, so wird dieses Ziel flächendeckend in 2 -3 Jahren zu erreichen sein. Werden darüber hinaus die von Apple intensiv geförderten neuen Funktionen wie bargeldloses Bezahlen oder das Einspielen von Fluggastdaten einschließlich Bordkarte in die Smartwatch weiter ausgebaut, so sind das weitere starke Argumente.

 

 

Ein durchaus interessanter Ansatz sind neben den individuell konfigurierbaren Smartwatches mit Display aber auch Uhren mit traditioneller analoger Anzeige, mittels Zeiger und integriertem Fittnesstracker, wie wir es am Beispiel der Withings Activité Pop erfahren konnten. Der Verzicht auf die Übertragung weiterer Informationen vom Smartphone auf die Uhr ist für viele Kunden dabei zu verschmerzen, da dieser Bedarf längst nicht bei jedem Nutzer besteht, oder vielleicht sogar als überflüssig und eher störend empfunden wird. Hersteller wie Frederique Constant, Alpina oder Modaine beweisen zudem, dass dies auch nicht mit einem Verzicht von anspruchsvollem Design und hochwertiger Qualität einhergehen muss. Diese Modelle in bewährter „Swiss Made“ Qualität haben dann natürlich auch einen Preis, der deutlich überhalb dem der Withings Activité Pop liegt.

Fest steht nach diesem Konzeptvergleich jedoch, dass zumindest einige der angebotenen Produkte – Qualcomm Toq oder auch Pebble Steel – einen Stand der Technik erreicht haben, der sehr wohl die Basis für eine weitere und vor allem zügige Verbreitung bildet. Der Feinschliff steht zweifelsohne aus, wird aber sicher kommen. Der Uhrenfachhandel und die traditionellen Uhrenhersteller werden sich mit dem Thema befassen müssen, ob sie wollen oder nicht. Andere tun es nämlich schon und zwar ganz intensiv.

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobilindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen auf dem Sektor für hochwertige Uhren.

 

 

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