Nachdem die lang erwartete Apple Watch nun endlich den Weg in den Markt und damit zum Kunden gefunden hat, stellt sich die Frage: Was verbirgt sich eigentlich im Inneren dieser Smartwatch? Wie ist sie aufgebaut, wie ist es um die Servicefreundlichkeit bestellt und kann sie hardwareseitig ggfs. auf- oder nachgerüstet werden?

Diesen Fragen sind verschiedene Institutionen nachgegangen:

Nach einer genauen Analyse der Apple Watch der auf exakte Hardware Analysen spezialisierten Firma IHS Technology wird deutlich, dass die Apple Watch ein im Großen und Ganzen hervorragend und auch aufwendig gemachtes Produkt ist, aber dennoch, wie anders wo auch, mit ganz normalem Wasser gekocht wurde. Auch der innere Aufbau der Watch offenbart keine wirklichen Sensationen.

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Quelle: IHS Technology Apple Watch Sport 38mm (A1553) April 2015

 

Werden die Materialkosten für die einzelnen Komponenten analysiert und zusammengetragen, so ergibt sich laut IHS-Analyse folgendes Bild. Die genannten Preise sind jeweils in US$ angegeben.

 

Apple_Watch_Materialcost-Breakdown

Quelle: IHS Technology Apple Watch Sport 38mm (A1553) April 2015

 

Nach Addition aller Teile und Komponenten ergibt sich ein Wert von 81,20 US$. Die Assemblage bei einem chinesischen Zulieferer wird mit weiteren 2,50 US$ veranschlagt. Hieraus errechnen sich dann die gesamthaften Produktionskosten (einschließlich Verpackung und mitgeliefertem Zubehör) in Höhe von 83,70 US$.

Dem gegenüber steht ein Verkaufspreis von 349 US$ für die 38mm Variante und 399 US$ für jene in 42mm, jeweils im Aluminiumgehäuse. Die Differenz beläuft sich im Fall der 38mm Variante somit auf 265,30 US$.

Unserer Einschätzung nach wurde durch IHS scharf kalkuliert, was in Anbetracht der erwarteten Stückzahlen von mehreren Millionen/anno aber gerechtfertigt sein dürfte. Nicht berücksichtigt in der Kalkulation sind weitere Kostenpositionen wie:

  • Umlage der Entwicklungskosten
  • Sonstige Umlagen und Overheadkosten
  • Aufwendungen für Marketing und Vertrieb
  • Gewinnanspruch Apple
  • Gewinnanspruch Handel/Vertrieb
  • Zölle, Steuern, Mehrwertsteuer

Die gesamten Produktionskosten betragen bei der einfachen Aluminiumvariante (Apple Watch Sport) rund ein Drittel des Verkaufspreises, zwei Drittel entfallen auf die oben genannten weiteren Kostenpositionen. Einer der höchsten Posten dürfte dabei auf die Umlage der Entwicklungskosten entfallen, was bei einer ersten Produktgeneration grundsätzlich der Fall ist und auch nicht weiter überrascht. Die Abschreibungsdauer wird bei derlei kurzlebigen Konsumgütern in der Regel auf ein Jahr festgelegt, was die Kalkulation zusätzlich belastet. Die Kalkulation erscheint realistisch und der für die Sport Variante veranschlagte Verkaufspreis in der 38mm Ausführung somit gerechtfertigt und nachvollziehbar.

 

Dass Apple am Ende des Tages ein ausreichend hoher Gewinn verbleibt, davon kann sehr wohl ausgegangen werden. Insbesondere wenn die z.T. extrem hohen und nur schwer nachvollziehbaren Mehrkosten für z.B.

Die 42mm Gehäusevariante                             +    50 US$ (42 mm statt 38 mm Gehäusegröße)

Die Edelstahlvariante:                                       +   200 US$ (Edelstahl- statt Alugehäuse, kratzfestes
.                                                                                                  Saphir- statt Gorillaglas)

Das Edelstahlband mit Doppelfaltschließe:  +   449 US$

Das Gehäuse in 18kt Gold:                               + 9.651 US$

veranschlagt und fällig werden. Hier fließt jedoch ein Großteil der Mehrkosten in den Gewinn ab.

 

Ein Unternehmen, welches bereits im ersten Quartal 2015 einen Nettogewinn von gut 13 Mrd. US$ erwirtschaftete, kann diesen Profit ja nur über außergewöhnlich hohe Gewinnmargen aus den verkauften Produkten schöpfen.

Den Kunden stört das offensichtlich nicht, die Umsätze und Gewinne steigen weiter und die Apple Watch macht hier – so viel ist sicher – wohl kaum eine Ausnahme.

 

Apple_Watch_Teardown-View

Quelle: iFixit Teardown of Apple Watch

 

Ein weiterer Indikator über die pure Lust am Gewinne eintreiben, ist der von Apple veranschlagte Pauschalpreis für den früher oder später fälligen Tausch des Akkus in Höhe von 96,30 EUR. Das Teil selbst kostet Apple gemäß Materialaufstellung oben gerade einmal 0,80 US$. Dafür im Tausch dann den 120-fachen Wert vom Kunden einzufordern, ist schon bemerkenswert. Kommt hinzu, dass die Apple Watch so konstruiert ist, dass der Batterieservice nur von Apple selbst durchgeführt werden kann. Ein Öffnen und vor allem bestimmungsgemäßes Wiederverschließen des Gehäuses ist nur mit ganz speziellen Werkzeugen und Verfahren möglich.

 

 

Links und Quellenangaben:

 

 

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